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Protest vor iranischem Botschaftsgebäude: Deutsche Künstler setzen sich für verfolgten Regisseur ein

Sein Film läuft auf der Berlinale, aber nach Berlin reisen durfte Jafar Panahi nicht. Deutsche Filmschaffende haben am Dienstag gegen diesen "Akt der Willkür" vor Irans Botschaft demonstriert.

Mit einem Protestbrief an die iranische Botschaft haben sich deutsche Filmschaffende bei der Berlinale für den iranischen Regisseur Jafar Panahi eingesetzt. Jasmin Tabatabai, Eva Mattes und Vertreter der Deutschen Filmakademie demonstrierten am Dienstag vor dem Botschaftsgebäude in Berlin. Der im Iran mit einem Arbeitsverbot belegte Panahi durfte nicht zur Berlinale ausreisen. Sein Drama "Geschlossener Vorhang" ("Parde") wurde heimlich aus dem Land geschmuggelt.

"Wir protestieren energisch gegen diesen Akt von Willkür", heißt es in dem Brief, der von der Akademie-Präsidentin Iris Berben unterzeichnet wurde. Und weiter: "Es liegt uns fern, Sie über die Gesetze des Islam belehren zu wollen, aber gehört es nicht zum Grundbestand der Rechte eines jeden Muslims, aus beruflichen Gründen ohne Behinderung und Einschränkung zu reisen?"

"Eigentlich wollten wir einen Protestbrief überreichen", sagte Akademie-Geschäftsführer Alfred Holighaus. Da sich jedoch niemand gezeigt habe, hätten sie das Protestschreiben an umstehende Bäume geklebt und in den Briefkasten geworfen. "Eine Reaktion aus der Botschaft gab es bisher nicht", sagte Holighaus weiter.

Szenenapplaus für Panahis Kammerspiel

Für den heimlich gedrehten Film, der am Dienstag auf der Berlinale uraufgeführt wurde, gab es Szenenapplaus. Im Saal saß auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Die Bundesregierung hatte sich zuvor vergeblich dafür stark gemacht, dass der Iraner zum Festival reisen darf. Stattdessen stellten Co-Regisseur Kamboziya Partovi und Hauptdarstellerin Maryam Moghadamund den Film vor.

Panahis in Teilen dokumentarisch anmutende Kammerspiel erzählt von einem Schriftsteller und Filmemacher, der sich in einem abgeschiedenen Strandhaus von der Außenwelt abschottet und alle Fenster mit dunklen Vorhängen verdeckt. Doch dann dringt eine junge Frau in das Haus ein. Panahi neuestes Werk ist ein symbolisch aufgeladenes Stück, das die Eingeschlossenheit der von ihrem eigenen Land drangsalierten Menschen spürbar macht. "Ich habe das Drehbuch geschrieben, als ich an einer Depression litt, die mich dazu gebracht hat, eine irrationale Welt jenseits der logischen Konventionen zu erkunden", schreibt der Regisseur im von der Berlinale veröffentlichten Presseheft zu seinem Film. "Melancholie spukt durch die Geschichte, in der jede Figur sich in der anderen spiegelt und die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt."

Panahi, der sich offen zur Opposition im Iran bekennt, gewann 2006 für "Offside" einen Silbernen Bären bei den Filmfestspielen. Vor zwei Jahren war der Iraner Mitglied der Jury, durfte aber nicht nach Berlin kommen.

Ob wegen des Films Konsequenzen zu fürchten sind, ist unklar. "Wir können das nicht vorhersehen", sagte Partovi. Es sei noch nichts Konkretes passiert. "Wir warten. Wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringen wird." Partovi sagte nach der Premiere, Panahi sei zwar physisch nicht anwesend gewesen, aber seine Gedanken und seine innere Welt.

jwi/DPA / DPA