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Ex-Bürgermeister von New York Wie Rudy Giuliani plötzlich zu Trumps dubiosem Strippenzieher wurde

Der einstige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani ist der Anwalt von Donald Trump
Der einstige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani ist der Anwalt von Donald Trump
© Saul Loeb / AFP
In der Ukraine-Affäre spielt Donald Trumps Anwalt Rudy Giuliani eine zentrale Rolle. Daher gerät der ehemalige Bürgermeister New Yorks nun auch in den Fokus der Demokraten, die Trump mit einem Amtsenthebungsverfahren bedrohen.

Die Ukraine-Affäre ist nicht nur die Affäre von Donald Trump. Sie ist auch die Affäre von Rudy Giuliani. Denn schon Monate vor dem ominösen Telefonat des US-Präsidenten mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte sich Trumps privater Anwalt intensiv um möglicherweise belastendes Material aus der Ukraine über Ex-Vizepräsident Joe Biden bemüht, Trumps potenziellen Herausforderer bei der Wahl 2020.

Die Rolle Giulianis wird deshalb auch im Mittelpunkt der Kongressuntersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wegen Amtsmissbrauchs stehen, welche die US-Demokraten gestartet haben. Mehrere Ausschüsse des von der Opposition kontrollierten Repräsentantenhauses forderten den 75-jährigen Trump-Intimus in rechtlich verbindlicher Form auf, ihnen seine Dokumente zur Ukraine-Affäre bis spätestens 15. Oktober auszuhändigen. 

Die Ausschüsse untersuchten das "Ausmaß, in dem Präsident Trump die nationale Sicherheit gefährdet hat, indem er die Ukraine dazu drängte, sich in unsere Wahl 2020 einzumischen", schrieb der demokratische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff, in einem Brief an Giuliani. Die Untersuchung gehe auch "glaubwürdigen Anschuldigungen" gegen Giuliani nach, wonach dieser als "Beauftragter" Trumps agiert habe, um dessen "persönliche politische Interessen durch einen Amtsmissbrauch" voranzutreiben.

Donald Trump lobte Rudy Giuliani in Ukraine-Telefonat

In dem Telefonat mit Selenskyj am 25. Juli hatte Trump seinen Privatanwalt als "sehr kompetenten Kerl" angepriesen. Laut dem vom Weißen Haus veröffentlichten Gesprächsprotokoll drang Trump darauf, dass sich die ukrainischen Behörden bei den erwünschten Nachforschungen zu Biden mit Giuliani und US-Justizminister Bill Barr kurzschließen sollten.

Der zu diesem Zeitpunkt von Giuliani bereits seit Monaten in Kontakten mit ukrainischen Vertretern gehegte Verdacht lautete, Biden habe als Vizepräsident versucht, seinen Sohn vor ukrainischen Korruptionsermittlungen zu schützen. Hunter Biden arbeitete früher für das ukrainische Gasunternehmen Burisma. Für ihre Verdächtigungen haben Trump und Giuliani bis heute keinerlei Belege vorgelegt.

Nur wenige Tage nach dem Telefonat traf sich Giuliani in Madrid mit dem Selenskyj-Berater Andrej Jermak - es ging erneut um die Bidens. Giuliani beteuert allerdings bis heute, dass bei seinen ebenso wie bei Trumps Ukraine-Kontakten alles sauber gewesen sei. Der Präsident sei aber durch die Verfassung verpflichtet gewesen, den Korruptionsvorwürfen gegen die Bidens nachzugehen, behauptet er. 

Nach Angaben des anonymen Informanten, der die Ukraine-Affäre ins Rollen brachte, wurde Giulianis Neben-Außenpolitik allerdings von zahlreichen Regierungsmitarbeitern mit Irritation verfolgt. Sie seien "tief beunruhigt" darüber gewesen, dass Giuliani die offiziellen "Entscheidungsprozesse zur nationalen Sicherheit" umgangen habe, berichtete der Informant. Giuliani versichert indessen, seine Ukraine-Aktivitäten seien im Auftrag des Außenministeriums geschehen. 

Giuliani schärfte einst nach den Anschlägen von New York sein Profil

Im Zwielicht der Ukraine-Affäre scheinen jedenfalls die Zeiten ewig her, als Giuliani noch als Lichtgestalt verehrt wurde. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 hatte sich der damalige New Yorker Bürgermeister als besonnener Krisenmanager hervorgetan. Die Talk-Queen Oprah Winfrey adelte ihn damals als "Bürgermeister von Amerika".

Heute ist Giuliani hingegen eine Figur, die viel Spott auf sich zieht - nicht zuletzt wegen seiner oft fahrigen Fernsehauftritte. Für Trump-Gegner ist Giuliani eine Reizfigur, seit er sich im Wahlkampf 2016 vehement für den heutigen Präsidenten ins Zeug legte.

Giuliani hoffte damals darauf, dafür mit dem Posten des Außenministers belohnt zu werden. Dass Trump ihm den Job verweigerte, richtete aber offenbar keinen tieferen Schaden in ihrem Verhältnis an. Im April 2018 engagierte Trump den früheren Strafverfolger als seinen Privatanwalt.

In dieser Funktion focht Giuliani gegen die Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller zu den Russland-Kontakten von Trumps früherem Wahlkampfteam an. Dass diese Ermittlungen für den Präsidenten ohne größere Konsequenzen blieben, dürfte das Band zwischen Trump und Giuliani weiter gestärkt haben.

Dass nun aber stattdessen die Ukraine-Affäre Trump voraussichtlich ein Amtsenthebungsverfahren einbrocken wird, könnte dieses Band womöglich noch stark strapazieren. Ein von der "Washington Post" zitierter Regierungsmitarbeiter wies Giuliani die Verantwortung für den ganzen Ukraine-Schlamassel zu: "Rudy - er hat das alles gemacht."

fin / Daniel Jahn AFP

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