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Grimme-Nominierung: Öffentlich-rechtlich macht das Rennen

Wie gewohnt können vornehmlich öffentlich-rechtliche Sender auf den Adolf-Grimme-Preis hoffen. Gute Aussichten hat dieses Jahr Tagesschau-Moderatorin Anne Will. Die provokanten Fernsehauftritte von Susanne Osthoff konnten die Jury dagegen nicht überzeugen.

Auf einen der begehrten Adolf-Grimme-Preise können sich in diesem Jahr 56 TV-Produktionen, Schauspieler und Fernsehschaffende hinter der Kamera Hoffnung machen. Die begehrten Preise werden am 31. März zum 42. Mal vergeben. "Das Fernsehjahr 2005 glänzt durch eindrucksvolle Fernsehfilme, von berührenden Dramen über spannende Krimis auf hohem Niveau bis zu höchst vergnüglichen Produktionen", sagte der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, bei der Vorstellung der Auswahl. Enttäuscht zeigte er sich über die Sendezeiten von Informationsbeiträgen, die außerhalb des Hauptprogramms "versenkt" würden.

Besondere Ehrung für Elke Heidenreich

Die Reportagereihe "Die Story", die bei WDR und ARD spät abends läuft, erhielt dabei gleich fünf Nominierungen für Einzelberichte und eine sechste für die Autoren der Wirtschaftsgeschichte "Milliarden- Monopoly I und II". Insgesamt entfielen 52 der 56 Nominierungen auf die öffentlich-rechtlichen Sender. Die Kommissionen loben besonders die herausragende Qualität der Fernsehspiele und Schauspielleistungen.

Freuen darf sich jetzt schon Elke Heidenreich. Dem Ruhrpott- Original wird die "Besondere Ehrung" des Volkshochschul-Verbandes, des Stifters der Grimme-Preise, zuteil. Das 62-jährige Multitalent, das eigentlich aus dem hessischen Korbach stammt, habe im bisherigen Wirken eine besondere Vielseitigkeit unter anderem als Moderatorin, Autorin und Kabarettistin an den Tag gelegt. Sie habe "Witz, Schlagfertigkeit, Wachheit, Geistesgegenwart, Neugier, Lust, Frische, Temperament, Komik, Fröhlichkeit" auf das Genre Literatur im Fernsehen übertragen, das den Ruf des Elitären, des Elfenbeinturms immer noch nicht verloren habe. Als schwadronierende Metzgersgattin Else Stratmann aus Wanne-Eickel habe sie es sogar bis ins ZDF-Olympiaprogramm geschafft.

Osthoff nicht nominiert

Aus den rund 600 Vorschlägen von Sendern und Zuschauern hatten die Nominierungskommissionen insgesamt 56 Beiträge ausgewählt. Keine Berücksichtigung fanden die Fernsehauftritte der Irak-Geisel Susanne Osthoff im "heute journal" (ZDF) und bei "Beckmann" (ARD). Die Kommission wertete die Vorschlags-Begründung des Zuschauers, Osthoff habe sich den typischen, fest gefügten Projektionen der Medien von Menschen und Handlungen eindrucksvoll entzogen, als überzogen. Osthoff sei bei beiden Sendungen nicht "Herr des Geschehens" gewesen, sondern habe einen außerordentlich verwirrten Eindruck gemacht und die Zusammenhänge einem breiten Publikum nicht darstellen können, sagte Kommissionschef Torsten Zarges.

Grimme-Direktor Kammann wertete den Vorschlag, der im "Tagesspiegel" veröffentlicht wurde, sogar als "inszenierte Mediengeschichte". Vorschlag und Bericht seien beide aus dem Umfeld der Zeitung gekommen. "Es hat uns drei Tage gekostet, das aufzuklären", kritisierte Kammann.

Gute Aussichten für Anne Will

Auf lediglich vier Nominierungen kamen die privaten Sender. Der Größte von ihnen, RTL, ging sogar leer aus. In die Endrunde schafften es die Büroserie "Stromberg" (ProSieben), "Pastewka" mit seiner Comedy-Serie "Ich liebe das Leben" (beide Sat.1) sowie die Macher der MTV-Satire "pimp my Fahrrad", die die beliebte US-Serie "pimp my ride" auf die Schippe nehmen.

Gute Aussichten auf einen der bis zu 14 Grimmepreise hat auch Tagesthemen-Moderatorin Anne Will, die von der Kommission für ihre Interviews gelobt wurde. Hervorgehoben wurde das Gespräch mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder, bei dem Will von der vereinbarten Befragung zur US-Politik abgewichen sei und ihn zur aktuell wichtigeren Entscheidung für die Vertrauensfrage interviewt habe. Lob erhielt auch das Porträt "Mister Tony Blair" (ARD) als ein Beispiel dafür, wie man einen Staatsmann auch einmal etwas anders darstellen könne und Gefühlsregungen mit verarbeite.

Wenig Hoffnung dürfen sich Sat.1 mit "Die Luftbrücke" und die ARD für den Beitrag "Rendezvous mit dem Tod" über die Ermordung von John F. Kennedy machen. Sie hätten die Erwartungen nicht erfüllt. Jetzt können nur noch die Jurys in der Endausscheidung die abgelehnten Filme nachnominieren.

Die Grimme-Preisträger gibt das Institut dann am 15. März in Düsseldorf bekannt. Die Gala mit der Übergabe folgt am 31. März im Stadttheater von Marl.

DDP/AP / AP