Harald Schmidt Sticheln bis zum Schluss


Harald "Dirty Harry" Schmidt stichelt bis zuletzt: Nachdem ihm Günther Jauch das Wasser servierte, nahm er Rudi Völler ins Visier. Für Nachfolgerin Anke Engelke gab dagegen dickes Lob.

Ein wenig Bammel vor seiner letzten Show auf Sat.1 schien Harald Schmidt schon zu haben. Am Montagabend, in der vorletzten Harald-Schmidt-Show, hatte er schon vorausgesagt: "Die Sendung morgen wird Scheiße, was denn sonst." Auch bei seiner letzten Sendung konnte er es nicht lassen: Harald Schmidts charakteristische Sticheleien in seiner Late-Night-Show auf SAT.1, blieben dem Zuschauer erhalten. Doch im Kreuzfeuer stand nicht die Komikerin Anke Engelke als seine Nachfolgerin auf dem Dauersendeplatz wochentags um 23.15 Uhr. Engelke sei "genau die Richtige". "Ich wünsche ihr gute Gesundheit, gute Nerven und viel Erfolg", meinte Schmidt ungewohnt friedfertig. Eine gehörige Portion Häme hingegen bekam der Teamchef der deutschen Nationalmannschaft Rudi Völler ab.

Völler bekam sein Fett weg

Bei der Show-Wahl zum so genannten "Liebling des Jahres" bekam Völler als einer der Kandidaten sein Fett weg. Schmidt kommentierte den Teamchef mit den abfälligen Worten "Rudi Völler - Prolet - kommt aber an". Ebenso erging es bei der Liebling-Wahl dem ehemaligen Fernsehmoderator Michel Friedman. Der sei "auch nur ein Mensch - jetzt wissen wir es alle", sagte Schmidt im Hinblick auf die Kokain-Affäre Friedmans.

Emotionsloser Abschied

Generell schien Schmidt wenig gerührt, nach acht Jahren Dauerpräsenz mit seiner Late-Night-Show beim Berliner Privatsender. Jetzt sei "Winterpause", sagte Schmidt ohne Emotionen, als ob seine Sendung im kommenden Jahr wieder losgehen könnte. Seine Devise sei: "Bescheiden bleiben, Ruhe reinbringen, es plätschern lassen und - frei nach Franz Beckenbauer: 'Nur nicht im letzten Spiel die Taktik ändern'."

Schmidt spaltete die Nation

An dem 46-Jährigen aus Schwaben schieden sich lange die Geister: Für die einen war er eine Kult-Figur mit intellektuellem Anspruch, für die anderen ein zynischer Besserwisser mit schlechten Manieren. Seinem Ruf blieb Schmidt auch bei der Aufzeichnung seiner letzten Ausgabe treu. Respektlos wetterte er indirekt gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Helmut Schmidt sei der "letzte anständige Bundeskanzler" gewesen, frotzelte Harald Schmidt gewohnt lässig und gratulierte dem Altbundeskanzler zum 85. Geburtstag.

Kaum Überraschendes

So blieb die letzte, 1363. Sendung eine fast ganz normale Show, wenn man davon absieht, dass der Wasserträger Sven überraschend umbesetzt wurde: Statt seiner betrat für wenige Sekunden TV-Superstar Günther Jauch die Bühne, stellte wortlos das obligatorische Glas Wasser auf Schmidts Schreibtisch, und ging wieder. "Piano", verordnete sich der Meister der spitzen Zunge. "Nichts Arges, nichts Hartes. Keine besondere Hektik, einfach plätschern lassen." Eigentlich lief eine durchschnittliche Show vor dem letzten Studiopublikum ab, nur dass Schmidt sich über die zahlreichen Fotografen lustig machte, die diesmal gekommen waren.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Zum Schluss der Sendung intonierte der "Werkschor", zusammengesetzt aus Mitarbeitern der Show, "White Christmas", aber auf Wunsch Schmidts mit deutschem Text: "Süß singt der Glockenturm: Weihnacht." Das war's. Schmidt geht in die so genannte Winterpause. Ein wenig Hoffnung machte er seinen zahlreichen Fans dann doch noch: "Achten Sie auf das Kleingedruckte in der Lokalpresse, damit Sie nicht versäumen, wenn die Winterpause vorbei ist."

Proteste mit Transparenten

Die Ära der "Harald Schmidt Show" endete für einige Fans jedoch etwas spektakulärer. Mit Transparenten "Mach weiter Harald" und "Fernsehen ohne Schmidt - Nein Danke" hatten sich Fans nach der Aufzeichnung eingefunden. Sie zertrümmerten als Zeichen ihrer "Trauer" einen Fernseher vor den Toren des Studios.

DPA

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