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Klaus Kinski: Lichtgestalt mit schwerem Schatten

Klaus Kinski hat sich in seinem wilden, maßlosen und doch faszinierenden Leben alle Mühe gegeben, nicht alt zu werden. An seinem 80. Geburtstag ist er noch immer präsent - mit seinen Filmen wie mit seinen Exzessen.

Der 1926 im heute polnischen Ostseebad Zoppot als Klaus Günther Nakszynski geborene Sohn eines Apothekers und einer Pfarrerstochter hatte schon immer das Publikum und die Öffentlichkeit polarisiert: hier die entzückten Bewunderer, dort seine empörten Verächter. Klaus Kinski machte keine Karriere nach Plan, das hätte auch nicht zu ihm gepasst.

Ohne ordentlichen Schulabschluss und auch ohne Schauspielerausbildung gelang es dem jungen Mann nach dem Krieg, dessen Ende er noch in britischer Gefangenschaft miterlebte, auf den Bühnen Fuß zu fassen. In Berlin, wo Kinski aufgewachsen war, machte er sich unter dem Regisseur Boleslaw Barlog einen Namen, was den Schauspieler aber nicht hinderte, mit dem berühmten Theatermann zu brechen und sogar die Scheiben von Barlogs Privatwohnung einzuwerfen.

Skandale und Wutausbrüche

Schon in jenen Anfangsjahren pflegte Kinski seinen Hang zu Wutausbrüchen, bei denen in der Regel viel Mobiliar zu Bruch ging. Aber wenn er die erotischen Gedichte des Franzosen François Villon oder Schiller rezitierte, dann waren ihm volle Häuser in ganz Deutschland gewiss. Kinskis Stimme ist auf vielen Tonträgern dokumentiert, die sich nach wie vor bestens verkaufen und längst Kultstatus besitzen. Legendär ist der Skandal um Kinskis eigene Inszenierung von Jean Cocteaus Einpersonenstück "Die geliebte Stimme" in Berlin, die wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses" gewaltsam abgesetzt wurde.

Damals hatte der Schauspieler schon in einigen Filmen mitgewirkt. Dass es am Ende seines Lebens an die 200 Kinorollen waren, in denen er zu sehen war, verdankte Kinski seinen vielen Verpflichtungen in den populären Edgar-Wallace-Streifen und in etlichen Italo-Western. "Wenn man - wie ich - ständig Geld braucht, dann kann man nicht wählerisch sein. Filme sind ein großer Haufen Blödsinn", schimpfte Kinski in seinem letzten Interview vor seinem Tod in der US-Zeitschrift "Frisko". Doch er wies auch Top-Angebote zurück, etwa Steven Spielbergs Einladung für eine Bösewicht-Rolle in dem Indiana Jones-Abenteuer "Jäger des verlorenen Schatzes".

Künstlerischer Höhepunkt mit Werner Herzog

Fast immer spielte er darin Bösewichter, Sadisten oder Irre, manchmal auch ein Gemisch aus diesen drei Negativcharakteren. Kinski verdiente damit viel Geld, auch wenn er selbst viele seiner Rollen "zum Kotzen fand". Seine künstlerisch beste Zeit vor der Kamera kam erst in den 70er Jahren, als er in der konfliktreichen Zusammenarbeit mit dem Regisseur Werner Herzog herausragende Filme drehte, darunter die Klassiker "Aguirre, der Zorn Gottes" (1972), "Nosferatu - Phantom der Nacht" (1978) oder "Fitzcarraldo". Herzog hat der Zusammenarbeit mit dem exzentrischen Star 1999 mit der Dokumentation "Mein liebster Feind - Klaus Kinski" ein anrührendes Denkmal gesetzt.

Das Ende eines dramatischen Lebens war überraschend leise. Kinski erlag am 23. November 1991 in dem kleinen nordkalifornischen Ort Lagunitas überraschend einem Herzinfarkt. Seinem Wunsch zufolge wurde sein Leichnam verbrannt und die Asche bei San Francisco in den Pazifik gestreut. Nur eine kleine Trauergemeinde, darunter Sohn Nikolai, erwies dem Schauspieler die letzte Ehre.

"Besessenheit mit sich selbst"

Drei Kinder aus vier gescheiterten Ehen, Pola (54), Nastassja (47) und Nikolai (30), sind dem Vater beruflich gefolgt. Die in Los Angeles wohnhafte Nastassja Kinski war zehn Jahre nach dem Tod des Vaters hart mit ihm ins Gericht gegangen. "Ich sehe in ihm nicht so sehr schauspielerische Genialität, sondern nur seine Besessenheit mit sich selbst", sagte sie damals.

1987 schrieb und inszenierte der Schauspieler, natürlich mit sich selbst in der Titelrolle, seinen letzten Film mit dem beziehungsvollen Titel "Kinski Paganini". Mit dem wüsten Leben des sexgierigen italienischen Geigenvirtuosen schilderte der alternde Kinski zugleich auch sein eigene Biografie. Der Film kam erst 1999 in die deutschen Kinos, allerdings ohne Erfolg beim Publikum, künstlerisch war er missraten. Doch konnte er als tragischer Abgesang eines Mannes gesehen werden, der über reiche Gaben verfügte, die er aber selten zu kontrollieren wusste.

che/DPA/AP

TV-Tipp: "Fitzcarraldo", Nacht von MIttwoch auf Donnerstag, 19. Oktober, 0.45-3.15 Uhr im ZDF