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Meinung

Oscars 2020: Zu männlich, zu weiß: Janelle Monáe bringt auf den Punkt, was dieses Jahr falsch lief – schon wieder

Bis auf eine Ausnahme waren alle Oscar-Nominierten weiß. Die Chance auf den Gewinn des begehrten Filmpreises hatten ausschließlich männliche Regisseure. Dass das ein Unding ist, hat Sängerin Janelle Monáe treffsicher auf den Punkt gebracht.

Ihr Auftritt war so herrlich bunt und erfrischend: Sängerin Janelle Monáe hat mit einem spektakulären Auftritt die 92. Academy Awards eröffnet. Sechs Minuten lang wirbelte die "schwarze und queere Künstlerin", wie sie sich selbst bezeichnet, über die Bühne. Als Support war auch Billy Porter dabei, ein Sänger und Schauspieler, der mit seinen verrückten Outfits immer wieder von sich reden macht. Ein Duo, das wie kein zweites für Diversität steht. 

Was vielversprechend begann, wurde im Laufe des Abends allerdings immer öder: Bis auf diesen Opening Act blieben die Oscars nämlich wenig abwechslungsreich. Dabei wissen die Verantwortlichen, dass es wichtig ist, auch in Hollywood ein Zeichen zu setzen: für mehr Diversität, Gleichberechtigung, Offenheit.

Das bleib in diesem Jahr mal wieder aus. Man setzte zwar auf ein veganes Menü und Nachhaltigkeit und wollte damit klar machen: Wir gehen mit der Zeit und wissen um unsere Vorbildfunktion. Das alleine ist allerdings bei Weitem nicht genug, um der heutigen Zeit gerecht zu werden. 

Oscars 2020: Janelle Monae kritisiert die Veranstaltung

Janelle Monáe eröffnete die Oscars 2020 mit einer spektakulären Show. Sie übte aber auch scharfe Kritik an der Preisverleihung. 

Getty Images

Oscars 2020: Janelle Monáe wird für ihre ehrlichen Worte gefeiert – zu Recht

Das sah auch Monáe so und hielt mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg: "Wir feiern heute alle Frauen, die bei phänomenalen Filmen Regie geführt haben", sagte sie während ihres Auftritts. Weil diese bei den Oscar-Nominierungen nicht berücksichtigt wurden, sorgte die Sängerin kurzerhand für die Anerkennung.

92. Academy Awards: Oscars 2020: Alle Gewinner auf einen Blick
Oscars 2020

Beste Hauptdarstellerin: Renée Zellweger in "Judy"

 

"Ich bin so stolz darauf, hier als schwarze, queere Künstlerin zu stehen und Geschichten zu erzählen. Frohen 'Black History Month'!", machte die 34-Jährige auch noch darauf aufmerksam, dass unter den Nominierten bis auf Schauspielerin Cynthia Erivo ausschließlich Weiße waren. Sowohl die Zuschauer als auch die anwesenden Gäste feierten die Sängerin für ihre Worte.

Auf Twitter gibt es ebenfalls hauptsächlich Lob: "Janelle Monáe ist alles, worüber ich reden möchte", "Wunderbare Eröffnung der Oscars von Janelle Monáe. Abgedreht!" oder "Jede Zeremonie sollte mit Janelle Monáe und Billy Porter anfangen", heißt es auf dem Kurznachrichtendienst. Ein User fragt, warum sie nicht zur Moderatorin gemacht wurde. Ein anderer findet außerdem: "Zumindest die ersten sechs Minuten der Oscars waren divers."

2021 muss sich einiges ändern

Im kommenden Jahr muss sich einiges ändern, damit die Oscars nicht noch mehr ihrer Strahlkraft und ihres Zaubers verlieren. Unter anderem eine Moderatorin mit einer starken Stimme, bunt gemischte Nominierte und mehr Zeit für wichtige Statements würden den Academy Awards guttun.

Sensation: "Parasite" holt überraschend vier Oscars

Am Ende der diesjährigen Veranstaltung bleiben ein paar Lichtblicke: wie etwa Janelle Monáes Auftritt und ihre ehrlichen Worte sowie "Parasite" als (nicht englischsprachiger) bester Film. Auch Brad Pitts Seitenhieb gegen Donald Trump ("Wow, 45 Sekunden bekomme ich hier oben – das ist mehr als der Senat John Bolton gegeben hat") oder Joaquin Phoenix' Ermutigung zu mehr Nachhaltigkeit waren starke Highlights, von denen es gerne mehr geben darf. Vielleicht schaffen es die Verantwortlichen, im kommenden Jahr für mehr Diversität und Abwechslung zu sorgen – und endlich ihrem Vorbildcharakter besser gerecht zu werden.