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Zurück in die Zukunft-Tag: Warum ich 1985 so sein wollte wie Marty McFly

Eine orangefarbene Daunenweste, eine Gibson-Gitarre und eine Casio-Digitaluhr: Das wünschte sich unser Autor 1985, nachdem er "Zurück in die Zukunft" gesehen hatte. Der Grund: Er wollte so sein wie Marty McFly.

Von Hannes "Marty" Ross

Michael J. Fox

Christopher Lloyd (l.) als Dr. Brown und Michael J. Fox als Marty McFly spielten 1985 in "Zurück in die Zukunft" die Hauptrollen. Bis heute ist der Film Kult.

Als ich 14 war, wünschte ich mir nichts mehr als eine orangenfarbene Daunenjacke ohne Ärmel. Doch meine Eltern waren zweckorientierte Erziehungsberechtige. Sie sahen keinen Sinn darin, ihrem Sohn eine Winterjacke ohne Ärmel zu kaufen. Ich konnte sie auch nicht davon überzeugen, dass meine schrumpelige Pfadfinder-Konzertgitarre dringend durch eine feuerrote Gibson ES-345 ersetzt werden muss, die doch so viel schöner aussah und viel mehr Krach machen konnte. Immerhin: Die Casio-Digital-Uhr mit Taschenrechner und einem Speicher für zehn Telefonnummern bekam ich irgendwann. Die trage ich noch heute. Geht eine kaputt, kaufe ich eine neue.

Zurück in die Zukunft


Schuld daran ist Marty McFly, gespielt von Michael J. Fox in "Zurück in die Zukunft". Er trug diese ärmellose orangefarbene Daumenjacke, spielte auf einer Gibson ES-345 Jazz-Gitarre eine Heavy-Metal-Version von "Johnny B. Goode" und er hatte auch eine Casio-Uhr mit Taschenrechner.  Das war 1985, jenes Jahr, wo Jungs entweder so sein wollten wie Boris Becker oder wie Marty McFly. Becker hatte rote Haare, spielte in kurzen weißen Hosen Tennis und trug den Spitznamen "Bum, Bum Boris". Marty McFly hängte sich mit seinem Skateboard an Autos ran und raste mit einem unfassbar coolen chromfarbenen DeLorean-Sportwagen mit Flügeltüren in die Zukunft. Natürlich entscheid ich mich für Marty McFly, der wie ein großer Kino-Bruder war und einem zeigen konnte, was einem im Leben noch alles erwartet würde: Fliegende Skateboards, die sich "Hoverboards" nannten, Jacken, die sich selbst wieder trockneten, und wenn man es richtig anstellt, konnte man am Ende auch noch das schönste Mädchen der Schule kriegen.

Zurück in die Zukunft

Am 21. Oktober 2015 kommen Marty McFly und Dr. Brown mit ihrem DeLorean in der Zukunft an.

In diesem Jahr feiert "Zurück in die Zukunft", diese nie mehr so hinbekomme Mischung aus Comedy, Science-Fiction und Coming-Of-Age-Drama, sein 30-jähriges Jubiläum. In deutschen Kinos gibt es "Zurück in die Zukunft"-Nächte, bei denen alle drei Teile noch einmal aufgeführt werden. Ich muss da nicht hin, ich habe die Filme so oft gesehen, dass ich sie auswendig mitsprechen kann, aber es rührt einem das Herz, wenn man den Parkinson erkrankten Michael J. Fox gemeinsam mit Christopher Lloyd in einem Spot für den Autohersteller Toyota sieht. Da unterhalten sie sich darüber, was alles wahr geworden ist, denn der 21. Oktober 2015 war ja genau jener Tag, den sie damals im Film in der Zukunft besuchten. Erstaunlich viel ist Realität geworden: Flachbildschirme sind heute überall, die digitale Brille aus "Zurück in die Zukunft 2" hat Google erfunden und  selbst den Traum von "Hoverboard", dem in der Luft schwebenden Skateboard, haben einige Tüftler der Firma Lexus realisiert.

Das schönste Mädchen der Schule? Hab' ich auch!

Den amerikanischen Sportwagen DeLorean, von dem damals nur 92.000 Exemplare gefertigt worden, bevor die Produktion eingestellt wurde, gibt es heute gebraucht schon mal für 22.000 Euro. Manchmal surfe ich über die Auto-Anzeigen im Internet und träume davon, ihn mir zu kaufen, aber das ist so ähnlich wie die orangefarbene Daumenjacke. Meine Frau ist da auch sehr zweckorientiert. Wir fahren jetzt einen VW-Caddy. Ohne Flügeltüren, aber mit sieben Sitzplätzen. Das ist auch okay. Denn jeder, der "Zurück in die Zukunft" liebt und aufmerksam studiert hat, weiß ja, dass man sich nie in die Zeitraumkontinuität einmischen sollte. Alles kommt, wie es kommen soll. Ich kann mich ja nicht beschweren: ich habe eine Casio-Digital-Uhr mit Taschenrechner und habe das schönste Mädchen meiner Schule geheiratet. Mehr Marty McFly geht nicht.