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RTL-Dschungelshow: Für Medienwissenschaftler "echtes Lernfernsehen"

Für Medienwissenschaftler Bolz ist RTL-Dschungelshow "echtes Lernfernsehen"

Hamburg - Für "echtes Lernfernsehen" hält der Medienwissenschaftler Norbert Bolz die RTL-Show "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" Hier könne man "prima Gruppenprozesse beobachten, die man so verdichtet im wirklichen Leben nie zu sehen bekommt", sagte Bolz in einem Interview mit dem stern.

Den Erfolg des Dschungel-Spektakels führt der Wissenschaftler darauf zurück, dass in Deutschland "Stars lieber gehauen als gestreichelt" würden. Das Publikum empfinde ein Vergnügen daran "den Star zu demontieren, ihn bis zu dem Punkt zu quälen, an dem seine Fassade zu bröckeln beginnt".

Warum Stars an einer solchen Show mitwirkten, habe, so Bolz, "ganz klar finanzielle Gründe". Diese Profis bekämen Geld für die Show und könnten danach vom erhöhten Bekanntheitsgrad profitieren. Der Wissenschaftler glaubt nicht, dass der Auftritt in der Dschungel-Sendung den Karrieren der Teilnehmer schaden könnte. Schon lange tauge der Begriff "Trash-TV" nichts mehr. "Müll oder nicht Müll, das unterscheidet doch keiner mehr. Die Dschungelstars können bald neben Gottschalk bei ‚Wetten, dass…?‘ sitzen."

Die Forderungen nach dem Verbot solcher Sendungen sind nach Bolz‘ Meinung "Unsinn". Man könne Massenmedien "nicht mit moralischen Maßstäben kommen". Es gebe auch keinen Punkt, an dem es nicht mehr tiefer gehe. "Geschmacklosigkeit ist unendlich", so Bolz zum stern. Es gebe aber juristische Grenzen. "Wir dürfen nicht dabei sein, wenn jemand umgebracht wird. Auch wenn uns das durchaus interessieren würde."

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