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Premiere in Hamburg und Berlin: Verhaltener Applaus für Schimmelpfennigs "Peggy Pickit"

Sein neues Stück wurde mit Spannung erwartet: Roland Schimmelpfennigs "Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes" feierte Premiere in Berlin und Hamburg. Das Publikum reagierte zurückhaltend.

Der 43-jährige Roland Schimmelpfennig gehört zu den meistgespielten deutschsprachigen Gegenwartsdramatikern. Auch im Ausland hat er mit seinen Stücken Erfolg. Nach der Uraufführung in Toronto feierte Schimmelpfennigs neues Werk "Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes" am Freitagabend in Berlin Deutschlandpremiere in der Inszenierung von Martin Kusej. Und eine zweite Inszenierung von Wilfried Minks zog gleich am Samstagabend im Hamburger Thalia Theater nach.

Im Deutschen Theater in Berlin konnte der Autor nicht rundum überzeugen. Während die Schauspieler Sophie von Kessel, Ulrich Matthes, Maren Eggert und Norman Hacker viel Applaus erhielten, gab es für Schimmelpfennig auch vereinzelte Buhrufe.

Schimmelpfennig ("Der goldene Drache") erzählt von zwei Paaren, die sich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder sehen. Während das eine Paar als Ärzte in einem Krisengebiet in Afrika gearbeitet hat, ist das andere zuhause geblieben und hat sich mit Geld, Haus und Kind eingerichtet. Schimmelpfennig mischt nun Beziehungsdrama mit einem ziemlich an der Oberfläche bleibenden Entwicklungshilfe-Diskurs.

Durch Wiederholungen und laut gesprochene innere Monologe bringt Kusej eine ironische Leichtigkeit ins Spiel. Bühnenbildnerin Annette Murschetz hat ein quadratisches, grell weiß erleuchtetes Quadrat ohne jegliche Requisiten aufgestellt. Darin stehen die Schauspieler vor einer bis scheinbar ins Unendliche verlängerten schwarzen Tiefe. Doch der Zuschauer bleibt bloßer Beobachter, keine der Figuren kommt ihm emotional richtig nahe.

Moralische Zerrissenheit ergab sich auch bei der Premiere im Hamburger Thalia Theater am Samstag nicht wirklich. Das von Wilfried Minks inszenierte Stück bekam nur verhalten Applaus. Minks hat einen Raum mit Picknickgedeck und zum Publikum gerichteten Stühlen geschaffen. In diesem Rahmen versuchen sich die Freunde weniger voreinander als vielmehr vor den Zuschauern zu rechtfertigen, wenn sie immer wieder in ihre inneren Monologe verfallen oder zu Rückblenden an den Bühnenrand treten. Das wirkt witzig, bisweilen auch albern, während im Hintergrund fortwährend eine gewaltige Erdkugel durch den Raum schwebt.

Beim Lebensentwurf-Vergleich der Paare (es spielen Tilo Werner, Gabriela Maria Schmeide, Oda Thormeyer und Matthias Leja) gibt es Verletzte auf beiden Seiten: Die Daheimgebliebenen tragen schwer an ihrer egoistischen Ohnmacht. "Ihr habt Menschen geholfen", sagt Liz. "Und wir machen das Garagentor auf und zu." Die Heimkehrer haben dagegen nicht nur mit den Affären des Partners zu kämpfen. "War es das wirklich wert?", hinterfragen sie müde den humanitären Einsatz.

DPA / DPA