VG-Wort Pixel

Theresa Breuer Sie rettete 800 Menschen aus Afghanistan, als die Bundeswehr schon abgezogen war

Aktivistin Theresa Breuer
Theresa Breuer (35) Aktivistin aus Berlin: im Ehrenamt seit 2021, ca. 1800 Arbeitsstunden in diesem Jahr 
© Maximilian Mann
Der 5. Dezember ist Tag des Ehrenamts. Der stern stellt zehn Menschen vor, die mit ihrem freiwilligen Einsatz die Gesellschaft zusammenhalten. Eine von ihnen ist Theresa Breuer. Mit ihrer Initiative rettete sie mehr als 800 Menschen aus Afghanistan.

Als Theresa Breuer erfuhr, dass die Taliban Kabul eingenommen haben, saß sie in einer Sauna im brandenburgischen Nirgendwo. Sofort brach sie ihren Urlaub ab, sprang auf, stürzte aus der Sauna und machte sich auf den Weg nach Berlin. Breuer wollte keine Zeit verlieren, sondern Leben retten.

Theresa Breuer ist Journalistin. Über Jahre hat sie an einem Dokumentarfilm über afghanische Bergsteigerinnen gearbeitet. Als die Taliban diesen Sommer Kabul eroberten, drohte den Frauen aus dem Film Gefahr. Um sie in Sicherheit zu bringen, schloss Breuer sich mit Aktivisten und Vereinen zusammen. Sie gründeten die Initiative "Kabul Luftbrücke". "Eine irrwitzige Idee", sagt Breuer, "aber wir dachten, wenn es sonst keiner macht, dann retten wir jetzt eben diese Menschen selbst."

Die Stiftung stern unterstützt Vereine, in denen sich ehrenamtliche Helfer für Menschen in Not einsetzen – wie die von Lucas Bornschlegl und Peter Ostendorf. Auch Sie können helfen – mit einer Spende an Stiftung stern, IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01, Stichwort "Ehrenamt".  www.stiftungstern.de
Die Stiftung stern unterstützt Vereine, in denen sich ehrenamtliche Helfer für Menschen in Not einsetzen – wie die von Lucas Bornschlegl und Peter Ostendorf. Auch Sie können helfen – mit einer Spende an Stiftung stern, IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01, Stichwort "Ehrenamt".
www.stiftungstern.de

Ein Dutzend Unterstützer quartierte sich bei Breuer ein, aus ihrem Berliner Wohnzimmer wurde ein Lagezentrum. Die Gruppe legte Listen an, sammelte Spenden, charterte ein Flugzeug. Bald standen nicht mehr nur die Bergsteigerinnen auf der Liste, sondern Hunderte Namen, unter ihnen Übersetzer, Journalisten, Künstler. Breuer machte Druck beim Auswärtigen Amt, telefonierte mit US-Behörden, verhandelte mit dem Außenministerium von Katar. Schließlich flog sie nach Kabul. Doch der erste Rettungsversuch scheiterte. Breuer stand am Flughafen von Kabul. Das Flugzeug war da, die Passagiere nicht. Die Menschen, die gerettet werden sollten, gelangten nicht rechtzeitig zur Maschine. An Bord schafften es nur 18 Personen, die auf der Liste der Portugiesen standen. Breuer gab nicht auf, sie blieb vor Ort. 

Initiative evakuiere schneller als die Bundesregierung

Als die Bundeswehr Afghanistan schon längst verlassen hatte, gelang es ihr, 189 Personen von ihrer Liste mithilfe der US-Luftwaffe zu evakuieren. Auch danach machte sie weiter. Bis heute hat Breuer mehr als 800 Menschen in Sicherheit gebracht, die eine Aufnahmezusage für Deutschland haben, aber ohne die Kabul Luftbrücke wohl noch immer in Afghanistan ausharren würden.

stern-Reporter Jonas Breng besucht Taliban in Afghanistan

"Die Bundesregierung lässt sich wahnsinnig viel Zeit", sagt Breuer, "wir evakuieren schneller." Einen Menschen zu retten kostet die Initiative bis zu 2000 US-Dollar. Noch immer sitzen Tausende in Afghanistan fest, trotz Aufnahmezusage. Und noch immer diskutiert Breuer mit Behörden, führt Listen, beantragt Pässe, chartert Maschinen. Seit Mitte August ordnet sie alles den Evakuierungen unter. Wie lange das noch so geht? "Solange es nötig ist", sagt Breuer, "bis die Bundesregierung ihre Verantwortung wahrnimmt."

nis / yks

Mehr zum Thema