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ZDF-Programm 2006: Fernsehen ohne Jugend

Mit viel Bildung und Historie wartet das diesjährige ZDF-Programm auf. Event des Jahres ist der aufwändig produzierte historische Zweiteiler "Dresden". In Form einer "Faked Doku" wagt man den Blick in die Zukunft. Nur die Jugend kommt zu kurz.

Von Kathrin Buchner

Am Anfang steht natürlich die erfreuliche Bilanz: Erstmals nach vielen Jahren ist das ZDF wieder schuldenfrei. Das macht es leicht, den Verwaltungsrat für so kostenintensive Projekte wie den Neubau eines voll digitalisierten Sendezentrums zu gewinnen, sagt ZDF-Intendant Markus Schächter. Und noch eine erfreuliche Nachricht: Wenn die ARD am Ende des Jahres nicht noch aufgeschlossen hätte, wäre man 2006 auch noch in der Zuschauergunst ganz oben gelandet.

Besonders stolz ist man darauf, dass "jede zweite Sendesekunde Info ist", so ZDF-Intendant Markus Schächter und schlussfolgert: "Qualität macht sich bezahlt". Aktuelle Dokus und Fernsehfilme bezeichnet Schächter als "Kerngenre", die besonders in der Lage sind, das Wissen der Zuschauer zu bereichern und in die man besonders viel kreatives Engagement hineinstecke. Dementsprechend gibt es jede Menge Dokus.

Kooperation mit der britischen BBC

Bei den teils sehr kostenintensiven Produktionen hat man sich internationale Unterstützung beim amerikanischen Discovery Channel und der britischen BBC geholt. Schließlich sei die BBC erklärtes Vorbild, was die Dokumentationen anbelangt. In Form einer "Faked Doku" entwickelt man beispielsweise ein Szenario aus dem Jahre 2030, "in dem alte Menschen in einem Seniorenheim für Arme dahinvegetieren und andere in Luxus-Residenzen einen glänzenden Lebensabend genießen", so Schächter. Ein anderer Mehrteiler "2056 - Die Welt der Zukunft" befasst sich mit dem möglichen Leben in 50 Jahren.

"Dresden" ist 2006 das wichtigste ZDF-Event

Neben dem Blick in die Zukunft spielt auch die Vergangenheit eine große Rolle. Mehrere Dokudramen sind geplant, eine Mischung aus Fiktion und Dokumentation. So wird Ben Becker Luther spielen, Uwe Ochsenknecht Mozart und Maximilian Schell Einstein. Als wichtigstes Event, von dem man sich auch hohe Einschaltquoten verspricht, bezeichnet Schächter den Zweiteiler "Dresden". Er handelt von den Angriffen der alliierten Bomber auf die Elbestadt im Februar 1945 mit Felicitas Woll in der Hauptrolle. Das kennt man schon von Sat.1, die mit "Die Luftbrücke" Ende vergangenes Jahres Einschaltquoten an die 30 Prozent einfahren konnten.

In Sachen Slapstick, Sex und Songs weit hinter den privaten Sendern

Gediegenes Bildungsfernsehen, mit diesen Worten lässt sich das ZDF-Programm 2006 wohl zusammenfassen. Das öffentlich-rechtliche Vollprogramm setzt auf Qualität und die Verbesserung von altbekannten Formaten. Was fehlt? Slapstick, Sex und Songs - so könnten man es wohl zusammenfassen. Wo Pro Sieben bei jungen Leuten mit Comedy-Shows oder amerikanischen Serien wie "Desperate Housewives" punkten, wo RTL Millionen junger Menschen in der für die Werbewirtschaft stark relevanten Zielgruppe der 14-49-Jährigen mit "Deutschland sucht den Superstar" vor der Mattscheibe fesselt, hat das öffentlich-rechtliche ZDF wenig oder so gut bis nichts zu bieten. Auch wenn Schächter wettert, das blinde Dogma der 14- bis 49-Jährigen gehöre auf den Müllhaufen, muss er doch zugeben, dass man "nicht so große Fortschritte bei der Jugend macht". Man ziele aber eher auf die aktive Mitte. "Wir glauben, dass wir durch Akzentuierung von Qualität jüngere Zuschauer finden". Ein frommer Wunsch von Intendant Schächter, bei dem man nur hoffen kann, dass er auch in Erfüllung geht.

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