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Gene Wilder: Der Glücksjäger feiert 70. Geburtstag

Spaßmacher Gene Wilder sieht sich selbst als "bedrückt, melancholisch und skeptisch". Seine Filmrollen und seine Vorliebe für "traurige Männer, die lustig sind", bewiesen meist das Gegenteil.

Er ist ein Komiker der mit skurrilen Komödien wie "Frankenstein Junior", "Is' was Sheriff?" und "Die Glücksjäger" Millionen zum Lachen brachte. Dabei bekennt sich der Spaßmacher Gene Wilder offen zu seiner traurigen Seite. Als "bedrückt, melancholisch und skeptisch" sieht sich das amerikanische Multitalent, das am 11. Juni seinen 70. Geburtstag feiert. Das glaubt man dem Hollywood-Komiker mit der wirren Lockenmähne, den weit aufgerissenen Augen und fahrigen Gesten aufs Wort.

Der Schauspieler und Regisseur, mit seiner Vorliebe für "traurige Männer, die lustig sind", hat schwere Schicksalsschläge erlebt. Der frühe Tod seiner Kollegin und dritten Ehefrau Gilda Radner, die 1989 im Alter von 43 Jahren and Eierstockkrebs starb, riss ihn in eine Tiefe Krise. Vor fünf Jahren erkrankte er selbst an Lymphdrüsenkrebs, konnte die Krankheit aber mit Chemo- und Stammzellentherapie in den Griff bekommen.

Kleine Rollen, große Erfolge

Der 1935 im US-Staat Wisconsin geborene Sohn russischer Einwanderer debütierte 1967 auf der Leinwand in dem Gangsterdrama "Bonnie und Clyde" in der kleinen Rolle eines schüchternen Leichenbestatters. Nur durch Zufall war der aufstrbende Theater-Schauspieler, der unter dem berühmten Lee Strasberg sein Handwerk lernte, zum Film gekommen. Am Broadway stand er in "Mutter Courage und ihre Kinder" neben der Schauspielerin Anne Bancroft auf der Bühne. Die ging damals mit Regisseur Mel Brooks aus, der Wilder sofort für eine größere Rolle engagierte.

1968 glänzte der Filmneuling in der Musical-Satire "Frühling für Hitler" als neurotischer Buchhalter Leo Bloom, was ihm prompt eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller einbrachte. Mit Brooks schrieb er auch das Oscar-nominierte Drehbuch für "Frankenstein Junior". Wilder scheute auch nicht davor zurück in Woody Allens "Was sie schon immer über Sex wissen wollten" einen Arzt zu spielen, der mit seinem geliebten Schaf Daisy Stundenhotels besucht. Gleich vier Mal stand er mit dem schwarzen Komiker Richard Pryor vor der Kamera, darunter in der Actionkomödie "Die Glücksjäger", in der einer blind und einer taub ist.

Glück gehabt im Leben

Sein Regie-Talent stellte Wilder mit dem Hollywood-Remake der französischen Komödie "Ein Elefant irrt sich gewaltig" unter Beweis. In der US-Version "Die Frau in Rot" mimt Wilder selbst den liebestollen Ehemann, der einer myteriösen Schönheit verfallen ist. Gilda Radner, die er kurz zuvor heiratete, stand ihm dabei zur Seite. Seit ihrem Tod setzt sich Wilder mit Vorträgen und einer Stiftung für die Krebs-Früherkennung ein.

Schon in den 80er Jahren hatte sich Wilder aus Hollywood nach Connecticut an der Ostküste zurückgezogen, wo er heute mit seiner vierten Ehefrau lebt. Er male, nehme Tanzunterricht und spiele Tennis, erzählte er kürzlich der Lokalzeitung "The Hour". Nach einem jahrelangem Wechselspiel von Komödien und Tragödien ist Wilder offenbar zur Ruhe gekommen. "Ich zähle mich zu denen, die Glück gehabt haben im Leben", resümiert der Komiker, ohne dabei zu scherzen.

Barbar Munker/DPA / DPA