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Will Smith im Interview: "Ich lege jeden Film meinem Priester vor"

Er ist Hollywoods erfolgreichster Star. Wohl deshalb hat Will Smith mit dem Experimentieren angefangen. stern.de verriet Smith, warum er das anstrengende Drama "Sieben Leben" machen musste, wer seine Entscheidungen beeinflusst, und warum die kommenden zehn Jahre die wichtigsten seiner Karriere sind.

Von Sophie Albers

Ein ausgezehrter Will Smith spielt einen Steuereintreiber, der Menschen auf ihre wahre Größe testet. Wer sich als guter Mensch beweist, wer seine Mitmenschen achtet, wer Respekt verdient, bekommt Aufschub. Sieben Leben will der schwer besorgt dreinschauende Mann ändern. Mehr zu verraten, würde den Kinobesuch überflüssig machen. Denn "Sieben Leben", der neue Film von Hollywoods Feel-Good-Actionstar, ist ein Experiment der Gefühle und Lebensansichten. Und vor allem eine große Portion Manipulation. "Sehen und fühlen Sie", sagt Smith. stern.de hat den Hollywoodstar trotzdem ein bisschen drumherum befragt:

Mister Smith, glauben Sie an das Konzept der Erlösung, um das sich Ihr neuer Film "Sieben Leben" dreht?

Es ist der erste Film, in dem ich mitspiele, der keine Antwort gibt, sondern die Frage stellt. Die Leute reagieren darauf sehr unterschiedlich. Je nachdem, wo sie selbst gerade im Leben stehen, ist Ben für sie ein Sünder, der durch Liebe erlöst wird, oder ein Sünder, der seinen Sünden eine weitere hinzufügt. Sie sehen in der Geschichte eine romantische Geste der Erlösung oder die Tragödie eines selbstsüchtigen Mannes. Es ist auch das erste Mal, dass ich einen Charakter spiele, mit dem ich nicht immer einer Meinung bin. Das ist wirklich was Neues, denn ich nehme den Charakter ja auf als einen Teil von mir. Ich hatte unangenehme, körperliche Reaktionen darauf, Ben zu spielen. Besonders am Ende des Films. Mein Körper hat Ben geradezu abgestoßen.

Ist nun Schluss mit lustigen Actionfilmen oder bleibt "Sieben Leben" eine Ausnahme?

Es war furchteinflößend, einen Film ohne Aliens, ohne Spezialeffekte und ohne Explosionen zu drehen. Aber ich möchte mich weiterentwickeln. Das ist definitiv der düsterste Charakter, den ich je gespielt habe. Mein Sohn sagte: "Papa, das ist das erste Mal, dass du fies bist."

In "Hancock" waren Sie auch fies.

Wenn es lustig ist, zählt es nicht. Das ist das Seltsame an Komödien: Die Leute distanzieren sich von Komödien anders als vom Drama. Ich verspreche, dass ich als nächstes wieder eine Komödie mache. (Lacht das dröhnende Will-Smith-Lachen)

Sie sagen, der Film habe keine Botschaft. Das habe ich anders gesehen und war am Ende schockiert, dass der Typ Gott spielt.

Das ist ein Problem, das ich mitbringe, wenn ich in einem Film mitspiele: Die Leute gehen von der Aussage aus, dass gut ist, was Will tut. Diesmal aber nicht. Gucken Sie es sich an. Was fühlen Sie? Ich will nichts über den Film verraten, aber für mich fällt Ben eine schwache Entscheidung. Das greift jedoch nicht den Wert der Geschichte an. Egal, ob Sie die Romanze oder die Tragödie in dem Film sehen, er lässt die Menschen nachdenken. Allein, dass wir jetzt über die Moral von Bens Entscheidungen diskutieren, zeigt, dass es eine wichtige Frage ist.

Ist das ein anti-religiöser Film?

Jeden Film, den ich mache, lege ich meinem Priester vor.

Und was hat er gesagt?

Dass es nur auf meine Meinung ankommt. Im Geschichtenerzählen gibt es kein richtig und falsch. Die Geschichte kann auch einen schrecklichen Menschen zum Thema und trotzdem Wert haben.

Also stellen Sie die Geschichte über den Charakter?

Wie gesagt, ich habe das erste Mal jemanden gespielt, den ich eigentlich nicht mag. Ich konnte mich nicht damit abfinden, dass er aufgibt. Er meint, dass Gott einen Fehler gemacht hat und hält sich für den besseren Ingenieur.

Fürchten Sie, dass auch das Glück von Will Smith plötzlich zu Ende sein könnte - durch eine Kleinigkeit wie im Film?

Immer wenn man dem Universum etwas Großes hinzufügt, wird es das Gleichgewicht wiederherstellen. Das ist die Wahrheit des Universums. Es gibt dieses alte Cowboy-Sprichwort: Ich werde das Pferd reiten, bis es mich abwirft.

Was kann der erfolgreichste Hollywoodstar eigentlich noch von der Zukunft erwarten?

Ich glaube, die nächsten zehn Jahre werden der Höhepunkt meiner Karriere sein. Es gibt diese Theorie, dass man etwas 10.000 Stunden gemacht haben muss, bis man wirklich ein Meister seines Fachs ist. Ich habe das Gefühl, im vergangenen Jahr habe ich meine 10.000 Stunden des Filmemachens zusammenbekommen. Meine Werkzeug sind so scharf wie nie, ich bin geistig und körperlich in bester Verfassung.

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