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Neue Harald-Schmidt-Show: "Arbeiter- und Bauernshow für Besserverdiener"

Harald Schmidt ist zurück. Im passenden Weihnachtsmann-Look zeigte der Meister des deutschen Late-Night, dass er in seiner "einjährigen Kreativpause" nichts aber auch gar nichts verlernt hat.

"Sie haben es vielleicht bemerkt - vergangene Woche war keine Sendung. Das lag daran: Ich hatte noch 52 Wochen alten Urlaub." Genau ein Jahr nach dem Ende seiner Late-Night-Show auf Sat.1 meldete sich Harald Schmidt am Donnerstag auf dem Fernsehschirm zurück mit der ersten Ausgabe seiner neuen ARD-Sendung, die schlicht den Namen des Moderators trägt. Schmidt zeigte sich äußerlich gewaltig verändert, mit schulterlangem Haar und grau-weißem Vollbart.   Beides sei echt, versicherte er seinem Publikum und rechtfertigte die neue Frisur: "Da habe ich mich dem Druck meines neuen Arbeitgebers gebeugt."

Andrack als "Chef-Dramaturg"

Es war, als sei der 47-Jährige nie weg gewesen. In der 45 Minuten langen ersten Sendung nach seiner einjährigen "Kreativpause" gab sich Schmidt locker, aufgekratzt und gewohnt wortgewandt und fungierte weitgehend als Alleinunterhalter. Mitstreiter Manuel Andrack, der in der neuen Sendung den Titel "Chef-Dramaturg" führt, arbeitete im Kölner Studio 449 als Stichwortgeber, auf Studiogäste verzichtet die neue Show ohnehin grundsätzlich. Ab dem 19. Januar soll "Harald Schmidt" immer mittwochs- und donnerstagabends in der ARD laufen und eine halbe Stunde dauern. "Ich bin froh, dass man es mir heute erlaubt, mich auf schüchterne Weise wieder in den deutschen Arbeitsmarkt einzufädeln", sagte Schmidt in der Sendung über seine Rückkehr ins Fernsehen. Um kurz darauf etwas weniger bescheiden hinzuzufügen: "Ich beuge mich damit dem tiefen Wunsch der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes." Er sei sich bewusst, dass er in den vergangenen Jahren vielen Menschen auf die Füße getreten sei, sagte der Moderator und gelobte augenzwinkernd Besserung. Doch sanft ging es am Donnerstagabend keineswegs zu: Thematisch bewegte sich Schmidt beim Comeback zwischen aktuellen Themen und Ereignissen seit seinem vorläufigen Fernsehabschied und nahm dabei absolut kein Blatt vor den Mund.

"Harold explains Germany"

Fan des neuen Fußball-Bundestrainers Jürgen Klinsmann sei er, "seit er Sepp Maier rausgeschmissen hat", so Schmidt. Zu einem Foto der durch das RTL-Dschungelcamp in die Schlagzeilen geratenen Kabarettistin Desiree Nick meinte der Moderator: "Ein ernstes Thema. Die Vogelgrippe erreicht Deutschland." Partner Andrack ermahnte Schmidt nach einer besonders herben Pointe, man sei jetzt im ersten Programm - Schmidt ließ das völlig kalt. "Ja, im Dritten hätte ich das nicht gesagt." In einem Beitrag mit dem Titel "Harold explains Germany" machte sich der Moderator außerdem als internationaler Werbebotschafter für Deutschland stark. Man sei inzwischen "more international" und "no longer Nazis" erklärte Schmidt. Dass an dieser Stelle auch die einzige Panne der Aufzeichnung passierte und der Beitrag wiederholt werden musste, nahm Schmidt gelassen und verbarg den Fehler gar nicht erst vor den Fernsehzuschauern: "Eine ganz andere Reaktion als vorhin", kommentierte er das Verhalten des Studiopublikums beim zweiten Anlauf.

"Musikantenstadl für Parallelgesellschaften"

Während der Aufzeichnung sinnierte der Moderator, seine neue Sendung sei "sehr viel weniger verspielt, sehr viel ruhiger. Ich möchte sagen: integrativer." Sie sei "die Arbeiter- und Bauernshow für Besserverdiener" oder der "Musikantenstadl für Parallelgesellschaften", überlegte er. Das Publikum zeigte sich im Anschluss jedenfalls begeistert von Schmidts Comeback: "Er sieht zwar komplett anders aus mittlerweile", sagte ein Zuschauer. "Aber ich fand es sehr gut. Er war halt so, wie man ihn kennt." Und eine Zuschauerin fügte hinzu: "Man kann gar nicht glauben, dass er so lange weg war." Nicole Lange, AP