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Schwerin: Ausstellung für einen Altnazi?

Arno Breker, Hitlers bevorzugter Bildhauer , pflegte bis in die 80er Jahre hinein Kontakte ins rechtsextreme Milieu. Das berichtet der stern in seiner jüngsten Ausgabe. Der Kurator der Breker-Ausstellung in Schwerin reagierte zurückhaltend.

Die Stimmung im Büro des Oberbürgermeisters von Schwerin ist gut - auch im Hinblick auf die umstrittene Ausstellung über Arno Breker, Hitlers Lieblingsbildhauer. 5000 Besucher seien in den vergangenen zehn Tagen gekommen, berichtet Sprecher Christian Meyer. Der Katalog sei bereits vergriffen, ein Nachdruck im Gang. Besonders freut sich Meyer darüber, dass viele Menschen von außerhalb anreisen, um sich Brekers Herrenmenschen-Skulpturen anzusehen. "Für viele war Schwerin bislang nur ein weißer Fleck auf der Landkarte", so Meyer. Und ein paar kaufkräftige Touristen können schließlich nicht schaden.

Unter den Besuchern, so Meyer, seien auch einige, denen man "unterstellen könnte", dass sie der rechtsextremen Szene angehörten. Nachweisen lässt sich natürlich nichts, da es bei Kunstausstellungen keine Ausweiskontrollen gibt. Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch - zumal Breker noch bis ins hohe Alter Kontakte in die rechtsextreme Szene pflegte, wie Recherchen des stern belegen.

Der Witwe ist "nichts bekannt"

Demnach nahm Breker in den 70er Jahren den Goldenen Ehrenring des "Deutschen Kulturwerkes Europäischen Geistes" (DKEG) entgegen. Diese Organisation war 1950 von einem ehemaligen SA- und NSDAP-Funktionär gegründet worden, um die Eliten des NS-Staates weiter zu fördern. 1980 erhielt er die "Ulrich-von-Hutten-Medaille" der "Gesellschaft für freie Publizistik", der größten rechtsextremen kulturpolitischen Vereinigung in Deutschland, ins Leben gerufen von früheren NSDAP-Funktionären und SS-Offizieren. Brekers Witwe Charlotte bestätigte dem stern, dass ihr Mann die beiden Auszeichnungen erhalten habe - es sei ihr allerdings "nicht bekannt" gewesen, dass es sich um rechtsextreme Organisationen handle.

Doch damit nicht genug: 1986 lobte Breker den "kulturell anspruchsvollen Stil" der "Deutschen Monatshefte", im Dezember desselben Jahres veröffentlichte er in dem rechtsextremen Blatt einen Artikel über den französischen Künstler Aristide Maillol. 1987 statteten Mitglieder des rechtsextremen "Bundes Heimattreuer Jugend" Brekers Atelier einen Besuch ab, die Nacht über durften die Gäste im Garten seines Privathauses zelten. Brekers Witwe bestätigt das, der "Bund" sei ihr aber "kein Begriff".

Nach Brekers Tod trauerte das antisemitische Blatt "Die Bauernschaft" um ihren "Leser" Breker. Das Blatt wurde herausgegeben vom einstigen SS-Sonderoffizier in Auschwitz-Birkenau, Thies Christophersen. Der sorgte 1974 mit seiner Broschüre "Die Auschwitzlüge" weltweit für Empörung. Brekers Witwe erklärte dem stern, sie kenne das Blatt nicht. In rechten Publikationen wird Breker als früher "Förderer" der NPD genannt. Brekers Witwe hält das gegenüber dem stern für "unverständlich".

Viele Millionen, keine Reue

Charlotte Breker hält den Nachlass ihres Mannes, der 1991 verstorben ist, unter Verschluss. Deswegen konnten Forscher noch keine detaillierte Biografie des Bildhauers vorlegen. Bekannt ist indes, dass Breker von Hitler mit Millionenhonoraren und Dotationen gefördert wurde und - ebenso wie andere NS-Künstler - nach dem Krieg keine Reue gezeigt hat. Gleichwohl ließen sich Staatsmänner wie Konrad Adenauer und Industrielle wie Peter Ludwig von Breker porträtieren.

In einer ersten Reaktion auf die Recherchen des stern verwies Kurator Rudolf Conrades auf den Katalog. "Dass Breker sich nach dem Krieg nie wirklich von seiner Arbeit distanziert hat und dass er bis zum Ende als überzeugter Nationalsozialist gesehen werden kann, das steht auch in einem Beitrag unseres Ausstellungskataloges", so Conrades zur "Schweriner Volkszeitung". Über mögliche Änderungen der Ausstellung oder weitere Hinweise für Besucher verlor Conrades kein Wort. Conrades war am Donnerstagnachmittag nicht für eine weitere Stellungnahme zu erreichen.

Die Ausstellung in Schwerin ist die erste Werkschau Brekers nach dem Krieg, die von einem öffentlichen Museum veranstaltet wird. Sie hat 55.000 Euro gekostet und ist noch bis zum 22. Oktober geöffnet.

stern/mw/lk
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