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Privatfernsehen: Geburt zwischen Schlachthof und Friedhof

Als der SAT.1-Gründungsgeschäftsführer Jürgen Doetz am 1. Januar drei Minuten lang seine Grußworte an die Nation richtete, kam die Ansprache vom Band - allerdings ohne sein Wissen.

Der 1. Januar 1984 war ein grauer Tag mit richtigem Schmuddelwetter. Die Silvesternacht war für Jürgen Doetz, SAT.1-Gründungsgeschäftsführer, mit zwei Stunden Schlaf sehr kurz ausgefallen. Nicht weil er so ausgiebig gefeiert hätte, sondern weil die Vorbereitungen zum Start des ersten privaten Fernsehsenders in Deutschland so lange gedauert hatten.

So schritt er noch verschlafen früh morgens um sechs Uhr in Ludwigshafen vom "Ramada"-Hotel zur Anstalt für Kabelkommunikation, einem Gelände "zwischen Schlachthof und Friedhof", wie sich der heute 59-Jährige erinnert. Um 10.30 Uhr sollte er dort symbolisch auf den Knopf drücken, um den Betrieb der Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS) zu starten.

In Anwesenheit des Bundespostministers

25 Mitarbeiter hatte Doetz um sich geschart. Bernhard Vogel, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, und Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling waren auch dabei. Durch das Programm führte Irene Joest, ausgebildete Lehrerin und nun erste private Ansagerin, die sich, wie Doetz erinnert, "ein Bleyle-Kleid von ihrer Mutter geliehen hatte".

Ansprache kam vom Band

Doetz, heute noch im Vorstand der ProSiebenSat.1 Media AG, richtete, wie er glaubte, drei Minuten lang live seine Grußworte an die Nation. Sein Techniker hatte aber - aus "Sicherheitsgründen" - eine Kassette mit der am Vortag aufgezeichneten Ansprache von Doetz eingeschoben.

Das Programm begann klassisch: mit der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel. Und es endete nach Mitternacht am 2. Januar mit Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. "Dann haben wir das Neue Jahr nachgefeiert", sagt Doetz.

DPA