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Kinostart "Die verlorene Zeit": Liebe in Zeiten des Holocausts

Dass trotz aller Barbarei Liebe und Opferbereitschaft selbst im Konzentrationslager keine Unmöglichkeit sind, zeigt der Film "Die verlorene Zeit". Eine mit Feingefühl inszenierte Geschichte über eine dramatische Beziehung.

Die Jüdin Hannah Levine hat es geschafft. Sie überlebte die Gefangenschaft im Konzentrationslager, verließ Deutschland, ihre Heimat, und heiratete in Amerika ihren Mann Daniel. Doch anstatt das Erlebte hinter sich zu lassen, wird sie von den Erinnerungen an die Schrecken der Krieges verfolgt. Als sie eines Tages im Fernsehen den Mann sieht, den sie liebte und mit dem sie 1944 aus dem Lager flüchtete, macht sie sich heimlich auf die Suche nach dem Verlorenen.

Die Jüdin und Tomasz Limanowski, ein gebildeter Pole, verlieben sich in der Hölle des KZs ineinander. Tomasz schafft es, an die Uniform eines Wärters zu gelangen und mit Hannah zu fliehen. Unter lebensgefährlichen Umständen machen sie sich auf den Weg zu seinen Eltern. Doch sie werden getrennt. Tomasz geht nach Warschau, um im Widerstand gegen die Nazis zu kämpfen, Hannah überlebt auf einem Bauernhof bei Verwandten des Polen. Auch durch die Schuld von Tomaszs Mutter, die gegen die Verbindung ihres Sohnes mit einer Jüdin ist, verlieren sie einander. Als endlich Friede ist, halten beide den anderen für tot und versuchen, ihr Leben wieder in normale Bahnen zu lenken. Bis Hannah mehr als drei Jahrzehnte später durch Zufall erfährt, dass Tomasz lebt.

Anna Justice ("Max Minsky und ich") stellte für ihre Produktion einen internationalen Cast zusammen. Mit Dagmar Manzel ("John Rabe"), Lech Mackiewicz ("Der Pianist") oder David Rasche ("Flags Of Our Fathers") sind erfahrene Schauspieler dabei, die dem Film Authentizität verschaffen.

Empfindsamer Umgang mit schwierigem Thema

Anna Justice gelingt eine kluge und einfühlsame Balance zwischen Historienfilm, Romantik und politischer Analyse. Dabei geht es nicht nur um die außergewöhnliche Beziehung zwischen Hannah und Tomasz, es wird auch die Tragödie eines Landes thematisiert.

"Die verlorene Zeit" ist ein Vorzeigebeispiel für einen sachlichen und gleichzeitig dramatischen Umgang mit der Thematik des Zweiten Weltkriegs - und ein Plädoyer für internationale Produktionen. Mit glänzenden schauspielerischeren Leistungen, einer gelungenen Inszenierung und dem nötigen Taktgefühl ist so ein traurig-schöner Film entstanden, der unter die Haut geht.

Gerrit ter Horst, DPA / DPA
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