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Interview: "Das Opus Dei ist eine geistliche Tankstelle"

In "Sakrileg", der Romanvorlage für "The Da Vinci Code", stellt Dan Brown das Opus Dei als machtversessenen Geheimbund in der katholischen Kirche dar. "Alles frei erfunden", sagt Opus-Dei-Priester Martin Rhonheimer im sternTV-Interview.

Was halten Sie von Dan Browns Roman "Sakrileg"?
Das einzige, was in dem Buch stimmt, sind die Adressen. Alles andere ist erfunden, es hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Deshalb ist es für jemandem vom Opus Dei eher belustigend. Was mich wirklich erschreckt und betrübt ist, was über die Kirche gesagt wird: dieses abstoßende Bild von der katholischen Kirche. Dan Brown wendet eine bewusste Technik der Irreführung an, so dass der Leser nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann.

Wie hat das Opus Dei auf den Roman reagiert?


Mit großer Gelassenheit. Wir haben gesagt, hier gibt es ein Kommunikationsproblem. Wir sind mit Erfolg an die Öffentlichkeit gegangen, wir haben den Journalisten erleichtert, über uns Informationen zu bekommen.

Ist das Opus Dei ein Geheimbund?
Wir haben uns bemüht, immer offen zu sein. Jeder kann auf uns zugehen und die Informationen erhalten, die er wünscht - man muss nur anklopfen. Es gibt keine Geheimnisse, wir haben nie Geheimnisse gehabt. Wir möchten, dass man uns kennt - und zwar so, wie wir sind.

Wie sind sie denn?


Wir fühlen uns als Kinder Gottes. Wir wissen, dass Gott die Menschen liebt und unser Vater ist. Das macht uns froh, und wir möchten diese Freude in die Welt hineintragen. Wer uns kennt weiß, dass wir ganz normale Menschen sind, Christen mitten in der Welt.

Wie funktioniert das Opus Dei?


Man könnte es am besten vergleichen mit einer Art geistlichen Tankstelle, sozusagen über das ganze Land verstreut, so dass jeder, der das wünscht, geistige Hilfe für sein christliches Leben bekommt. An der Spitze steht ein Bischof, und es gibt Laien und Priester, die das große Apostolat realisieren.

Dan Brown bezeichnet das Opus Dei als Mafia des Vatikans.
Das beruht auf einer grotesken Verzerrung der Realität. Das Opus Dei ist eine Organisation der katholischen Kirche, wie es viele andere Organisationen auch sind. Was wir wollen ist, der Kirche zu dienen, wir tun dies als gewöhnliche Christen. Es gibt Menschen, die das nicht verstehen. Sie suchen Geheimnisse, die nicht existieren. Und dann kommt man auf solche Verschwörungstheorien, die letztlich nur Hass und Misstrauen schüren.

Wie viel Macht hat das Opus Dei im Vatikan?
Macht ist keine Kategorie, in der die Kirche denkt. Wir versuchen, der Kirche zu dienen. Unsere Mitglieder üben keine Macht aus, sondern stellen ihre Arbeit zur Verfügung. Sicher gibt es Einfluss, aber niemand übt Macht aus. Wir haben zwei Kardinäle und in der ganzen Welt ungefähr 40 Bischöfe von über 4000.

Dan Brown wirft dem Opus Dei vor, die Frauen zu verachten.


Da muss ich lachen. Der Gründer des Opus Dei, Josemaría Escrivá, hat einmal öffentlich erklärt: Er preise Gott, weil er die Frauen so schön erschaffen hat. Zudem er hat das Ehebett als einen Altar bezeichnet. Er hatte eine hohe Meinung von der Frau. Ohne die Frauen wäre das Opus Dei unmöglich.

Was ist der Heilige Gral?
Für mich ist das eine Legende, die mit Hartnäckigkeit immer wieder an die Oberfläche kommt. Und die nun Dan Brown ausnützt und zum Vorwand nimmt, um der Kirche ein Komplott anzudichten.

Was wäre schlimm daran, wenn man zum Beispiel herausfände, dass Jesus mit Maria Magdalena ein Verhältnis hatte?


Die christliche Botschaft würde dadurch in ihrer ganzen Brisanz und Schönheit verstellt. Wir brauchen das nicht, das würde die Wahrheit verdunkeln, dass Gott Mensch geworden ist in Jesus Christus.

Wie sicher können wir uns sein über diese Wahrheit?


Das ist eine Frage des Glaubens. Ein Christ hat die Sicherheit, weil er glaubt. Aber das kann man niemandem aufzwingen, das muss jeder selbst frei entdecken.

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