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Zum Filmstart von "Contraband": Baby, ich regel das!

Eigentlich hat "Contraband" alles, um ein richtig guter Actionthriller zu sein. Trotzdem bleibt das neue Mark-Wahlberg-Vehikel vor allem eins: solides Mittelmaß.

Von Rebecca Struck

Chris (Mark Wahlberg) blickt tief in die blassblauen Augen seiner zuckersüßen Frau Kate (Kate Beckinsale), nimmt ihre Hand und haucht: "Ich weiß, was ich tue. Vertrau' mir". Filmsekunden später hockt der brave Ehemann schon auf einem Frachtschiff gen Panama, bereit, seine alte Schmugglerkarriere noch einmal aufzuwärmen. Er besorgt Falschgeld, flieht und prügelt auf seinen besten Freund ein - aber das alles natürlich nur, um Frau und Kinder zu schützen. Auch wenn die testoterongeladene Geschichte von "Contraband" wirklich gut angefängt, reichlich Tempo die Handlung bestimmt und Macho Wahlberg auch mal Herz beweist: Der Thriller kommt nicht über ein solides Mittelmaß hinaus. Familienleben und Gangsterdasein lassen sich eben einfach nicht vereinbaren.

Derbe, düster und mit ordentlich Tempo

Die Geschichte ist nicht neu: Bereits 2008 kam der gefeierte Thriller "Reykjavik - Rotterdam" in die skandinavischen Kinos. Damals spielte der Isländer Baltasar Kormákur die Hauptrolle. Im US-Remake durfte er Regie führen. Dabei ist es vor allem Kormákur, der dafür sorgt, dass sich "Contraband" von den Genrekollegen abhebt: Düster und derbe kommt der Film daher. Wackelige Bilder, Echtzeit und effektiv reduzierte Action bestimmen die sonst eher vorhersehbare Handlung. Das Tempo wird schon nach wenigen Minuten angezogen und beibehalten: Spätestens als Andy (Caleb Landry Jones), Chris naiver Schwager in spe, einen Millionen-Drogendeal verpatzt und Gangsterboss "Briggs" (Giovanni Ribisi) im Südstaatenslang Chris’ Familie mit Auslöschung droht, ist der Zuschauer gebannt und mitten drin.

Wahlberg ein wenig lieblos

Wahlberg, im echten Leben Vater von vier Kindern, ist hier nicht einfach nur der prügelnde Star. Seine Rolle bewegt sich zwischen passivem Taktiker, Schmugglerkönig und schützendem Familienvater. Aber genau das ist der dicke Wehrmutstropfen: Der Star aus dem großartigen Boxfilm "Fighter" liefert zwar eine solide, aber eben keine überragende schauspielerische Leistung ab. Er wirkt fast ein wenig lieblos, einfach zu abgeklärt, wenn der Zoll ihn verhört oder die Flucht im Van im Kugelhagel der Polizei endet. Auch die Ehe mit Kate nimmt man beiden Schauspielern trotz etlicher Ich-liebe-dichs nicht wirklich ab. Kormákur gelingt es einfach nicht, absolute Hingabe für die Familie und das Gangsterdasein glaubhaft zu verbinden. Da schaut man Giovanni Ribsi lieber beim Bösesein zu: Er glänzt als abgewrackter, knallharter und volltätowierter "Briggs" in seiner Nebenrolle. Auch wenn ihm die deutsche Synchronisierung einiges an Bos- und auch Ernsthaftigkeit nimmt, verkörpert er Böses und Wahn überzeugend.

Trotz einiger origineller Wendungen und Gags, Spannung durch den stetig wachsenden Zeitdruck für Chris und ordentlich Tempo kommt "Contraband" nicht über das konventionelle "Held rettet alle und lebt glücklich bis an sein Lebensende"-Prinzip hinaus. Ein passabler Thriller für Action-Fans, nicht schlechter, aber auch nicht besser als das skandinavische Original.