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Telenovelas: Toppt die Lebensliebe den Liebessturm?

Das ZDF hat eine neue Telenovela "Leben für die Liebe", die exakt zur selben Zeit wie die ARD-Serie "Sturm der Liebe" läuft, nämlich täglich um 15.10 Uhr. Bei den konkurrierenden Sender werden Vorwürfe der "Kampfprogrammierung" laut.

Der Konkurrenzkampf zwischen ARD und ZDF weitet sich auf den Nachmittag aus. Seitdem ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut dem Konkurrenten vor rund einem Jahr "Kampfprogrammierung" vorwarf, haben sich die Wogen zwischen den öffentlich-rechtlichen Nebenbuhlern nie ganz geglättet. Die neue Runde im Fernduell eröffnet nun das ZDF: An diesem Montag startet um 15.10 Uhr die 230-teilige Telenovela "Tessa - ein Leben für die Liebe" auf exakt dem selben Sendeplatz, auf dem seit dem 26. September die ARD-Telenovela "Sturm der Liebe" zu sehen ist.

Die ARD reagierte pikiert auf den Vorstoß des ZDF. "Wir haben darauf geachtet, dass unsere Telenovela nicht gegen eine ZDF-Serie läuft", kritisierte Chefredakteur Hartmann von der Tann. Allerdings hatte sich schon im Sommer 2005 herumgesprochen, dass das ZDF seine Serie mit Hauptfigur Tessa im Doppelpack mit der bereits laufenden Telenovela "Julia - Wege zum Glück" nachmittags ausstrahlen wollte. Für die ARD bot sich die Programmierung allerdings schon deswegen an, weil durch das Ende von Talker Jürgen Fliege der 15.10-Uhr-Sendeplatz neu zu füllen war.

ZDFs "Julia" entwickelt sich nicht so gut wie "Bianca"

Was das ZDF wurmte: Die ARD gewann mit dem "Sturm der Liebe", produziert von der Münchner Bavaria, nach schwächerem Start immer mehr Freunde und erzielte zuletzt für ARD-Verhältnisse traumhafte Marktanteile von 20 Prozent. Dagegen entwickelte sich die ZDF-Serie "Julia - Wege zum Glück" nicht so wie das Vorgängermodell "Bianca", das als erste Telenovela im Herbst 2004 auf den Markt gelangte und die 20-Prozent-Marke übersprang. "Julia" pendelte sich bei zuletzt zwischen 13 und 15 Prozent ein.

Quotenkiller "Verliebt in Berlin" ist Vorbild

Auch Sat.1 hat mit der Vorabend-Novela "Verliebt in Berlin" mit Alexandra Neldel hohen Zuspruch von bis zu 25 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer. Ob RTL mit einem täglichen Format nach südamerikanischem Vorbild mit einer weiblichen Hauptdarstellerin und einer abgeschlossenen Handlung aufwartet, ist immer noch offen. Der Sender strahlt bereits zwei tägliche Serien ("Unter uns" und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten") mit regelmäßig guten Quoten aus.

Produktionsfirmen kämpfen um Aufträge

Hinter den Kulissen tobt der Kampf um die Produktion der Serien. Die zum Hause Bertelsmann gehörige Grundy Ufa stellt "Verliebt in Berlin", "Julia - Wege zum Glück", "Sophie - Braut wider Willen" (auch ARD) und "Tessa" her. Doch die Mitbewerber scharren mit den Hufen: Die Bavaria hatte nach einigen vergeblichen Anläufen den Zuschlag für "Sturm der Liebe" bekommen. Grundy Ufa hat indes den Anschluss bei Sat.1 verloren, weil die "Verliebt in Berlin"-Nachfolge von einer neuen, zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehörigen Firma hergestellt werden soll: Producers at Work - der Chef kommt von Grundy Ufa.

ZDF setzt auf gut ausgebildete Schauspieler

Das ZDF preist seine neue Heldin Tessa als "modern und romantisch" an. Hauptdarstellerin Eva-Maria Grein, Jahrgang 1980, sei "unkompliziert, schön, fröhlich und vor allem an der Theaterakademie München hervorragend ausgebildet". Tessa trifft auf den "charismatischen" Sportmediziner Dr. Felix Kilian, gespielt von Oliver Boysen (Jahrgang 1972), und zwar genau in dem Augenblick, als sie das "Hotel Papa" für immer verlässt und auf dem Bahnhof der Großstadt ankommt.

Was die bislang unbekannte Schauspielerin Eva-Maria Grein nach einigen Wochen Drehzeit gerne möchte, ist das "normale Fernsehen", eine Rolle also, die nicht über 230 Folgen läuft. Aber sie habe erstmals für die Telenovela Reitunterricht genommen. "Das hat mich total begeistert", sagt sie. "Und da will ich unbedingt weitermachen."

Carsten Rave/DPA / DPA