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Schwarzeneggers mühsames Comeback: Der Gouvernator als Kassengift

Vor drei Jahren kehrte Arnold Schwarzegger der Politik den Rücken und ging nach Hollywood zurück. Doch die alten Erfolge bleiben aus, auch "Sabotage" droht zu floppen. Was macht der Actionstar falsch?

Von Patrick Heidmann

Was Arnold Schwarzenegger schaffen will, das schafft er auch. Das war schon immer so; die zupackende Entschlossenheit und das unerschütterliche Selbstvertrauen sind, neben den Muskelbergen, seine anderen Markenzeichen. Vom kleinen Dorf in der Steiermark aus bester Bodybuilder der Welt werden? Den Mr. Olympia-Ruhm in eine Karriere als Action-Star verwandeln? Es in der Politik bis zum Gouverneur von Kalifornien bringen? Für den Österreicher scheinbar alles ein Kinderspiel. Doch jetzt steht er vor einem Problem: Die Rückkehr ins Filmgeschäft ist weniger erfolgreich als erhofft.

Arsch aufreißen und niemals aufgeben

"Es lohnt sich eben, sich den Arsch aufzureißen", lacht Schwarzenegger beim Interview im Luxushotel in Beverly Hills. "Das ist das Wichtigste, was ich meinen Kindern mit auf den Weg geben konnte. Und ich bin der lebende Beweis dafür!" Hart arbeiten, nie aufgeben, kein Nein als Antwort akzepieren, immer wissen, wo man hin will - auch die Leser seiner 2012 erschienen Autobiografie "Total Recall" sind mit dem schwarzeneggerschen Erfolgsbotschaften bestens vertraut.

Die Frage, ob ihm die Rückkehr nach Hollywood in irgendeiner Hinsicht schwer gefallen sei, stellt sich für den 66-jährigen auch drei Jahre nach dem Ende seiner zweiten Gouverneurs-Amtszeit jedenfalls nicht: "In diesen Kategorien denke ich nicht. Wenn man in seinem Beruf nach ganz oben kommen möchte - ganz gleich ob man dort schon mal war oder noch nicht - dann ist das immer mit harter Arbeit verbunden. Leicht wird einem nichts gemacht, weder in der Politik noch in Hollywood. Deswegen war mir von Anfang an klar, dass ich mich wieder ins Zeug legen muss. Und das tue ich, um jeden Preis."

Drei Flops in Folge

Zum ersten Mal in mehr als 40 Jahren seiner Karriere stößt Schwarzenegger aktuell mit dieser Masche allerdings an seine Grenzen. In den acht Jahren, in denen er die Geschicke des Bundesstaates Kalifornien lenkte, hatte er es tunlichst vermieden, vor die Filmkameras zu treten, und auf das Image als überlebensgroßer Actionheld bestenfalls noch augenzwinkernd für das Wahlvolk angespielt. Kaum war 2011 allerdings der Nachfolger im Amt, ging es zurück in die Traumfabrik. Wo der Erfolg aber nun plötzlich ausbleibt.

"The Last Stand", sein erster Film als Ex-Politiker, spielte in den USA weniger ein als Schwarzenegger früher als Gage für eine Hauptrolle bekommen hatte. "Escape Plan", für den er neben seinem Lieblings-Rivalen Sylvester Stallone vor der Kamera stand, lief zwar weltweit gesehen besser, was allerdings auch nur an Arnie-Fans in Russland und China lag. "Sabotage" (seit dem 10. April auf deutschen Leinwänden zu sehen) ist nun der dritte Streich in Sachen Comeback - und landete in den USA gerade mal auf dem siebten Platz der Kino-Charts.

Kinotrailer: "Sabotage"

Zwischen neuem Männerbild und altem Image

Der Schwarzenegger, den man in dem unglaublich brutalen Action-Thriller "Sabotage" zu sehen bekommt, ist auf jeden Fall ein anderer als der, der mit Filmen wie "Terminator" und "Conan der Barbar" erst zum Megastar und später mit "Eraser" oder "End of Days" fast zur eigenen Karikatur wurde. Die Haare sind jetzt grau. Auf den zwar immer noch beachtlichen, aber eben nicht mehr ganz so straffen Muskeln prangen Tätowierungen. Ernüchterung, Trauma und Bitterkeit stehen ihm ins Gesicht geschrieben. "Die Frisur war nicht meine Idee, das können Sie mir glauben", scherzt Schwarzenegger. "Aber in der Tat wollte ich mal etwas ganz anderes machen. Und diese Rolle war eine Herausforderung, wie man sie nicht alle Tage bekommt." Sich am Ende des Films die Klischee-Zigarre anzuzünden, kann er dann allerdings auch dieses Mal nicht lassen.

