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Matthias Schweighöfer: Des Wahnsinns junge Beute

Im aktuellen NEON-Magazin spricht der Schauspieler Matthias Schweighöfer über seine Gemeinsamkeiten mit Friedrich Schiller, kompromisslose Liebe und eine ganz bestimmte Frau.

Herr Schweighöfer, demnächst sind Sie im Fernsehen als junger Schiller zu sehen. Haben Sie mit dem 22-jährigen Dichter viel gemeinsam?

Klar. Viel. Leider. Das Malträtieren des Körpers, zum Beispiel. Bei den Dreharbeiten zu "Schiller" habe ich mich nicht nur beruflich in den jungen, kranken, trinkenden hineinversetzt, ich habe auch privat den härtesten Absturz meines Lebens erlebt. Da saß ich im Hotelzimmer, hatte eineinhalb Flaschen Wodka getrunken und weinte fünf Stunden lang. Als Schauspieler werde ich ja tagsüber von eintausend Menschen umsorgt, die Organisation des Tages folgt strengen Regeln. Wenn ich dann alleine bin, werde ich irgendwann kirre.

Schiller kam zu Premieren zu spät, weil er sich mit Serviermädchen vergnügte. Dem Alleinsein konnte er zumindest zeitweise recht gut entkommen.

Er hat ziemlich rumgefickt. Ich würde allerdings nie einen Termin verpassen. Ich wünschte, ich könnte das: für eine Frau eine Verabredung nicht einhalten.

Haben Sie noch nie kompromisslos geliebt?

Es gibt ja nur die kompromisslose Liebe. Eine andere Liebe ist gar nicht praktikabel. Meine Exfreundin war vier Jahre lang magersüchtig, sodass ich um ihrer Heilung willen viele Kompromisse eingegangen bin. Ich habe ihr vier Jahre lang gesagt: Du kochst, du isst, ich kümmere mich um dich. Dann habe ich gemerkt, dass sie mich betrogen hat, acht Mal, in unserer gemeinsamen Wohnung. So sehen Kompromisse aus.

Bill Murray hat gesagt, Schauspieler, die berühmt werden und nicht auf sich Acht geben, blieben ihr Leben lang prominente Idioten. Macht Ruhm dumm?

Nur wer zur Seite tritt und sich dem ganzen Zirkus aus Premieren und Selbstbeweihräucherung entzieht, wird nicht zum Vollidioten. Bill Murray hat auch gesagt: "Der Gast, den man vermisst, ist meist der netteste." Bill Murray ist ein ganz toller Schauspieler. Man merkt ihm an, dass er das Denken noch nicht abgestellt hat.

Viele Menschen würden wahnsinnig, wenn sie dauernd darüber nachdächten, was sie gerade tun. Empfehlen sie denen etwa auch, das Denken niemals abzuschalten?

Eine Parfümeriefachverkäuferin zum Beispiel sollte vielleicht nicht die ganze Zeit ins Grübeln geraten. Aber sie kann ihren Stolz behalten, sie muss sich nicht ankacken lassen von komischen dicken Menschen, die in die Filiale kommen. Vielleicht ist es für die Parfümeriefrau aber auch wichtig, in einem Pauschalurlaub zu sagen: "Heute leihe ich mir ein Mofa, zünde mir eine Zigarette an und beobachte, wie schnell die wegbrennt bei 80 km/h." Sie ist nicht mit dem Reisebus zum organisierten Teppichverkauf gefahren. Sie denkt noch nach. Ich mag solche Momente. Es gab da so einen Winter, da ging ich mit einer Frau die Treppe hinunter, und wir sahen einen Löwenzahn. Die Frau sagte nur: "Löwenzahn." Da hat es mich weggehauen. Da habe ich mich so in sie verknallt wie nie in einen Menschen davor oder danach.

Macht es Sie nicht wahnsinnig, dass Sie diese Liebe verloren haben?

Die Kleinigkeiten der Liebe, die guten Erinnerungen, die habe ich ja nicht verloren. Wir kennen uns ja seit zwölf Jahren und haben uns erst vor wenigen Monaten getrennt. Ich habe nicht die Chance, die Frau zu vergessen, die "Löwenzahn" gesagt hat.

Interview: Ingo Mocek und Antje Wewer

Das vollständige Interview ist in der aktuellen Ausgabe von NEON nachzulesen, dem jungen Magazin vom stern

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