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SWR-Drama "Verratene Freunde": Gier und Neid essen Seele auf

Eine kalte Bürgerwelt mit brüchiger Moral: Im SWR-Gesellschaftsdrama "Verratene Freunde" sind Barbara Auer, Matthias Brandt, Heino Ferch und Katja Riemann in ihrer nach außen so schönen Welt gefangen.

Seelenarm und kalt wirkt fast alles in der Geschichte. Die protzige Betonvilla, die sich Unternehmer Peter (Heino Ferch) ins schwäbische Ländle setzen ließ ebenso wie die Tischgespräche, die dort geführt werden. Auch die verwaschenen, stahlgrauen Bilder, in denen Patrick Orths Kamera diese Welt zeigt. Am allerärmsten geht es im Innenleben der Personen zu: Allen voran der Mittvierziger Peter und Christa (Katja Riemann) sowie Andreas (Matthias Brandt) und Heike (Barbara Auer). In seinem kammerspielartigen Drama "Verratene Freunde", an diesem Freitag (20.15 Uhr) auf Arte zu sehen und am Mittwoch danach in der ARD, schildert das preisgekrönte Drehbuch- und Regiegespann Daniel Nocke und Stefan Krohmer ("Dutschke") eine arrivierte Gesellschaft, die frösteln macht.

Hinter teuren Fassaden belügt und hintergeht man nicht nur Berufspartner und Öffentlichkeit, sondern auch einander - führt Ehepartner und Freunde gnadenlos vor, wenn es dem eigenen Ego genehm ist. Zugleich ist das Selbstbild der Vier auf Eis gebaut, das immer brüchiger wird. Natürlich ist so eine überspitzte Sicht auf bigotte bürgerliche Verhältnisse weder neu noch klischeefrei. Doch hat man beim Zuschauen der Star-besetzten teamWorx-Produktion im Auftrag von SWR, WDR und Arte durchaus das Gefühl, eine entscheidende Zeitgeist-Facette unserer Gesellschaft serviert zu bekommen. Gier und Neid essen Seele auf, könnte das Motto lauten - einem allgemeinen Werteverfall scheint's geschuldet.

Partnertausch und Korruption

Trickreich verschachtelt geht es zu in der Geschichte, die das nicht immer leicht mögliche moralische Werten dem Zuschauer überlässt. Zunächst sonnt sich Firmenchef Peter in seinem Geschäftserfolg und der Anerkennung für sein soziales Engagement. Eher suspekt ist diese Art seinem alten Freund Andreas, einem Schulleiter mit klaren moralischen Prinzipien. Zugeben würde Andreas seinen Vorbehalt nicht, doch als er aus einem Streit zwischen Peter und dessen frustrierter Frau Christa heraus hört, dass der vermeintliche Kumpel Spendengelder für Behinderte veruntreut, nutzt der Pädagoge eine Gelegenheit, den Fall in der Presse publik zu machen.

Zusehends unschöner werden die Verhältnisse. Dabei finden ehebrecherische Verbandlungen zwischen Peter und Heike, einer selbstbewussten Ärztin, sowie zwischen Andreas und der eher unselbstständigen Christa ihre nicht immer gelungenen Höhepunkte in expliziten Sexszenen. Und auch zwischen den Neupartnern ist der Ton nicht gerade liebevoll. Als etwa Heike zu Peter sagt, "ich werde mich von Andreas trennen. Und ich sag' ihm auch, warum", antwortet dieser schlicht: "Bist du irre?" Bemerkenswert gelingt es den vier Hauptdarstellern, in Mimik, Gestik und Sprechweise eine Typologie von Wohlstandsbürgern hinzubekommen, die den Sinn für das Wesentliche längst verloren haben.

Ulrike Cordes, DPA / DPA