HOME

Marilyn Monroe: Ikone der Traumfabrik

Bis heute gilt sie als einer der größten Hollywood-Stars und als die berühmteste Blondine der Welt. Vor 45 Jahren starb Marilyn Monroe - von ihrer Faszination hat sie bis heute nichts eingebüßt.

Die Pilgerstätte für Amerikas Sexgöttin ist ein Friedhof. Seit Marilyn Monroe im Memorial Park in Los Angeles beigesetzt wurde, ist kaum ein Tag vergangen, an dem nicht Verehrer aus aller Welt an ihrer Grabplatte vorbei zogen. Seit 45 Jahren hält der Totenkult um die berühmteste Blondine der Welt an.

Weltweit mehr als 220 Autoren, schreibende Spekulanten wie preisgekrönte Schriftsteller, hat "Amerikas Aphrodite" bislang in ihren Bann gezogen. Nur wenige wollen gelten lassen, was die Monroe selbst einmal sarkastisch als die Quintessenz ihrer Hollywood- Laufbahn in sechs Worten zusammen fasste: "Große Titten, großer Arsch, großer Rummel."

Klagen über die Schauspielkunst

So völlig daneben lag sie damit wohl nicht. Jedenfalls fand sich nie ein ernst zu nehmender Kritiker, der ihr hohe Schauspielkunst bescheinigte. Aus der Monroe eine gute Leistung herauszuholen, sei so schwer wie "Zähne ziehen", klagte der Regisseur Billy Wilder. Dennoch konnte er sie - in x-fach wiederholten Szenen - dazu bringen, ihr komisches Talent wunderbar zur Geltung zu bringen. Sonst wäre "Manche mögen's heiß" nicht einer der größten Erfolge der Traumfabrik geworden.

Dass Millionen in jeden ihrer Filme rannten, völlig egal was Kritiker schrieben, war auch Ergebnis einer damals noch recht neuen generalstabsmäßigen Vermarktung. Bis zu ihrer »Entdeckung« hatte sich Norma Jean Baker, die uneheliche Tochter aus armen Verhältnissen, in Hollywood als Bikini-Modell und in Nebenrollen durchgeschlagen, schon von jenen Selbstzweifeln gepeinigt, die sie später erfolglos mit Rauschmitteln zu bekämpfen suchte.

Platinblond gefragte Haare

Nach ein paar Achtungserfolg waren die Produzenten überzeugt, dass sich aus der Kombination von Monroes Kurven eine neue Diva formen lassen würde. Die Haut musste sie glatt rasieren, die Haare platinblond färben, den Schmollmund runder machen und so lange üben, bis der Augenaufschlag noch verführerischer wirkte. Der organisierte Durchbruch zum Weltruhm kam 1952 - mit "Blondinen bevorzugt".

Rollen, mit denen die Monroe sich und der Welt beweisen wollte, dass sie weit mehr sein könnte als eine lebenslustig-naive Sexnudel, blieben ihr lange verwehrt. In Hollywood "bezahlen sie Dir tausend Dollar für einen Kuss", klagte sie, "und fünfzig Cents für Deine Seele". Als sie endlich in "Nicht gesellschaftsfähig" nach einer Story des Dramatikers Arthur Miller, ihres dritten und letzten Ehemannes, eine große ernste Rolle übernehmen durfte, wirkte sie schon ausgelaugt.

"Happy Birthday, Mr. President"

Ihren traurigsten, aber berühmtesten Bühnenauftritt hatte sie Ende Mai 1962, wenige Monate vor ihrem Schlaftabletten-Tod. Zum 45. Geburtstag John F. Kennedys im New Yorker Madison Square Garden hauchte sie "Happy Birthday, Mr. President" in die Mikrofone - vollgekokst, vermutlich aus Angst vor dem mächtigen Geliebten und den 15.000 Leuten im Saal. Dennoch wird die Szene heute noch als Gipfel lasziver Erotik vermarktet.

Sicher waren ihre Liebhaber Legion und so manchen hat sie wohl um der Karriere willen benutzt. Vor allem aber sei sie selbst ein Opfer der Ausbeutung durch mächtige Männer gewesen und daran schließlich zu Grunde gegangen, beklagen Feministinnen immer wieder. Doch auch die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Joyce Carol Oates musste sich die Ausbeutung des "Mythos Marilyn" vorwerfen lassen, als letztes Jahr ihr Buch "Blond" erschien.

Alles, was irgendwie nach Skandal roch, hat Oates dafür ausgeschlachtet. In einer Szene muss die "blonde Darstellerin" gar den Präsidenten oral bedienen, während der am Telefon die nächsten Schritte gegen den Erzfeind Fidel Castro anordnet. Anschließend fällt Kennedy-Bruder Robert über sie her. Ob es so war oder doch ganz anders, ob die Kennedys sie umbringen ließen, wie seit Jahren kolportiert wird, oder ob der Rausschmiss bei der 20th Century Fox wegen inzwischen totaler Unzuverlässigkeit die Monroe in der Nacht zum 5. August 1962 in den Selbstmord trieb - man wird es wohl nie erfahren.

Thomas Burmeister/DPA