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Interview Julia Jentsch: Von Sophie Scholl zur Nazi-Anhängerin

Als Widerstandskämpferin Sophie Scholl wurde sie zum Star des deutschen Films. Nun spielt sie in "Ich habe den englischen König bedient" eine Nazi-Anhängerin. Im stern.de-Interview spricht sie über Trachtenkostüme, Drehs in fremden Sprachen, und erklärt, warum sie ihre unsympathische Figur trotzdem mag.

Von Sophie Scholl zur Nazi-Anhängerin: Julia Jentsch beeindruckt in "Ich habe den englischen König bedient" mit ihrer Rolle als glühende Hitler-Verehrerin. Der Film des tschechischen Regisseurs und Oscar-Preisträgers Jirí Menzel erzählt von einem Provinzkellner, der in Prag zum Hotelier aufsteigt und sich aus Liebe zu einer Sudetendeutschen (Julia Jentsch) auf die Seite der deutschen Besatzer schlägt.

Frau Jentsch, für Ihre Rolle als Sophie Scholl ernteten Sie viel Lob von Kritikern und Publikum. In "Ich habe den englischen König bedient" spielen Sie nun eine Lehrerin, die Hitler anbetet und für die Reinhaltung der arischen Rasse kämpft. Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Ich habe so etwas vorher noch nicht gespielt und habe schon überlegt: Habe ich Lust, eine Frau zu spielen, die eine fanatische Hitler-Anhängerin ist? Dann habe ich mich aber doch dafür entschieden - wegen der Charaktereigenschaften, die sie sonst noch hat. Ich fand es in der Kombination spannend: dass jemand solch eine schreckliche Ideologie verkörpert und gleichzeitig eine sympathische Seite hat.

Was ist an Liza sympathisch?

Das Lustige, Überschwängliche. Als Liza zum ersten Mal in das Café kommt, in dem ihr Freund Jan Díte arbeitet, macht sie den Hitlergruß. Es ist zwar immer unangenehm, den Hitlergruß zu sehen, aber Liza macht das so, wie sie alles andere auch macht. Sie ist klein, kein besonderer Mensch, aber sagt, "Hallo Leute, hier bin ich". Es ist ihr egal, ob alle Leute sie anschauen, Hauptsache, sie trifft ihren Jan Díte wieder. Dieses Fröhliche, Unbeschwerte, Begeisterungsfähige finde ich erstmal sehr sympathisch.

Hatten Sie Bedenken, eine Nazi-Frau ausgerechnet in einer Komödie zu spielen?

Ich habe mich erst gefragt, ob man das so zeigen kann. Aber aus den Gesprächen mit Jirí Menzel wurde mir klar, dass er sehr gut damit umgehen wird. Das Tragische wird er nicht übergehen, sondern er wird Bilder finden, die auch den Schrecken transportieren. Wenn es ein Film gewesen wäre, der die Zeit auf eine sehr ernste oder dokumentarische Weise behandelt hätte, wie es bei Sophie Scholl der Fall war, und wenn ich dann eine Nazi-Anhängerin gespielt hätte, die das mit einer Ernsthaftigkeit verkörpert - das hätte ich nicht unbedingt gewollt. Natürlich kann man einen Film wie Sophie Scholl nicht drehen, ohne dass es jemanden gibt, der bereit ist, einen Nazi zu spielen. Das wäre aber nicht mein persönliches Interesse gewesen und ich hätte keine Lust gehabt, mich damit zu beschäftigen.

Sophie Scholl, Antigone - Sie haben bisher vor allem Frauen gespielt, die man irgendwie bewundern muss. War es jetzt befreiend, eine naive und verblendete Frau zu spielen?

Vielleicht unbewusst. Obwohl die Rolle dadurch nicht leichter war, denn ich habe auf so eine Weise noch nie gearbeitet. Unbewusst spürt man: Das ist etwas Neues, wonach ich mich sehne. Kein Schauspieler möchte immer nur die gleichen Charaktere spielen.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ich habe mich mit dem Thema der Sudetendeutschen auseinandergesetzt, um zu verstehen: Warum lebte Liza als Deutsche da, wie lange lebten Tschechen und Deutsche zusammen? Während der Besatzung wurden die Tschechen vertrieben, und nachher wieder die Deutschen. Was für ein dramatischer Teil des Landes!

Sie treten im Lodenkostüm und mit Bauernzopf auf...

Ich weiß noch, als ich das erste Mal zur Kostümprobe kam, und diese Filzröcke und die Trachtenhütchen aufgezogen habe und Affenschaukeln hatte! Das war schon sehr absurd, da dachte ich: In welchen Film bin ich hier, was mache ich hier? Aber so irritiert ich war, so sehr hat es mir auch geholfen, denn schon das Kostüm hat ein ganz klares Bild gezeigt: Die ist nicht halb so und halb so, die ist wirklich ganz und gar das kleine deutsche Mädel. Das seltsame Gefühl bleibt aber, sich in der Tracht zu sehen. Von sich selbst irritiert zu sein, ist aber auch spannend. Man ist das irgendwie, aber es ist auch eine fremde Person.

Der Film wurde auf Tschechisch gedreht. Wie ist es möglich, sich in einer fremden Sprache glaubhaft auszudrücken?

Manchmal hat man schon das Gefühl: Wenn ich das jetzt in meiner Sprache sagen würde, könnte ich dem einen anderen Ausdruck geben. Aber manchmal erleichtert es auch. Man fühlt sich freier. In der eigenen Sprache gibt es Worte und Sätze, die man in einer bestimmten Weise kennt und ausspricht. Manche Wörter sind mit einer zu großen Bedeutung behaftet. Damit geht man in einer fremden Sprache offener um.

Machen Sie auch mal Pause? Oder muss es immer Arbeit sein?

Nein, ich kann auch gut nichts tun. Ich gehe spazieren, treffe mich mit Freunden, die nichts mit meinem Beruf zu tun haben, oder besuche Leute, die ich lange nicht mehr gesehen habe, reise ein bisschen rum. Oder ich nutze die Zeit, endlich selber mal wieder Filme zu gucken oder ins Theater zu gehen.

Verletzen Sie negative Kritiken?

Ich finde die Kritiken manchmal schon erstaunlich persönlich. Da bin ich dann ein bisschen überrascht. Woher das kommt, das verwundert mich manchmal. Ich habe früher gern nach der Premiere alle Kritiken gelesen und habe dann aber gemerkt, dass das gar nicht so gut ist. Ich habe mich mit dem Stück lange und intensiv beschäftigt, mit den Kollegen, mit dem Regisseur, und dieses Ergebnis ist daraus gewachsen - das muss man erstmal weiter so vertreten und darf sich nicht zu stark von der Kritik irritieren lassen.

In der Öffentlichkeit nimmt man Sie allerdings als fast schon perfekte Schauspielerin wahr. Nervt Sie dieses Bild?

Ich frage mich schon, wie ein Eindruck von mir zustande kommt. Es ist aber nicht so, dass ich ein bestimmtes Bild von mir vermitteln möchte. Vielleicht kommt der Eindruck daher, dass für mich tatsächlich die Arbeit im Vordergrund steht, wenn ich Interviews gebe und mit Journalisten rede.

Interview: Anne Meyer

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(