Sofia Coppolas "Somewhere" im Kino Kleine Geschichte mit großer Wirkung

In der melancholischen Komödie "Somewhere" beleuchtet Autorin und Regisseurin Sofia Coppola die Schattenseiten des ewig von der Sonne beschienenen Hollywood. Beim Filmfestival von Venedig gab es dafür in diesem Jahr den Hauptpreis.

Hollywood galt schon immer als Sündenbabel. Und dieser Ruf der Traumfabrik scheint auch heute noch durchaus begründet. Das Leben des Film- und Fernsehstars Johnny Marco (Stephen Dorff) jedenfalls bestätigt alle Vorurteile: Schnelle Autos vor der Tür, gefügige Girls in diversen Betten und immer mal ein paar bunte Pillen bestimmen das Leben des Mittdreißigers, der im Luxushotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard residiert.

Sofia Coppola, Tochter des legendären Regisseurs und Produzenten Francis Ford Coppola, erzählt in ihrem neuen Spielfilm launig vom Leben Johnnys hinter der Fassade. Da bröckelt der Lack. Deutlich wird das, als plötzlich und unerwartet die elfjährige Tochter Cleo (Elle Fanning) Urlaub vom Leben bei der Mutter nimmt und sich bei dem verdutzten Papa einnistet.

Zur Katastrophe führt die Ausgangssituation nicht und ebenso wenig zur krachkomischen Klamotte. Sofia Coppola mag es bekanntlich leise. Wie schon in ihrem bisher erfolgreichsten Spielfilm, "Lost in Translation" (2003), für dessen Drehbuch sie den "Oscar" bekam, erzählt sie auch diesmal eher verhalten, oft melancholisch, stets mit augenzwinkernd-leisem Humor.

Das wirklich zauberhafte Zusammenspiel von Elle Fanning und Stephen Dorff verhilft der kleinen Geschichte zu großer Wirkung. Der 37-jährige Dorff, der bisher vor allem als Interpret kleinerer Rollen neben etablierten Stars wie Morgan Freeman ("Im Glanz der Sonne", 1992) und Nicolas Cage ("World Trade Center", 2006) agierte, beweist hier Präsenz und Power als Hauptdarsteller. Insbesondere die Ironie seines Spiels verleiht dem Film Eleganz.

Auch die während der Dreharbeiten tatsächlich erst 11-jährige Elle Fanning überzeugt völlig. Fern jeder Kindertümelei schenkt sie der von ihr verkörperten Cleo eine absolut natürlich anmutende Naivität, die den Westentaschen-Macho schließlich aus den Latschen kippen lässt. Das ist so gekonnt wie amüsant.

Als Sofia Coppola in diesem Jahr zum Abschluss des Internationalen Filmfestivals von Venedig den Hauptpreis, den Goldenen Löwen, bekam, gab es neben dem Beifall auch Buh-Rufe. Nicht wenige Festivalbesucher argwöhnten, Jury-Präsident Quentin Tarantino habe die Jury ungebührlich stark beeinflusst, um seiner Ex-Verlobten die Auszeichnung zuzuschieben.

Dessen ungeachtet überzeugt der Film als hübsche kleine Ballade von der Hohlheit eines Lebens nach den Mustern, die Illustrierten- Storys, Klatschgeschichten und so manche Kinofilme suggerieren. Gemeinsam mit Sofia Coppola und ihren beiden wunderbaren Protagonisten kann man sich als Zuschauer vergnügt und nachdenklich auf die Suche nach dem wahren Leben machen ­ und dabei einiges an Überraschungen entdecken.

Peter Claus, DPA DPA

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