HOME

TV Geschichte: Daktari als Dauergast

Auf Immer-Wiedersehen: TV-Reihen sind dazu da, uns ans Herz zu wachsen

Außerirdische lieben Katzen auf spezielle Weise. Im Schwarzwald sind die Ärzte überdurchschnittlich nett. Wer die SPD nicht mag, ist auch schlecht zu seiner Frau. Und wer stirbt, wird unter der Dusche wiedergeboren. Das sind nur einige Dinge, die ich gelernt habe in meinem Fernsehleben - von den Menschen, die ich jede Woche im Wohnzimmer zu Gast hatte. Es genügen nur ein paar Worte, dann sind sie wieder da, die Gefühle von damals, die Farben der Siebziger, der Geruch der Achtziger: "Der Alte". "Unsere kleine Farm". "Lindenstraße". "Biene Maja". "Dallas". "Pan Tau"! "Miami Vice"! "Daktari". "Raumschiff Enterprise"! "Wickie" natürlich und "Timm Thaler"! Eines darf man allerdings nur ganz selten wagen: eine Serie, die man früher geliebt hat, heute noch einmal sehen. "Alf" zum Beispiel ist heute nicht mehr lustig. Das sprechende Auto in "Knight Rider" spricht besser als David Hasselhoff. Serien verbinden, und sie schaffen Gräben: Wer nur ein Jahr älter ist als ich, bekommt feuchte Augen, wenn er an "Skippy, das Buschkänguru" denkt, und kennt nicht Kimba, meinen weißen Löwen. Und damit das so bleibt, damit jeder, der heute jung ist, später etwas zum Zurückdenken hat, müssen immer jüngere Serienfamilien immer neue Komödien und Tragödien durchleben. Deswegen klopfen - kuck mal, wer da hämmert! - die Serienstars heute täglich an die Mattscheibe und buhlen um Aufmerksamkeit. Aber auch die Ally McBeals und Skullys und Landärzte von heute werden in einigen Jahren im Fernseharchiv auf ihre Wiederholung warten. Und wenn die dann kommt, werden die Jungen von heute wissen, dass sie nun selbst ein wenig in die Jahre gekommen sind - im Gegensatz zu ihren Helden auf dem Bildschirm. Ich dagegen bin endlich auf der Höhe der Zeit: Derrick hat dann genau mein Alter.

Sven Stillich / print
Themen in diesem Artikel