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Zum Filmstart von "Johnny English - Jetzt erst recht" Der todernste Witzbold


Komiker sind keine lustigen Menschen. Ein gutes Beispiel für diese schmerzliche Weisheit lieferte Rowan "Mister Bean" Atkinson, als er in Berlin seinen neuen Film "Johnny English - Jetzt erst recht" vorstellte. Und jetzt bitte recht freundlich.
Von Sophie Albers

Komiker lachen nicht. Sie sind zu sehr damit beschäftigt zu analysieren, warum etwas lustig ist oder nicht", sagt James Lipton, Moderator der berühmten US-Fernsehshow "Inside the Actors Studio".

Das Phänomen des ernsten Spaßmachers kann man immer wieder beobachten. Mal sind Lachprofis zurückhaltend - Typ freundlicher Professor wie Steve Martin - mal geradezu verklemmt wie der übervorsichtige Steve Carell. Oder sie weisen gleich darauf hin, dass das Lachen uns Menschen eigentlich nur von dem Wissen um die eigene Sterblichkeit ablenken soll - wie Russell Brand. Aber was ist mit denen, die gar nicht reden? Bei denen es reicht, sie anzusehen, um einen veritablen Lachkrampf zu kriegen? Was ist zum Beispiel mit Mister Bean?

Der Augenbrauenakrobat

Leider: Auch da gibt es eine Überraschung. Und die wächst sich sogar zur Enttäuschung aus. Anlass ist ein Besuch in Berlin: Augenbrauenakobat Rowan "Mister Bean" Atkinson, der als moderne Version von Buster Keaton zuerst Großbritannien und dann die ganze Welt zum Schenkelklopfen brachte, ist auf Werbetour für seinen neuen Film "Johnny English – Jetzt erst recht", der jetzt in den deutschen Kinos gestartet ist.

Der Streifen erfüllt alle Komödien-Erwartungen: Mit eingebritischtem "Nackte Kanone"-Humor und Atkinsons Gummigesicht wird die Geschichte eines clouseauesken Geheimagenten erzählt, der eigentlich zu dämlich ist, sich die Schuhe zuzubinden, doch auf Grund diverser Zufälle und dem Willen der Drehbuchautoren an vorderster Front gegen das internationale Verbrechen kämpfen muss. Es gibt Verwechslungen, verschwurbelte Glückstreffer und eine Verfolgungsjagd im Rollstuhl. Der Humor ist immer zu hören.

Die Hände von Grace Kelly

Als der Mann mit dem vertrauten Mister-Bean-Gesicht den Raum betritt, dauert es gerade mal Sekunden, diesen hart erarbeiteten emotionalen Vorschuss zu pulverisieren. Mister Bean ist Johnny English ist Mister Atkinson, und letzterer ist so sehr englischer Gentleman, dass man plötzlich meint, er ginge zum Lachen in den Keller. Alles an diesem Mann steht für Kontrolle. Der Anzug ist aus feinstem Zwirn, Manschettenknöpfe schauen hervor, die Hände wirken manikürt, und die Handbewegungen erinnern in ihrer zurückhaltenden Eleganz an Grace Kelly in "Die oberen Zehntausend". Da hat er noch nicht mal gesprochen.

Auch die Stimme passt zum Bild. Angenehm sonor, die Sätze enden zuweilen mit einem leisen Lachen, das eigentlich nur ein höfliches Lächeln ist. Kurz zuckt die Augenbraue, aber wo zum Teufel ist Mister Bean? Der ist tot, so die lapidare Antwort: "Ich werde ihn nicht noch einmal spielen", sagt der Mann, der Beans Augenbrauen trägt. "Ich fühle mich nicht zu alt oder unfähig, aber ich habe ihn immer als Charakter ohne Alter gesehen, zeitlos wie eine Zeichentrickfigur. Er ist vielleicht unsterblich, ich bin es aber nicht. Also würde er älter aussehen, wenn ich ihn spielen würde, und das will ich nicht. Ich will ihn so wie vor zehn Jahren. Um das sicherzustellen, muss ich damit aufhören." Vornehm-mildes Lachen.

Das Aroma der Glaubwürdigkeit

Demystifikation Nummer zwei sind Atkinsons Ausführungen zu Witz-Techniken. Warum das eine funktioniert, das andere nicht. Das Timing, der Kontrast, "das Aroma der Glaubwürdigkeit": "Ich denke, Johnny English ist geringfügig weniger dumm als Inspektor Clouseau und darum als Agent erfolgreicher." Es sei ein bekanntes Problem, wie man Komödiencharaktere in der Geschichte einen Sinn für Realität behalten lasse. "Man fragt sich doch, warum Inspektor Clouseau im dritten Film noch nicht gefeuert wurde. Aber innerhalb der Elastizität der Fiktion, sagt man, das ist in Ordnung. Wir müssen einen weiteren Film machen - und mehr Geld." Augenbrauenzucken, Lippenkräuseln. Und kurze Zeit später der Killersatz: "Der Witz ist der Kontrast zwischen der Absurdität dessen, was der Charakter tut, und der Ernsthaftigkeit des Kontextes."

Verzweiflung macht sich breit und folgende Frage muss raus: Mister Atkinson, fühlen Sie sich eigentlich wohl als Mister Bean? "Ich bin nur wirklich lustig, wenn ich jemand anderes werde. Vor allem im Fall von Mister Bean fühle ich mich wohl, denn der ist ein sehr extremer Charakter. Das ist wie das Betreten einer vierten Dimension. Und das finde ich auf seltsame Art und Weise befreiend."

Wie sagte schon Winston Churchill: Ein Witz ist eine ernsthafte Sache.


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