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Jugend-Ausstellung: Generation Irgendwas

Ob Raver, Rapper, Skater, Sprayer, Girlies oder Hooligans - eine große Vielfalt prägt die Jugendkulturen der Gegenwart. Die Ausstellung "Die Jugend von heute" in der Frankfurter Kunsthalle Schirn versucht, diese Bandbreite in 150 Werken einzufangen.

"Anstatt nach 'Generation Golf' oder 'Generation Reform' einen weiteren Typus anzubieten, geht es in der Ausstellung vor allem darum, die Verbindungen und Brüche der Jugend und ihrer unterschiedlichen Lebenspraktiken ausfindig zu machen", erklärt Kurator Matthias Ulrich. In den Generationen vorher waren die Jugendszenen meist klar abgegrenzt und standen sich zur Auswahl gegenüber. Punker oder Popper, war die Frage. Ein deutlicher Widerstand gegen die Eltern und das Establishment wirkte zudem identitätsstiftend.

Jugendkultur ist zersplittert

Doch heute verschwimmen die Grenzen zwischen jung und alt. Die Eltern verwenden die gleichen Codes wie die Jugend, in Sprache, Musik und Kleidung. Der hippen Mutti sind die Kleinen schon zu spießig. Der Generationenkonflikt bleibt aus. Die Pubertät heute wird begleitet von einer medialen Informationsflut. Der Austausch dabei ist global. Uni-Sex verwischt die Geschlechtergrenzen. Traditionelle Strukturen und Sicherungssysteme lösen sich auf und eine sich schnell wandelnde Gesellschaft fordert ein hohes Maß an Beweglichkeit. Die jetzige Jugendkultur hat sich so in viel separate Gruppen zergliedert. Es kommt zu einer breiten Streuung der Identitäten. Jugendlichen durchlaufen inzwischen meist eine ganze Reihe von Szenen - und diese oft auch noch nebeneinander. Die Vielfalt und das Chaos provoziert viel Unverständnis.

Installationen mit exzessivem Clubbing

Durch diese eher melancholische Welt der jungen Leute führt die Ausstellung in fünf Kapiteln: Politik/Revolte, Existenz/Sein, Körper/Sex, Musik/Club und Stadt/Raum. In Collagen und Samples verwenden die Künstler Bruchstücke der Jugendkultur. Gemälde entziffern Graffiti auf verschmierten Wänden. Comics und Zeichnungen offenbaren sexuelles Begehren und Angstträume. Von exzessivem Clubbing und wilden Konzerten zeugen die Installationen. Auf Fotos üben die Kids coole Posen und präsentieren ihre Frisuren und Mützen wie Stammeszeichen. Die Künstler folgen den Mädchen in die Umkleidekabine und fahren Skateboard mit den Jungen. Und in Videos stellen Jugendliche sich dem großen Casting fürs Leben. Viel gelacht wird dabei nicht.

Wie sich diese Lebenswelten der Teenies und Twens in der zeitgenössischen Kunst spiegeln, zeigt die Kunsthalle Schirn in Frankfurt. Unter dem Titel "Die Jugend von heute" werden dort bis zum 25. Juni rund 150 Werke internationaler Künstler präsentiert.

Reinhold Hügerich/AP / AP