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Theatherkritik zu "The Who and the What": Islamkritisches Stück feiert in Hamburg Premiere

Am Hamburger Schauspielhaus hatte am Wochenende Ayad Akhtars islamkritisches Drama "The Who and the What" Premiere. Ein großartiges Stück, das Debatten auslösen wird.

Paul Herwig als Eli (von links nach rechts), Lina Beckmann als Zarina und Ernst Stötzner

Paul Herwig als Eli (von links nach rechts), Lina Beckmann als Zarina und Ernst Stötzner im Theaterstück "The Who and the What" in Hamburg

Waren Sie lange nicht im Theater? Vielleicht, weil Sie der Meinung sind, dass dort zu häufig die immer gleichen Inhalte in neuen Gewändern durchgekaut werden? Und finden Sie das schade, weil Sie eigentlich gern mal wieder ein tolles Theatererlebnis hätten? Dann haben wir was für Sie. Sehen Sie sich das Stück " and the What" des Pulitzerpreisträgers Ayad Akthar an, das Karin Beier am Hamburger Schauspielhaus inszeniert hat. Es hatte am Wochenende Premiere. Das Publikum der deutschen Uraufführung war begeistert und wollte gar nicht zu klatschen aufhören. Kein Wunder, denn Beier und ihr hervorragendes Ensemble sorgten für einen packenden Abend. Und das mit einem nicht gerade gefälligen Thema. Es geht um den Islam. Und um eine Familie. Und wie beides irgendwann nicht mehr zusammenpasst. Weil eine junge Frau beginnt, Fragen zu stellen.

Zu Beginn des Stücks sehen wir die äußerlich noch intakte Familie. Sie lebt in Atlanta. Ein Vater und zwei erwachsene Töchter. Afzal (Ernst Stötzner) stammt aus Pakistan, hat als Taxifahrer angefangen und besitzt nun eines der größte Taxiunternehmen der Stadt. Ein Macher. Seine Frau ist an Krebs gestorben. Aufopferungsvoll kümmert er sich um seine Töchter. Manchmal zu sehr. Für die Älteste Zarina (Lina Beckmann), gibt er sogar ohne deren Wissen eine Kontaktanzeige mit ihrem Foto auf und checkt die Kandidaten dann höchstpersönlich auf Heiratstauglichkeit. Einen heiratet Zarina dann tatsächlich. Afzal sieht sich als guten Muslim, aber Kopftücher müssen seine Töchter nicht tragen. Er ist ein durchaus liebevoller Vater, solange man die Grundfesten seines Glaubens nicht in Frage stellt. Aber genau das tut Zarina. Sie schreibt ein Buch über den Propheten und stellt Fragen: Wer war Mohammed als Mensch? Was trieb ihn? Wie war sein Verhältnis zu Frauen, und wie fragwürdig begründet der Islam hieraus die untergeordnete Rolle der Frau in dieser ? Zarina schreibt heimlich, aber der Vater findet das Manuskript. Entsetzt befiehlt er er die Vernichtung des für ihn blasphemischen Werkes. Aber Zarina publiziert das Buch. Der Vater verstößt die Töchter und wird dennoch in seiner Gemeinde zum ebenfalls Ausgestoßenen. Die Familie zerbricht.

"The Who and the What" zeigt Menschen, nicht nur Klischees

Was dieses Stück so sehenswert macht, ist, dass es Menschen zeigt und nicht nur Klischees. Die Fronten scheinen anfangs scheinbar klar und damit auch die Sympathien des Publikums: Hier der Patriarch und religiöse Betonkopf, dort die aufgeklärte, junge Muslima. Aber so einfach ist es nicht. Man mag diesen knurrigen, manchmal tapsigen Über-Kümmerer irgendwie, der nicht aus seiner Haut kann. Er liebt seine Töchter, aber er ist gefangen in den Konventionen und Erwartungen seiner religiösen Community, die am Ende stärker sind als alle familiären Gefühle. Ayad Akhtar stellt dem Zuschauer im Grunde zwei simple Fragen: Was haben Menschen aus der Religion gemacht? Und was macht diese Religion heute mit den Menschen? Über Antworten kann man lange diskutieren. Dieser mitreißende Theaterabend lädt dazu sein.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo