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stern-shortlist: Das Leben ist eine Liste

Wie kann man in der Flut von Musik, Filmen, TV-Serien und Büchern heute noch die Übersicht behalten? stern-shortlist bietet eine ebenso kreative wie amüsante Lösung: ein Online-Angebot, bei dem sich jeder mit seinen Lieblingslisten präsentieren kann.

Von Carsten Heidböhmer

Rob steht vor einem Scherbenhaufen: Soeben ist der 35-jährige Besitzer eines Plattenladens von seiner Freundin verlassen worden. Eine Frau würde jetzt vermutlich sofort ihre beste Freundin anrufen, zwei Zentner Taschentücher verbrauchen und sich abends mit ihrem Teddybär vor den Fernseher setzen. Doch was macht der Mann mittleren Alters, um seine Trauer zu bewältigen? Er ordnet erst einmal seine Plattensammlung neu - und erstellt eine Liste mit den ewigen Top Five seiner unvergesslichsten Trennungen.

Mit Rob Fleming hat der britische Autor Nick Hornby eine Figur geschaffen, wie sie für die heutige Mediengesellschaft nicht typischer sein könnte: Rob verarbeitet die Komplexität des Lebens, und die Unmengen an Musik in seinem Plattenladen im Besonderen, indem er ständig neue Listen erstellt.

Früher reichte eine Einkaufsliste

Damit ist er nur der Vorreiter eines Trends: Immer mehr Menschen finden daran Gefallen, das Leben in Listen zu organisieren. Benötigte man in den ersten Nachkriegsjahrzehnten höchstens eine Einkaufsliste, um heil durch den Alltag zu schiffen, haben die Anforderungen in der modernen Kommunikationsgesellschaft massiv zugenommen. Besonders die kulturellen Archive sind gewaltig angewachsen: Allein 80.000 Bücher erscheinen jedes Jahr, die Zahl der CD-Neuveröffentlichungen liegt nicht wesentlich darunter. Hunderte von Kinofilmen starten jährlich, von neuen TV-Serien und PC-Spielen ganz zu schweigen. Wer soll da noch den Überblick behalten?

Aus dieser Not macht ein neues Internetangebot eine Tugend:

stern-shortlist

bringt ab sofort Struktur in diese Welt. Die Ordnung funktioniert hier über Listen - hilfreiche, sachkundige, sinnlose, aber vor allem amüsante Listen. Hier sind nicht die "zehn Lieblingsfilme" oder die "20 Bücher für die einsame Insel" gefragt. Vielmehr soll mit ebenso witzigen wie intelligenten Kriterien eine Schneise durch den Mediendschungel geschlagen werden. Schon zum Start des neuen Portals ist die Vielfalt an Listen überwältigend: "Alben von Bands, die wie Unternehmensberater aussehen" stehen neben "Filmen, die ihre Produzenten komplett ruiniert haben". "Konsolen-Games, bei denen sogar ernsthafte Spieler kurz grinsen müssen" finden sich einen Klick entfernt von "Klassischer Musik, die aus jeder Einraumwohnung eine Kathedrale macht".

Listen mit aktuellen Tipps

Auch auf aktuelle Themen reagiert stern-shortlist: Passend zum Kinostart des Simpsons-Films gibt es die "Alben von Bands, die Gastauftritte bei den Simpsons hatten". Sollte jemand mit dem letzten Potter-Band bereits durch sein und neuen Lesestoff suchen, bekommt er hier die "Bücher für alle, die den letzten Harry Potter schon durchgelesen haben". Und wer eine Operation bevorstehen hat, kann vorher einen Blick auf die "Songs, die für Krankenhausaufenthalte wirklich unpassend sind" werfen.

Kaum eine Liste, die in diesem Universum nicht denkbar wäre. Welche Blüten stern-shortlist in Zukunft noch treiben wird, liegt ab jetzt in den Händen der User. Denn jeder kann sich kostenlos anmelden und nach Belieben Listen einstellen. Und über die Community Kontakt mit Gleichgesinnten aufnehmen - und sich zu neuen Listen anregen lassen.

Wie erfolgreich die Methode sein kann, den Alltag in Form von Listen zu verarbeiten, zeigt sich am Ende von Nick Hornbys "High Fidelity": Nachdem Rob Fleming unter Mithilfe von zahlreichen Top-Five-Listen wieder Struktur und Ordnung in sein Leben gebracht hat, kehrt seine Freundin wieder zu ihm zurück. stern-shortlist verspricht keine derartigen Wunder. Die Teilnahme an dieser Community macht aber verdammt viel Spaß!

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