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Filmstart "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes": The Dark Potter - allein unter Feinden

Der Anfang vom Ende ist gekommen - Harry Potter geht auf der Leinwand in die vorletzte Runde. Denn das siebte Buch der Reihe ist fürs Kino in zwei Folgen geteilt worden. In Teil eins geht es düster zu.

Kinotrailer: "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1"

Das Ende ist nahe, und es zieht sich hin: Nach fast einem Jahrzehnt Harry-Potter-Kinomanie öffnet sich nun das letzte Kapitel in der Geschichte um den Zauberjungen und seinen Kampf gegen das Böse. Die magische Zahl sieben wie bei den Büchern von Joanne K. Rowling ist es auf der Leinwand allerdings nicht geworden. Weil zu viel Stoff im letzten Band steckte - böse Zungen sagen auch, weil es sich so gleich doppelt vermarkten lässt -, ist "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" in zwei Teile gesplittet worden. Episode eins feierte am Donnerstag in London Weltpremiere. Deutschlandpremiere ist am 17. November, in den Kinos ist der Film vom 18. November an zu sehen.

"Nirgends ist es sicher" steht als Untertitel auf dem englischen Filmplakat. Nirgends? Richtig, auch nicht im Kino. Denn gleich die ersten Szenen schicken Zuschauern ohne magische Abwehrmechanismen und Zauberstab Schauer über den Rücken. Ein offenes Schlangenmaul füllt den Bildschirm. Geister mit der Optik von halb verwesten Leichen fliegen herum, und Ralph Fiennes als Inkarnation des Bösen, Lord Voldemort, ist alles andere als der gewohnt recht angenehme Anblick.

Gruseln ist also auf jeden Fall gesichert. Doch Regisseur David Yates schafft den Spagat und bringt bei aller Finsternis trotzdem noch reichlich Emotionen, originelle Ideen und sogar Witz unter. Die Originalität sichert wie in allen sechs Teilen zuvor auch wieder die Riege der Top-Schauspieler, die sich von Anfang an für die durch und durch britische Jugendbuchverfilmung begeistern konnten. Helena Bonham Carter als bitterböse Hexe, Alan Rickman als zweideutiger Zaubermeister, Imelda Staunton als rosarote schwarze Magierin.

Ob echte Bücherwürmer zufrieden sind, wird sich zeigen, doch die Stimmung der ersten Hälfte der Buchvorlage hat Yates in jedem Fall aufgegriffen. Und die ist ziemlich deprimierend.

Nachdem Harry im sechsten Buch und Film herausgefunden hat, dass der dunkle Lord Voldemort seine Seele in mehrere Teile aufgespalten hat, um sich unsterblich zu machen, geht er nun auf die Suche nach diesen Stücken. Erst wenn sie zerstört sind, gibt es eine Chance auf den Sieg des Guten über das Böse - von Harry über Voldemort.

Zur Seite stehen Harry natürlich wie immer seine Freunde Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint). Der Unterschied nur: Gab es bislang oft Hilfe von Erwachsenen, sind die Teenies diesmal völlig auf sich gestellt. Um sie herum breitet sich das Böse aus - ihre Familien und Freunde sind in höchster Gefahr. Immer mehr Figuren sterben.

Schwarz, grau, und jede Menge rote Flecke dazwischen: Die dominierenden Bildschirmfarben sprechen Bände. Wie im Buch gehen die Freunde durch eine Phase voller Hoffnungs- und Ziellosigkeit. Zwischendurch fließt und tropft und spritzt reichlich Blut. Auch das Geheimnis, was ein Heiligtum des Todes ist, wird entzaubert.

Die Optik, die Yates für den Machtapparat des Bösen gewählt hat, lehnt sich allerdings an äußerst dunkle Zeiten in der realen Welt an. Die Uniformen der Soldaten erinnern durchaus an die der Nationalsozialisten. Wie auch im Roman tauchen bei der Hetzkampagne der "Zauberer mit reinem Blut" gegen die, deren Eltern keine Zauberer, sondern gewöhnliche "Muggle"-Menschen sind, Anspielungen auf Nazi-Propaganda auf. Hermine, die nur Menschen- und kein Zaubererblut in den Adern hat, bekommt das Wort "Mudblood" - zu Deutsch "Schlammblut" - brutal in den Arm geritzt.

Rassismus-Kritik, dunkle Zauberei, Schreckmomente: Der vorletzte Potter ist definitiv nichts mehr für Kinder. Doch wer sieht ihn dann eigentlich? Hartgesottenen Teenies ist er vielleicht zu harmlos und uncool. Erwachsene könnten sich seltsam unwohl fühlen, wenn ihnen der Tod eines Elfen mit Namen Dobby die Tränen in die Augen treibt. "Ich finde, es ist ok, Angst zu haben, wenn man in einer sicheren Umgebung zum Beispiel mit seinen Eltern ist", sagt Regisseur Yates, der bereits in Teil fünf und sechs die Zuschauer das Gruseln gelehrt hat. "Die Geschichte wird immer dunkler, und das musste im Film gezeigt werden."

Der Film endet auf dem Höhepunkt der Macht des Bösen - mehr Details sollen nicht verraten werden. Erleichtert aber geht wohl kein Fan aus dem Kino. In Teil zwei wird es nochmals so richtig knallen, bevor das Gute den Sieg davonträgt. Das wirkliche, endgültige Ende soll im Sommer 2011 herauskommen. "Teil zwei ist ein völlig anderer Film. Er ist weniger ruhig und viel spektakulärer", verrät Yates schon mal. Wer das Ende der Reihe schon fürchtet, dem hilft auch keine Zauberei mehr: Autorin Rowling hat von Anfang an gesagt, dass Harry die magische Sieben nicht überschreiten und es keine Fortsetzung geben wird.

Britta Gürke, DPA / DPA