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Live-Interview: "Halt die Klappe, Schwachkopf!": Trumps Anwalt Rudy Giuliani rastet auf Fox News aus

Rudy Giuliani ist für wilde TV-Interviews bekannt. Doch was der Anwalt von Donald Trump nun bei Fox News zum Thema Ukraine-Affäre von sich gab, war selbst für ihn außergewöhnlich.

Collage: Nancy Pelosi, Donald Trump

Verschwörungstheorien, Ausraster, lautstarke Beleidigungen: Donald Trumps persönlicher Anwalt Rudy Giuliani hat beim konservativen US-Nachrichtensender Fox News einen Auftritt hingelegt, der es in sich hatte. Moderatorin Laura Ingraham hatte den früheren Bürgermeister von New York eingeladen, um mit ihm über die Ukraine-Affäre zu sprechen, wegen der Trump ein Amtsenthebungsverfahren droht. Der US-Präsident soll seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj in einem Telefonat im Juli mehrfach aufgefordert haben, Ermittlungen einzuleiten, die seinem politischen Rivalen Joe Biden schaden könnten.

Rudy Giuliani bestätigt Gespräche mit der Ukraine

Giuliani hatte vergangene Woche in einem ebenfalls sehr lebhaften CNN-Interview zunächst abgestritten und dann zugegeben, dass er die Ukraine gebeten hat, Nachforschungen über Joe Biden anzustellen, und dieses Eingeständnis Sekunden später wieder relativiert. Auf Fox News bestätigte er jetzt, sich in die ukrainisch-amerikanischen Beziehungen eingemischt zu haben. "Wissen Sie, auf wessen Ersuchen hin ich das getan habe?", fragte er Ingraham. "Das Außenministerium. Ich habe nie mit einem ukrainischen Amtsträger gesprochen, bis das Außenministerium mich angerufen und gebeten hat, es zu tun. Und dann habe ich ihnen zu jedem Gespräch eine Rückmeldung gegeben." Dann hielt der 75-Jährige ein Handy hoch und erklärte: "Es ist alles hier. Genau hier." Die Aufzeichnungen in seinem Telefon würden seine Kontakte mit dem Außenministerium bestätigen.

Die gleiche Behauptung hatte Giuliani bereits am Montag gegenüber Fox-News-Moderator Sean Hannity aufgestellt. Das Außenministerium hatte daraufhin auf Anfrage der US-Nachrichtenseite "The Hill" mitgeteilt: "Herr Giuliani ist eine Privatperson und handelt in persönlicher Eigenschaft als Anwalt von Präsident Trump. Er spricht nicht im Namen der US-Regierung."

In seinem Interview mit Ingraham lenkte Giuliani das Gespräch permant von den Vorwürfen gegen Donald Trump hin zu Joe Biden, den er, ohne irgendwelche Beweise dafür zu liefern, der Korruption bezichtigte. In dem Zusammenhang kritisierte der Anwalt auch das Vorgehen des FBIs, warf der Bundespolizei ohne genauere Erklärung arglistige Täuschung vor und brachte dabei auch noch den Milliardär und liberalen Aktivisten George Soros ins Spiel, der immer wieder Ziel von Verschwörungstheoretikern ist. Dann bezeichnete er das Pressekorps als "betrügerisch" und behauptete, es gebe zwei Rechtssysteme in den USA. "Sie verfolgen Republikaner, wenn sie etwas falsches sagen. Sie erlauben Demokraten Millionen zu stehlen, und es ist ihnen egal."

Giuliani redete sich in dem Interview immer mehr in Rage. Gegen Ende brach ihm die Stimme fast weg und er wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß vom Gesicht. Doch sein wirklicher Ausbruch sollte erst später folgen.

Nach dem Gespräch mit Giuliani hatte Ingraham in ihrer Sendung unter anderem den Demokraten und politischen Kommentator Chris Hahn zu Gast. Dieser stellte gegenüber der Moderatorin fest: "Ich habe gerade den persönlichen, politischen Anwalt des Präsidenten sagen hören, dass er vom Außenministerium angewiesen wurde, sich mit der Ukraine zu treffen, um Beweise gegen den politischen Gegner des Präsidenten zu sammeln." Giuliani behaupte, dass er Beweise gegen Biden habe, "dass er all diese Informationen hat", sagte Hahn. "Er erfindet Dinge. Und wenn die Bidens keine Personen des öffentlichen Lebens wären, wäre das verleumderisch!"

"Sie haben gerade eben gelogen!"

Ingraham erklärte daraufhin, dass Giuliani die Sendung verfolgt habe, schaltete ihn erneut hinzu und der Trump-Anwalt legte sofort los: "Ich würde Herrn Hahn gerne sagen: Ich sollte Sie wegen Verleumdung verklagen, weil Sie in unverantwortlicher Weise gesagt haben ..."

"Oh, bitte", forderte ihn Hahn auf.

"Ja, tatsächlich sagen Sie üblicherweise unglaublich dumme Dinge", schimpfte Giuliani weiter.

"Sie sind eine Person des öffentlichen Lebens", entgegnete Hahn.

Giuliani zögerte kurz, wollte dann fortfahren und rastete, als Hahn ihm dazwischenredete, endgültig aus: "Halten Sie die Klappe, Schwachkopf! Halten Sie die Klappe! Halten Sie die Klappe! Sie wissen nicht, wovon Sie reden. Sie wissen nicht, wovon Sie reden, Idiot!", wetterte der Ex-Bürgermeister.

"Das tue ich", hielt Hahn dagegen.

"Nein, tun Sie nicht. Sie haben gerade eben gelogen!", legte Giuliani nach.

"Herr Bürgermeister, ich wünschte, Sie würden aufhören. Ich wünschte, Sie würden aufhören, Herr Bürgermeister", versuchte Hahn die Attacke zu beenden.

"Warum sagen Sie ihm nicht, er soll seinen Mund halten, damit wir die Wahrheit sagen können, okay?", forderte Giuliani Ingraham auf und rief dann Hahn zu: "Halten Sie einfach Ihren lügenden Mund!"

"Er hat über mich gesagt, dass ich vom Außenministerium gebeten wurde, politischen Schmutz über Trumps Gegner auszugraben", fuhr Giuliani fort. "Völlig falsch! Das Außenministerium hat mich gebeten ..."

"Du hast es gerade gesagt!", unterbrach ihn der Demokrat.

"Nein, habe ich nicht, du hast es getan, du Lügner! Du hast es getan!", feuerte Giuliani zurück. "Drehen Sie ihm den Ton ab, damit ich sprechen kann. Ich will nicht von diesem Serienlügner unterbrochen werden."

Als Hahn schweigt, berichtet Giuliani schließlich, das Außenministerium habe ihn angerufen, weil es Unterstützung beim Arrangement eines Treffens von Trump und Selenskyj haben wollte. Er habe sich mit Selenskyjs Repräsentanten getroffen, dabei aber zu keinem Zeitpunkt über irgendeine Art von Druck in einer Strafsache gesprochen. "Mein Gespräch diente dazu, dem Außenministerium dabei zu helfen, ein Treffen zu organisieren", stellte Giuliani klar.

Als daraufhin ein weiteres Wortgefecht zwischen dem Anwalt des US-Präsidenten und Hahn beginnt, stoppt Moderatorin Ingraham die Kontrahenten und stellt abschließend fest: "Okay, Leute. Wir haben verstanden, dass Ihr einander nicht leiden könnt. Lasst uns weitermachen."

Quellen: Fox NewsCNN"The Hill""Mediaite", "Huffington Post"