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Zum Tod von Loriot Meister der Selbstironie

Auf seinem Gründerzeitsofa wurde der Komiker Loriot zu einem Markenzeichen intelligenter Fernseh-Unterhaltung. Jetzt ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.

Er schuf den vielleicht populärsten Rentner und Lottomillionär der Fernsehgeschichte: Erwin Lindemann, der mit dem Papst und seiner Tochter auf Island eine Herrenboutique aufmachen wollte. Auch den knollennasigen Müller-Lüdenscheidt in der Badewanne verdankt das Publikum dem "Grandseigneur des deutschen Humors", wie Viktor (Vicco) von Bülow alias Loriot auch schon genannt wurde. Jetzt ist er im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See gestorben, wie der Diogenes Verlag am Dienstag in Zürich mitteilte. Die Beerdigung soll im engsten Familienkreis stattfinden.

Das Sofa als Markenzeichen

Auf seinem Gründerzeitsofa wurde Loriot zu einem Markenzeichen intelligenter Fernseh-Unterhaltung. Im Gegensatz zu seinen Figuren - ob Liebes stammelnd mit Nudel im Mundwinkel oder streitend in der Badewanne - legt der Sohn eines preußischen Berufsoffiziers großen Wert auf gute Umgangsformen. "Die haben den Sinn, ein friedliches Miteinander zu ermöglichen", sagt der seit über 45 Jahren in Ammerland am Starnberger See lebende Wahlbayer aus Brandenburg an der Havel. "Ohne ein Minimum an Stil gerät man sich schnell in die Haare. Gutes Benehmen ist eine Schutzmaßnahme, um sich nicht dauernd gegenseitig auf den Schlips zu treten."

"Frauen denken logischer"

Ein nicht geringes Maß seiner Figuren stecke auch in ihm selber. "Ich zeige ja allzu menschliche Dinge, die wirklich jedem passieren und einen großen Wiedererkennungswert haben", meint Loriot. Distanz und eine gute Beobachtungsgabe seien dafür unerlässlich. "Darüber hinaus muss man wach bleiben, nichts als selbstverständlich hinnehmen und sich über alles wundern." Auch seine Ehefrau Rose-Marie, mit der er seit 1951 verheiratet ist und zwei Töchter hat, habe ihm zu vielen Anregungen verholfen. Überhaupt schätze er Frauen sehr, weil sie häufig viel klüger seien und logischer denken. "Ich habe immer gerne mit Frauen zusammengearbeitet." Eine von ihnen - seine langjährige Partnerin Evelyn Hamann - denkt noch heute gerne an die "wunderbare Zusammenarbeit".

Multitalent Loriot

Eigentlich wollte der Spross einer alten preußischen Adelsfamilie ein "großer Maler" werden. Aber dazu gehöre so viel, da habe er sich lieber auf die Kunst der humoristischen Darstellung beschränkt. Großen Erfolg hatte Loriot auch mit Operninszenierungen und den Filmen "Ödipussi" und "Pappa ante portas". Seine Kurzfassung von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" an einem Abend begeistert die Zuschauer immer wieder. Produktiv wie kaum ein anderer zeigte Loriot sein einzigartiges Können als Zeichner, Texter, Schauspieler, Autor, Bühnenbildner, Dirigent, Fernseh-, Kino- und Opernregisseur. Auch wenn er meint, es sei ihm "in 80 Jahren nicht gelungen, mich dauerhaft einer Tätigkeit zu verschreiben, die man allgemein hin als Beruf bezeichnet".

Vielfach geehrt und Preis-gekrönt

Angefangen hat Vicco von Bülow seine Karriere nach Notabitur und Kriegsdienst als Gebrauchsgrafiker, bevor er von 1950 an in Zeitschriften Karikaturen veröffentlichte. Dabei nutzte er das Pseudonym Loriot - die französische Bezeichnung für das Wappentier der Bülows, den Pirol. Inzwischen haben seine Cartoons nicht nur museale Weihen erhalten, sondern auch eine millionenfache Auflage erreicht. Selbst Skatspieler reizen mit Loriot-Karten in der Hand. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen der Ehrenpreis der Goldenen Kamera, der Karl-Valentin-Orden, das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik und die Ehrenbürgerschaft von Münsing und Brandenburg.

Jetzt ist Loriot an Altersschwäche gestorben. Die Beerdigung soll im engsten Familienkreis stattfinden.

che/DPA DPA

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