Tatsächlich demonstriert "Sabotage" ganz gut das Dilemma, in dem sich Schwarzenegger karrieretechnisch befindet. Einerseits ist ihm natürlich nicht entgangen, dass er sich verändern muss, wenn er in Hollywood noch mithalten will. Gar nicht unbedingt wegen seines fortschreitenden Alters, schließlich beweist Liam Neeson nachdrücklich, dass man auch kurz vor der Pensionsgrenze erfolgreich das Gesetz in die eigenen Händen nehmen und zum Actionstar werden kann. Aber darum, dass das Actionkino und damit auch dessen Männerbild sich verändert haben, kommt er nicht herum. Larger than Life-Helden, die eher Comicfiguren als echten Menschen ähneln, sind Schnee von gestern. Stattdessen kommen schweigsame Grübler wie Jason Statham oder Neeson zum Einsatz, wahlweise auch Bübchen vom Schlage Chris Pines oder Liam Hemsworths. Und Regisseure wie "Sabotage"-Macher David Ayer setzten auf Wackelkamera und Realismus statt auf den Hochglanz-Bombast der Achtziger Jahre.

Andererseits aber ist natürlich gerade das eigene Image, mit dem er einst zu einem der bekanntesten Menschen der Welt wurde, das größte Kapital, mit dem der darstellerisch wenig wandelbare Schwarzenegger wuchern kann. Dass eigentlich schon vor der politikbedingten Auszeit dieses Image nicht mehr wirklich gezogen hat und Schwarzeneggers Filme bereits ab Mitte der Neunziger Jahre immer weniger Publikum anzogen, scheint der eine oder andere Produzent heute vor lauter Nostalgie wieder vergessen zu haben.

Mit alten Rollen zurück auf die Erfolgsspur?

Was also kann der Mann, dem früher selbst das Unvorstellbare zu gelingen schien, nun tun, um den Abwärtstrend des eigenen Sterns noch aufzuhalten? Wie Matthew McConaughey die Notbremse ziehen und dem angestammten Genre komplett den Rücken kehren? Auf aktuelle Trends aufspringen, so wie mit dem von ihm auch produzierten Zombie-Thriller "Maggie", der im Herbst in die Kinos kommen soll? Der Verdacht liegt nahe, dass auch solche Maßnahmen wenig bringen würden. Denn man muss nur einen Blick auf die Kinocharts der vergangenen Jahre werfen, um die größte Veränderung zu erkennen, die Hollywood seit Schwarzeneggers Boom-Jahren durchgemacht hat. Es sind heute nämlich längst nicht mehr die Stars, wegen denen die Zuschauer ins Kino stürmen.

Die erfolgreichsten Filme sind mittlerweile fast ausschließlich Fortsetzungen, Remakes, Reboots oder Adaptionen von längst etablierten Titeln, die bereits weltweit bekannte Marken sind. Aber Schwarzenegger wäre nicht Schwarzenegger, hätte er nicht auch das längst verstanden. Und so plant er nicht nur eine Fortsetzung seines Komödien-Hits "Zwillinge" (Arbeitstitel: "Drillinge", wieder mit Danny DeVito sowie Eddie Murphy) und ein neues "Conan"-Abenteuer. Sondern vor allem ein Wiedersehen mit der ikonischsten aller Schwarzenegger-Marken, dem "Terminator". Noch im April beginnen die Dreharbeiten, und der Ex-Gourvernator schwärmt: "Das Skript ist der Hammer. Der Film wird definitiv in einer Liga spielen mit 'Terminator 2 - Tag der Abrechnung'!" Und nur für den Fall, dass es doch anders kommen sollte, hat Schwarzenegger angeblich auch den Traum von der US-Präsidentschaft noch nicht ganz aufgegeben. Der wird zwar eigentlich durch die amerikanische Verfassung unmöglich gemacht. Doch wo ein Wille ist, ist bei ihm bekanntlich auch meistens ein Weg.