Sophia Loren Eine Diva wird 70

"Miss Eleganza", "La Figura" und "Super-Mamma" wird der italienische Superstar genannt. Sophia Loren - die Frau mit den Beinen einer 20-Jährigen - feiert ihren 70. Geburtstag.

Wenn in und für Italien glanzvolle Stunden anstehen, dann ist für deren Mitgestaltung immer noch die Frau erste Wahl, die das weltweit bekannteste Gesicht ihres Landes ist: Sophia Loren. Am Montag, den 20. September, steht die Kinodiva selbst im Mittelpunkt aller Feierlichkeiten, denn dann wird die einstige neapolitanische Vorstadtschönheit 70 Jahre alt.

Gerade erst hatte sie wieder einen großen Auftritt auf den Filmfestspielen in Venedig. Da stand sie, die wohl letzte große Diva unserer Zeit: Trägerloses Kleid, tiefer Ausschnitt, die Schultern entblößt - nur ein paar leise Fältchen um den Mund ließen Spuren der Zeit erahnen. Die anderen Stars und Sternchen auf der Bühne waren gut 40 Jahre jünger als sie - eine Chance hatten sie trotzdem nicht. "Alter ist doch unwichtig", sagt sie lächelnd.

Vom "Zahnstocher" zum Sexsymbol

Mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor besaß diese Sophia Loren, die eigentlich Sofia Scicolone hieß, nichts als ein hübsches Gesicht, eine große Oberweite und dünne Beine, die als "Stuzzicadenti" - Zahnstocher - verspottet wurden.

Das war die Grundausstattung des Mädchens aus dem neapolitanischen Arbeiterbezirk Pozzuoli, dazu eine sehr ehrgeizige Mutter. Die präsentierte ihre Tochter schon ganz früh bei Schönheitswettbewerben. Es war Glück und Schicksal dieses Mädchens, im Alter von knapp 16 Jahren dem 21 Jahre älteren Filmproduzenten Carlo Ponti zu begegnen, der sofort erkannte, welchen Rohdiamanten er gefunden hatte. Zwar war Sophia zu diesem Zeitpunkt schon in kleinsten und auch anrüchigen Filmrollen aufgetreten, doch erst Ponti formte die "Miss Eleganza" zu einer Schauspielerin, die sie Anfang der 50er Jahre zum international bekannten Sexsymbol des italienischen Films machten.

Der Aufstieg

In Filmen wie "Das Gold von Neapel" (1954) und "Schade, dass du eine Kanaille bist" (1955) wurde die Loren zur großen Rivalin der populäreren, sieben Jahre älteren Gina Lollobridgida. Dass sich die jüngere im Duell der "Busenwunder" durchsetzte, lag vor allem am Hollywood-Erfolg der Schauspielerin. 1957 hatte sie mit "Stolz und Leidenschaft" ihren ersten US-Film gedreht. Den Oscar bekam sie 1961 für den wieder in Italien unter der Regie Vittorio de Sicas gedrehten Film "...und dennoch leben sie".

Sophia Loren stand damals auf der Höhe ihres Ruhms. Deshalb erwählte sie auch der große alte Charlie Chaplin zur Hauptdarstellerin seines letzten Films "Die Gräfin von Hongkong" (1965) an der Seite von Marlon Brando, den sie fast an die Wand spielte. Bei den Dreharbeiten zu "Hausboot" soll die ansonsten so tugendhafte Dame mit Filmpartner Cary Grant eine Affäre gehabt haben. Das Traumpaar des italienischen Kinos bildeten jedoch die Loren und Mastroianni, mit dem sie am liebsten spielte. In Filmen wie "Gestern, heute, morgen" (1963) oder auch in "Prêt-á-porter" (1994) wurden sie von den Zuschauern gefeiert. "Wir sind austauschbare Teile ein und desselben Köpers", sagt die Loren.

Die italienische "Super-Mamma"

Auch privat war das Glück der schönen Italienerin hold. 1957 heiratete sie ihren Entdecker und Förderer Ponti. Und gegen alle ärztlichen Bedenken wurde sie später Mutter von zwei Söhnen, was ihr in der Heimat den Ehrentitel "Super-Mamma" einbrachte. Ehrungen sind der Frau mit dem stets freizügigen Dekollete viele zuteil geworden: 1991 bekam sie den Ehren-Oscar und wurde Ritter der französischen Ehrenlegion. Bei der Berlinale 1994 erhielt sie den Goldenen Bären für ihr Lebenswerk, seit 1992 ist sie zudem Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingskommissariats.

Noch immer ist die Loren mit dem nun schon über 90-jährigen Ponti verheiratet, die eheliche Erfolgsgeschichte eines äußerlich so ungleichen Paares. Den Herzanfall von 1998 auf dem Flug von New York nach Los Angeles hat die Diva offenbar gut überstanden. "Alles ist die Frucht von Disziplin, Hingabe und Opfern. Und von Dickköpfigkeit", hat die Neapolitanerin einmal über das Geheimnis ihres lang anhaltenden Erfolgs gesagt. Können und Glück hatten gewiss auch ihren Anteil daran, dazu das, was Italien und die Welt an Sophia Loren so sehr schätzt: Bella Figura.

Ihr größter Wunsch zum 70., das verriet sie neulich, sei übrigens ein "nipotino" - ein kleiner Enkel.

AP/DPA AP DPA

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