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Melodram "Mütter und Töchter": Sensibler Frauenfilm mit Starbesetzung

Staraufgebot für einen Frauenfilm über Adoption, Elternschaft und Beziehungen: Annette Bening, Naomi Watts und Kerry Washington werden in "Mütter und Töchter" von Samuel L. Jackson gekonnt unterstützt.

Mit der Mutterrolle kennt sich Annette Bening bestens aus - mit Ehemann Warren Beatty hat die 52-jährige Schauspielerin vier Kinder. Auf der Leinwand überzeugte sie zuletzt als lesbische Mutter in dem Beziehungsfilm "The Kids Are All Right". Das brachte ihr eine Oscar-Nominierung und reichlich Kritikerlob ein. Nun kehrt Bening als Mutter ins Kino zurück, doch in dem Drama "Mütter und Töchter" lernt sie ihr Kind nie kennen. Sie spielt Karen, die mit 14 Jahren ungewollt schwanger wird und auf Druck ihrer Eltern das Kind zur Adoption freigibt. Als verhärmte End-Vierzigerin, die ihre eigene gebrechliche Mutter pflegen muss, trauert sie der unbekannten Tochter ständig nach.

Naomi Watts, die zuletzt in dem Politthriller "Fair Game" eine CIA-Agentin mimte, spielt Karens erwachsene Tochter Elizabeth. Sie ist eine kühle, ehrgeizige Anwältin, die Affären, aber keine Beziehungen hat. Die schwarze Hollywood-Schönheit Kerry Washington ("Ray", "Lakeview Terrace") spielt die kinderlos verheiratete Lucy, die unbedingt ein Baby adoptieren möchte, auch auf Kosten der Ehe.

Das Ensembledrama mit weiblicher Starbesetzung hat der gebürtige Kolumbianer Rodrigo Garcia, selbst Vater von zwei Teenager-Töchtern, einfühlsam inszeniert. Der in den USA lebende Sohn des Schriftstellers und Nobelpreisträgers Gabriel Garcia Márquez ("Hundert Jahre Einsamkeit") konnte schon für sein Spielfilmdebüt "Gefühle, die man sieht..." Schauspielerinnen wie Cameron Diaz, Holly Hunter und Glenn Close für ein Drama über Einsamkeit und Enttäuschung gewinnen. Mit "Nine Lives" festigte er seinen Ruf als Frauenfilm-Regisseur: Mit Kathy Baker, Glenn Close, Sissy Spacek und Robin Wright Penn filmte er Schlüsselmomente aus dem Leben von Frauen unterschiedlichen Alters und sozialen Rangs.

Von Garcias sensibler Handschrift in "Mütter und Töchter" profitiert aber auch ein männlicher Darsteller, den man eher als Killer oder als Action-Star kennt. Samuel L. Jackson ("Pulp Fiction", "xXx") glänzt als verwitweter Chef einer Anwaltskanzlei, der dem coolen Charme seiner neuen Angestellten (Watts) schnell verfällt. Elizabeth bestimmt im Bett und schottet sich von Liebe zynisch ab. So extrem Watts die Zerrissenheit der verwaisten Tochter zum Ausdruck bringt, so perfekt mimt Bening die von Schuldgefühlen geplagte kinderlose Mutter. Bei der Arbeit als Physiotherapeutin und zu Hause bei der Pflege ihrer Mutter sperrt sie sich gegen jede Freude und Freundschaft.

Erst mit dem Tod der Mutter und mit Hilfe eines neuen Arbeitskollegen wendet sich für sie das Blatt. Plötzlich entdeckt Karen die Liebe und macht sich auch noch auf die Suche nach der erwachsenen Tochter. Auch in Elizabeths Leben geht es plötzlich dank Schwangerschaft und eines wachsenden Bauchumfangs rund. Der mit sanfter Musik unterlegte Stimmungswandel rutscht stellenweise ins Rührselige ab. Doch glücklicherweise verfällt Garcia nicht ganz dem Hollywood-Melodram, es gibt kein perfektes Happy End.

Unter dem englischen Titel "Mother and Child" war der Film im vorigen Jahr in nur wenigen US-Kinos zu sehen. Er spielte kaum mehr als eine Million Dollar ein, trotz der prominenten Besetzung und des Beistands des mexikanischen Erfolgsregisseurs Alejandro González Iñárritu ("Biutiful", "Babel", "21 Gramm"), der als ausführender Produzent mitwirkte. "Mütter und Töchter" sahnte durchweg gute Kritiken ab. Doch als Nischenfilm mit einem älteren und vor allem weiblichen Zielpublikum konnte sich das Drama auf dem amerikanischen Blockbuster-Markt nicht behaupten.

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Barbara Munker, DPA / DPA