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Kino-Sommer 2006: Rückkehr der Superhelden

Sei es "Fluch der Karibik 2" , "Superman Returns" oder die Neuauflage des Katastrophenklassikers "Die Höllenfahrt der Poseidon" - gegen die Talfahrt der Branche setzt Hollywood auf bewährte Stoffe.

Zum Auftakt des Kino-Sommers 2006 geht Hollywood in die Offensive. Mit "Mission: Impossible 3" wurde an diesem Wochenende auf den amerikanischen Leinwänden schweres Geschütz aufgefahren. Eine Kinokassen-Flaute - wie im letzten Jahr - sollte gleich in den Anfängen bekämpft werden. Mit Tom Cruise als Action- und Schlagzeilenheld, der zum Filmstart nach Europa und Mexiko jettete, in New York per Helikopter, Feuerwehrwagen, Schnellboot und Motorrad zu den Premieren preschte und in Los Angeles mit seiner künftigen Ehefrau Katie Holmes über den Roten Teppich flanierte, scheint die Blockbuster-Rechnung teilweise aufzugehen. Nach ersten Schätzungen spielte der dritte Teil des Spionagethrillers mit Cruise alias Ethan Hunt am Premieren-Wochenende rund 48 Millionen Dollar ein.

Branchenkenner hatten zwar einige Millionen mehr erwartet. Doch mit der Spitzenposition in den US-Kinocharts stellte "M:I-3" den schlappen Sommerauftakt vor einem Jahr mit "Königreich der Himmel" spielend in den Schatten. Das Historienepos von Ridley Scott brachte am ersten Mai-Wochenende in 2005 gerade mal 19 Millionen Dollar ein. Nach dem missglückten Start ging dann die Talfahrt an den Kinokassen für die Branche weiter. Hollywoods Sommer-Einnahmen rutschten um 9 Prozent unter den Vorjahresstand ab.

Schlag auf Schlag mit Sakrileg und Poseidon

Tom Cruise als Retter? US-Kritiker loben "M:I-3" als den "perfekten Startschuss für die Sommer-Saison" und als "hyper- dynamisches" Vergnügen. "All das private Zeug mit Katie und Scientology hat seiner Star-Power nicht geschadet", nahm ein Premieren-Besucher in San Francisco den frisch gebackenen Vater Cruise in Schutz. Mit "Poseidon", der Bestsellerverfilmung "The Da Vinci Code" und "X-Men 3" geht es im Mai im Wochenrhythmus mit potenziellen Kinohits Schlag auf Schlag weiter.

Sommer mit Überlebensdrama

Der deutsche Regisseur Wolfgang Peterson bringt in seiner Neuauflage des Katastrophen-Klassikers "Die Höllenfahrt der Poseidon" (1972) einen Luxuskreuzer durch eine riesige Welle zum Kentern. Das Trick-Spektakel und Überlebensdrama schwappt am kommenden Wochenende in die US-Kinos (Dt. Kinostart am 13. Juli). Vor der Konkurrenz hat Petersen keine Angst. "Das sind die ersten richtigen Film-Ereignisse des Jahres, die alle ein großes Publikum finden können. Ich habe ein gutes Gefühl für den Sommer", prophezeite Petersen zuversichtlich bei den Dreharbeiten im November.

Und immer wieder Piraten und Supermänner

Mit "Superman Returns" setzt Hollywood auf die Rückkehr des lukrativen Superhelden. Auch die Piraten-Fortsetzung "Fluch der Karibik 2" mit Johnny Depp als Captain Jack Sparrow könnte eine Schatztruhe öffnen. Die Produzenten hoffen auch wieder auf Komödien- Überraschungshits, wie in 2004 mit "Jungfrau (40), männlich, sucht.. ." und "Die Wedding Crashers". In diesem Jahr fetzt sich Jennifer Aniston mit Vince Vaughn in "Trennung mit Hindernissen", während Owen Wilson in "Ich, du und der andere" den Hausfrieden eines jungen Paares stört.

Kassen sollen klingeln dank Animationen

Auch die Animationsbranche mischt in diesem Sommer mit. Das Erfolgsteam von "Shrek" schickt in "Ab durch die Hecke" Waldtiere in die Großstadt. Aus dem Hit-erprobten Hause Pixar kommt der Zeichentrickfilm "Cars" auf die Leinwand.

Nach Jesus kommen die Mayas dran

Fans der 80er-Jahre-TV-Hitserie "Miami Vice" könnten der Filmversion mit Colin Farrell und Jamie Foxx in den Hauptrollen zum Geldsegen verhelfen. Zum Jahresende steht dann "Apocalypto" von Mel Gibson auf dem Programm. Nach seinem Mega-Erfolg mit dem kontroversen Jesus-Film "Die Passion Christi" hat sich der Australier den Untergang einer Maya-Kultur vorgeknöpft. Sein neuestes Werk dreht Gibson in einem mayanischen Dialekt. Das mag dem Bankkonto nicht schaden. Schließlich ließ Gibson seine Darsteller in "Die Passion Christi" aramäisch und lateinisch sprechen und sahnte dennoch über 370 Millionen Dollar an den US-Kinokassen ab.

Barbara Munker, DPA / DPA