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"Still-Leben" A40 60 Kilometer Autobahn-Kultur


Auf der Autobahn 40 wurden am Wochenende Fußgänger gesichtet. Grudn zur Sorge bestand jedoch nicht: Die drei Millionen Menschen trieben nicht etwa kollektive Selbstmordgedanken auf den Asphalt, sondern ihre gemeinsame Begeisterung für Kunst und Kultur.

So viele Menschen hat der berüchtigte "Ruhrschnellweg" A 40 auch beim dicksten Stau noch nicht gesehen: Geschätzte drei Millionen Besucher, darunter etwa eine Million Radfahrer, haben am Sonntag zwischen Duisburg und Dortmund auf der Autobahn ein Riesenvolksfest gefeiert. Damit wurden die Erwartungen der Veranstalter weit übertroffen. Für das spektakuläre Kulturhauptstadtprojekt "Still-Leben" war die A 40 auf einer Länge von 60 Kilometern für Autos gesperrt worden. Fußgänger und Radfahrer tummelten sich auf den Fahrspuren. Der Andrang war so groß, dass die Auffahrten zeitweise gesperrt werden mussten.

Auf der für Radfahrer und Inline-Skater reservierten Spur hatte es bereits rund eine Stunde nach dem offiziellen Start gegen Mittag erste Staus gegeben. An der "Tischspur", die aus 20 000 Biergartentischen bestand, präsentierten Gruppen aus der ganzen Region ihre "Alltagskultur": Taubenfreunde, Theatergruppen und Tanzformationen waren ebenso vertreten wie Imker, Schachclubs oder Fußballfans. An vielen Tischen wurden Geburtstage gefeiert - Passanten sangen spontan "Happy birthday" mit.

Ganz viel Multi-Kulti aus der Vielvölkerregion Ruhrgebiet war vertreten: Die Gruppe "Bosporuhrus" lud zu türkisch-deutschen Spezialitäten ein. Der "English table" zauberte ein englisches Picknick. Auch Ostfriesen kamen zur Revier-Autobahn und servierten Tee mit Kluntje und Sahnewölkchen.

Die Veranstalter der Kulturhauptstadt-Projektgesellschaft Ruhr.2010 äußerten sich hochzufrieden: "Es war eine fröhliche, friedliche Kulturtafel, die man so schnell nicht wiederbekommt", sagte Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen. Die Feuerwehr zählte bis zum frühen Nachmittag lediglich rund 100 Einsätze, zumeist wegen leichterer Verletzungen.

Pleitgen regte eine Wiederholung der Mammut-Veranstaltung an. "Auf ein Neues. Lass uns das noch mal probieren", sagte er. Der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) schlug laut Ruhr.2010 einen Zwei-Jahres-Rhythmus für das "Still-Leben" vor. Die vielbefahrene Autobahn sollte am Montagmorgen um 5.00 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben werden.

DPA DPA

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