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TV-Zweiteiler: "Die Luftbrücke" stürzt etwas ab

Sahen am Sonntagabend noch fast 10 Millionen Zuschauer "Die Luftbrücke", stürzte die Quote am Montag um rund eine Million ab. Trotzdem war der Sat1-Zweiteiler Tagessieger mit einem Marktanteil von 23 Prozent - zur Freude der Historiker.

Der Sat.1-Zweiteiler "Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei" schließt an die Erfolge ähnlicher Produktionen wie "Der Tunnel" und "Das Wunder von Lengede" an. 8,97 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 24,1 Prozent) verfolgten nach Senderangaben den ersten Teil des Films am Sonntagabend.

Besonders hoch war die Resonanz auf "Die Luftbrücke" in Berlin: Nach einer Auswertung von Media Control sahen 39,5, Prozent der Westberliner und 29,1 Prozent der Ostberliner den Dokufilm über ihre Stadt. Insgesamt verfolgten 540.000 der 3,3 Millionen Berliner die filmische Umsetzung der Zeit von 1948, als der Westteil der Stadt ausschließlich von Flugzeugen versorgt wurde, den sogenannten "Rosinenbombern".

"Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man mit einem Programm, für das man so lange Zeit intensiv und mit sehr viel Herzblut gearbeitet hat, neun Millionen Menschen begeistert", sagte Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski.

Dass besonders viele Berliner das TV-Event verfolgt haben, liegt wohl nicht nur daran, dass die Hauptstadt auch die Hauptrolle spielt, sondern sicher auch am Werbeaufwand: Schließlich wurde fast jede Bushaltestelle der Hauptstadt mit einem Plakat versehen. Historiker freut das Interesse an der Geschichte: "Es gibt schlechtere Ideen als die Verfilmung deutscher Geschichte. Wir finden es gut, dass auf diese Weise historische Themen ins Bewusstsein gerückt werden", so Bernd von Kostka, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Berliner Allliertenmuseums die historische Betreuung des Filmprojekts übernommen hat. "Es war die erste Schlacht des Kalten Krieges, und sie wurde mit Logistik gewonnen, nicht mit Waffen", so Kostka.

Aus historischer Sicht ist Bernd von Kostka durchaus zufrieden mit der Umsetzung der wahren Tatsachen: "Es sind zwar zu viele Flugzeuge in der Luft, so viele waren nie auf einmal zu sehen. Aber das muss wohl so überspitzt dargestellt werden", so Kostka. Der ständige Lärm, der über Berlin herrschte, sei wiederum sehr authentisch nachgestellt worden. Das zweite Manko sieht Kostka in der alleinigen Konzentration auf die Amerikaner. Schließlich hätten auch die Briten ein Viertel der 2,6 Millionen Tonnen Ladung nach Berlin geschafft. Bei insgesamt 277.000 Flügen verunglückten 39 britische Piloten tödlich, im Gegensatz zu nur 31 Amerikanern und acht Deutschen.

Vor allem freut sich Bernd von Kostka über die zahlreichen Besuche, die die Hauptdarsteller Heino Ferch und Bettina Zimmermann dem Alliiertenmuseum in Berlin Zehlendorf abgestattet haben. Er hofft auf viele interessierte Fernsehzuschauer, die demnächst vorbei kommen. Schließlich sei der Eintritt frei, und es stünde auch ein echter Rosinenbomber im Außenbereich des Museums.

kbu
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