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Elisabeth Hartnagel Schwester der Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl gestorben

Elisabeth Hartnagel vor Fotos von Hans und Sophie Scholl, den Mitbegründern der Organisation Weiße Rose
Elisabeth Hartnagel wurde am 27. Februar 1920 geboren. Ihre Geschwister Hans und Sophie waren Mitglieder der Organisation Weiße Rose in München und wandten sich ab 1942 mit Flugblättern gegen das nationalsozialistische Terrorregime.
© Stefan Puchner / DPA
Die Stadt München trauert um Elisabeth Hartnagel, die Schwester von Hans und Sophie Scholl. Sie war am vergangenen Freitag im Alter von 100 Jahren gestorben.

Elisabeth Hartnagel, die Schwester von Hans und Sophie Scholl aus der Widerstandsgruppe Weiße Rose, ist vergangenen Freitag in München gestorben. Mit ihrem Tod schließe sich das Fenster, durch welches sie uns als Zeitzeugin auf die historischen Ereignisse blicken ließ, sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Dienstag.

"Die Verantwortung, die Erinnerung an die Geschehnisse wachzuhalten, geht nun auf uns später Geborene über." Hartnagel war einen Tag nach ihrem 100. Geburtstag gestorben. Sie wurde am 27. Februar 1920 in Forchtenberg am Kocher geboren. Ihre Geschwister Hans und Sophie waren Mitglieder der Weißen Rose in München und wandten sich ab 1942 mit Flugblättern gegen das nationalsozialistische Terrorregime. 1943 wurden sie und weitere Mitglieder von der Gestapo erwischt und hingerichtet. Vom Widerstand ihrer Geschwister wusste Hartnagel nach Auskunft der Weiße Rose Stiftung lange nichts.

Von der Hinrichtung der beiden habe sie erst aus der Zeitung erfahren. "Ich habe mir damals einfach gewünscht, ich sei verrückt, ich würde mir das alles einbilden, es würde bestimmt nicht wahr sein", beschrieb sie später diesen Moment. Auch sie selbst und ihre Familie wurden anschließend verhaftet.

Weiße Rose versuchte Widerstandswelle auszulösen

Bis zu der Festnahme und Verurteilung der Geschwister Scholl hatte die Gestapo keine Spur zu jener geheimnisvollen Widerstandsbewegung, die nachts Flugblätter in München verteilte und Anti-Hitler-Parolen an Hauswände schrieb. Die "Weiße Rose" hatte ihre Aktivitäten nach der verheerenden Schlacht von Stalingrad mit Hunderttausenden toten Soldaten verstärkt. Mit den Aktionen versuchten sie eine Welle des Widerstands gegen das NS-Regime auszulösen. "Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen, die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe", heißt es im vierten Flugblatt. Und: "Bitte vervielfältigen und weitersenden!"

km DPA

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