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Horrorthriller von Almodóvar: "Die Haut, in der ich wohne"

Mit Filmen wie "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" und "Mein blühendes Geheimnis" wurde der Regisseur Pedro Almodóvar berühmt. Nun kommt sein neues Werk "Die Haut, in der ich wohne" ins Kino - mit Hollywood-Star Antonio Banderas in der Hauptrolle.

In der Pose eines klassischen Gemäldeakts - seitlich und mit aufgestütztem Arm - liegt eine Frau (Elena Anaya) auf einem Bett und liest ein Buch. Bildschön, biegsam und superschlank ist sie, gehüllt in einen fleischfarbenen Ganzkörperanzug. Durch eine Einwegglasscheibe im Nebenraum beobachtet ein eleganter plastischer Chirurg (Antonio Banderas) die junge Frau, die so aussieht wie seine eigene, die vor Jahren bei einem Autounfall verbrannte. Nach jahrelanger Forschung verpasst der angesehene Arzt dem Geschöpf in seinem abgeschiedenen Landhaus bei Toledo Stück für Stück eine makellose künstliche Haut, die gegenüber äußeren Einflüssen unempfindlich ist.

Um dieses Geschehen kreist Pedro Almodovárs verschachtelter, in seiner Ästhetik ungewohnt kühler erster Horrorthriller "Die Haut, in der ich wohne". Von der Kritik bisher verhalten aufgenommen, behandelt der provokationsfreudige, Oscar-prämierte spanische Starregisseur und Drehbuchautor ("Sprich mit ihr", "Volver - Zurückkehren") darin Themen wie Identität und Sexualität, Jugendwahn und Amoralität. Wie ein Leitmotiv zieht sich die Unfähigkeit des modernen Menschen durch den Film, den Anderen als den wahrzunehmen, der er ist. Grundlage bildet der 1984 erschienene "roman noir" mit dem Originaltitel "Mygale" (Vogelspinne) des Franzosen Thierry Jonquet.

Kinotrailer: "Die Haut, in der ich wohne"

Überdeutliche Symbolik

Helle, durchkomponierte Bilder von steriler Schönheit und pochende Klänge geben dem Film seine Tonart. Trash ist ein wichtiges Stilmittel. Darsteller wie der von Almodovár schon früher gern eingesetzte Hollywood-Beau Banderas ("Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs") als lässig-geschäftsmäßiger Frankenstein von heute und Anaya als dessen geheimnisumwitterte Gefangene hauchen der schrägen Geschichte Leben ein. Darin agiert auch Marisa Paredes als treu sorgende Haushälterin, die von sich sagt: "Ich trage den Wahnsinn in meinen Eingeweiden." Und im Tigerkostüm dringt Roberto Álamo als verfolgter Krimineller brutal nicht nur in den Landsitz ein.

In seinen menschlich-gesellschaftlichen Aussagen bleibt der Regisseur bei alledem nur allgemein, in der Symbolik überdeutlich. Der Wunsch nach Nähe, der Einsame zu drastischen Mitteln zwingt oder auch das Uneindeutige von Identität und sexueller Orientierung sind Vorstellungen des einstigen Untergrund-Künstlers, die er in sonst eher farbenprächtig-üppigen Werken bereits bezwingender dargestellt hat. Trotzdem lässt sich "Die Haut, in der ich wohne" als raffinierter, Genre-untypisch unblutiger Horror-Spannungsfilm goutieren.

Ulrike Cordes, DPA / DPA