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Kinostart "The Tree of Life": Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Wollen Sie mal wieder etwas richtig Monumentales sehen, mit Tiefgang und den ganz, ganz großen Fragen? Und stehen Sie auf Kubrick? Dann ist Terrence Malicks preisgekrönte Sinnsuche genau das Richtige für Sie.

Von Sophie Albers

Alles fließt. Wasser ist Anfang und Ende. In uns und um uns herum. Oben und unten, von allen Seiten. Wasser, das Leben schenkt. Wasser, das tötet. Gezähmtes Wasser aus dem Hahn in einer Metropole der Zivilisation, Wasser als Urgewalt, die Vulkane kühlt. Wasser als Musik, Wasser als Bild. Wenn Terry Malicks filmisches Mammutwerk "The Tree of Life" mit einem fertig ist, weiß man nicht so genau, ob dieser Film das Großartigste ist, was man jemals gesehen hat, oder ob einfach nur die Meditations-CD zuende ist.

138 Minuten lang wird der Zuschauer bestürmt von monumentalen Bildern, monumentaler Musik, monumentaler Sprache und monumentalem Anspruch. Malick fragt in seinem Film nach nicht weniger als Sinn und Ursprung des Lebens. Und er gibt sich definitiv nicht mit Douglas Adams' "42" zufrieden.

Brad Pitt und Dinosaurier

Der Mikrokosmos einer Mittelstandsfamilie in einer US-Kleinstadt in den 50er Jahren ist eingebettet im Makrokosmos der Entstehung der Welt. So kommt es, dass es nun tatsächlich einen Film gibt, in dem sowohl Brad Pitt als auch Dinosaurier vorkommen.

Pitt spielt den rigiden Vater, der seine drei Söhne zu Männern erziehen will, die dem Leben trotzen können. In der Malickschen Legende steht er für die Natur, in der das Recht des Stärkeren gilt, die unbarmherzig, aber gerecht ist. Seine Härte wird aufgefangen von der feengleichen Mutter (Jessica Chastain), Sinnbild der Gnade, die sich selbstlos dem Glück der anderen verschreibt. Während der Vater immer mit einem offenen Auge zu schlafen scheint, tanzt die Mutter mit Schmetterlingen und pflegt die kleinen Wunden, die der Zweifel in die Körper der Kinder frisst, als sie größer werden, und Fragen stellen über Leben, Liebe und Tod.

Die Kindheit in "The Tree of Life" ist ein sonnendurchflutetes Paradies der Naivität, aus dem das Wissen vertreibt. Da wird der Baum des Lebens zum Baum der Erkenntnis. Und aus einem niedlichen Jungen mit fragenden Augen wird plötzlich ein sorgenzerfurchter Sean Penn.

Vorbild Stanley Kubrick

"The Tree of Life", der beim Filmfest von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, ist ein zutiefst religiöser Film, dem man Pathos, zuweilen auch Kitsch vorwerfen kann, voll großer Emotionen, Glaube, Hoffnung. Deshalb ist er so anders als sein deutlich erkennbares Vorbild: Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" (1968). Aus einer destillierten, kontrollierten Erzählung wird ein mäandernder Bewusstseinsstrom - aus "Also sprach Zarathrustra" von Richard Strauss wird "Die Moldau" von Bedrich Smetana.

Die eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn unserer Existenz haben beide Filme nicht gefunden. Doch nach 43 Jahren wurde es mal wieder Zeit, sich auf die Suche zu begeben. Ansonsten bleibt uns ja immer noch Douglas Adams.

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