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Romeros Zombies: Der Tod steht ihnen gar nicht gut

Seine Untoten sind Kinokult. Seit 40 Jahren versorgt der US-Regisseur George A. Romero die internationalen Leinwände mit Zombie-Horror. Dabei hat der Splatter-Spaß beeindruckende Varianten und sogar kritische Töne gefunden. Der Filmemacher verrät, was man bei Zombies falsch machen kann.

Von Sophie Albers

Es ist 40 Jahre her, dass ein schlacksiger Typ mit großer Brille den Horror-Film neu definierte, beziehungsweise mal eben ein neues Genre erfand. Für gerade mal 100.000 Dollar drehte der New Yorker Filmemacher George A. Romero mit ein paar Freunden im Jahre 1968 "Night of the Living Dead". Und es war der Anfang einer wunderbaren Freundschaft zwischen Kamera und Zombiematsch. Doch auch noch viel mehr.

"Wenn Sie sich die Filme in Folge ansehen, reflektieren sie das, was in den vergangenen 40 Jahren in Nordamerika passiert ist", sagte Romero gerade im Interview mit dem britischen Sender BBC. Denn der Regisseur, dessen Karriere mit Werbefilmchen begann, will nicht nur möglichst unappetitlich Körper zerlegen, er hat sich auch noch seine Gedanken dazu gemacht. "Alle diese Filme sind motiviert von Beobachtungen des Weltgeschehens."

Gegen Konsum und Medienmacht

So ließ der mittlerweile 68-Jährige, wenn er nicht gerade Stephen King verfilmte, seine Untoten in "Dawn of the Dead" (1978) in ein Einkaufszentrum einfallen, dem Sinnbild des entfesselten Konsums. "Land of the Dead" (2005) nahm sich den Terrorismus vor, der seit 2001 die Welt- und Angstpolitik bestimmt. Und nun also "Diary of the Dead", der es in Deutschland wohl nur direkt auf DVD schaffen wird.

Eine Gruppe von Studenten filmt eine Zombie-Attacke, der Film im Film. Und wie in "Blair Witch Project" oder auch "Cloverfield" geht es um das Vermächtnis auf Film, das Zeugnis. Er habe etwas über die zunehmende Macht der Medien sagen wollen, so Romeros Kommentar zum neuen Werk und nennt als Beispiel die Website YouTube. "Plötzlich sind wir alle irgendwie elektronisch miteinander verbunden."

Und es sei übrigens Absicht, dass zwischen dem Gedärmegemenge so viel Zeit vergeht: "Meine Zombie-Filme liegen so weit auseinander, dass ich die Möglichkeit hatte, das sozio-politische Klima der verschiedenen Jahrzehnte zu reflektieren", hat Romero auch einmal über seine Arbeit gesagt. "Für mich sind sie eine Art Chronik, ein cinematisches Tagebuch".

"Zombies rennen nicht!"

Neben den Gedanken zu Gesellschaft, Politik und Kultur geht es dem Filmemacher dann aber doch auch um die Stars seines Films: die hablbverfaulten, angelaufenen, hirntoten Zombies. Und deren Darstellung in moderneren Filmen gefällt Romero so gar nicht: "Zombies rennen nicht! Das können sie gar nicht, dann würden ihre Knöchel brechen", kritisiert er die Herangehensweise jüngerer Kollegen. "Die wachen doch nicht von den Toten auf und gehen ins nächste Fitnessstudio", regt er sich auf." Deshalb wird in "Diary of the Dead" auch weiterhin ganz traditionell geschlurft.

Das Geheimnis des Erfolges seiner Untoten? "Den Applaus in meinen Filmen gibt es für gutes Zombie-Schlachten." Deshalb denke er morgens unter der Dusche auch immer darüber nach, wie er "diese Typen denn nun am besten umlegen" soll.

Bleibt die Frage, warum das Ende nie ein gutes ist: Da ist die Antwort so düster wie das abgestandene Blut: "Ich werde nicht lange genug leben, um bei einer Art friedlichen Ko-Existenz anzukommen. Das wäre wohl die einzige Möglichkeit, [einen Film] mit einem Hoffnungsschimmer enden zu lassen. Indem die Zombies lernen Dosenfleisch zu essen oder Geflügelleber anstatt deiner Leber. Aber so weit werde ich niemals gehen."

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