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Kurator Matthias Ulrich: "Postmoderne ist Normalität"

Wie sich die Lebenswelten der Teenies und Twens in der zeitgenössischen Kunst spiegeln, wird derzeit in einer großen Ausstellung in der Frankfurter Kunsthalle Schirn gezeigt. stern.de sprach mit Matthias Ulrich, der die Schau konzipiert hat.

Herr Ulrich, Ziel ist "die postmoderne Realität der gegenwärtigen Jugend" darzustellen. Wie macht man soll abstrakte Aussage konkret und setzt sie visuell um?

Für die aktuelle Jugend ist Postmoderne kein Theoriegebäude, sondern die Normalität. Vielfalt jugendlicher Identitäten, Heterogenität von jugendkulturellen Szenen sind nolens volens Programm junger Künstler und solcher, die sich mit Jugend in ihren Arbeiten beschäftigen.

Jugend - ein weites Feld. Wie bekommt man die Fülle des Materals unter einem solch allgemeinen Ausstellungstitel in den Griff?

Es gibt einerseits einen persönlichen, selektiven Zugriff auf dieses weite Feld. Andererseits hat der Kontakt zu einigen Künstlern dazu geführt, auf andere Künstler aufmerksam zu werden und dadurch sukzessive das weite Feld einzugrenzen und in einer Handvoll signifikanter Merkmale zu verdichten. Die Bekanntschaft mit Sue de Beer ganz am Anfang der Ausstellungskonzeption hat beispielsweise dazu geführt, Künstler wie Ian Cooper oder Matthew Greene kennen zu lernen.

Auf welche Arbeiten sind Sie besonders stolz?

Ich bin sehr froh, von Alex Tennigkeit eine speziell für die Ausstellung konzipierte Arbeit zeigen zu dürfen, wie auch eine wichtige Videoinstallation des international bekannten Künstlers Pierre Huyghe.

Welche Präsentationsformen sind gewählt, gibt es interaktive Formen?

Interaktives im Sinne von Berühren, Eingreifen oder ähnliches gibt es nicht - bis auf einen nachgebauten Ford Mustang in der Videoinstalltion "The Dark Hearts" von Sue de Beer. Es kommen alle möglichen Medien zum Einsatz: von Video über Skulptur zu Malerei und Installation. Diese Vielfalt ist wichtig, weil gerade junge Künstler häufig in verschiedenen Medien arbeiten und diese zueinander in Beziehung setzen.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsobjekt und warum?

Mein persönlicher Favorit sind die schon klassisch zu nennenden Porträtfotografien von Philip-Lorca diCorcia, die eine unglaubliche Anziehungskraft ausüben und trotz ihrer Einfachheit nur schwer in Worte zu fassen sind.

Das Interview führte Kathrin Buchner.

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