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Vier Fragen an Audrey Tautou: "So entsteht Liebe"

"Nathalie küsst" heißt der neue Film von "Amélie"-Star Audrey Tautou. Darin geht um die unerwartete Liebe. Die gefällt der französischen Schauspielerin auch privat am besten.

Frau Tautou, glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?
Es gibt Begegnungen, die sich tief einprägen, manchmal auch vom ersten Moment an - aber ob es Liebe ist, weiß man natürlich nicht so schnell. Das ist ja gerade das Faszinierende an der Liebe: Das man nichts weiß. Nur fühlt.

In Ihrem neuen Film gehen Sie auf einen Unbekannten zu und küssen ihn leidenschaftlich. Haben Sie so etwas im wahren Leben schon einmal gemacht?
Oh nein! Ich bin da eher zurückhaltend. Aber die Szene ist toll, denn sie verrät viel über das Wesen unserer tiefsten Emotionen. Gefühle sind eine Macht, die uns einfach überwältigen kann, wie eine Welle.

Deshalb sprechen die Franzosen auch vom "Coup de Foudre", vom Donnerschlag, der einen durchfährt?
Genau, aber ein schöner Donnerschlag. Diese Momente, in denen der Kopf ausgeschaltet wird, gegen jede Vernunft. Verlieben hat nichts mit Vernunft zu tun. Es passiert einfach so, völlig unvorhersehbar und wirbelt alles durcheinander. Ich finde es sehr ermutigend, dass unser Denken nicht alles unter Kontrolle hat.

Ermutigend ist Ihr neuer Film vor allem für Männer, die optisch nicht gerade dem Schönheitsideal entsprechen: Die Superfrau verliebt sich in einen unbeholfenen Außenseiter.
Das Leben hat viele Beispiele solcher Art parat. Vielleicht zeigt der Film ja einfach nur weibliche Klugheit: Der Mann, in den ich mich im Film verliebe, verzichtet komplett auf vermeintlich männliche Tugenden wie Strategie oder Kalkül. Er ist aufmerksam, feinfühlig, und er zeigt seine wahre Natur. Und so sollte es auch sein, so entsteht Liebe. Voilà.

Andrea Ritter
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