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Tod mit 55 Jahren Trauer um Cartoonisten Martin Perscheid

Martin Perscheid blickt ernst in die Kamera
Der Cartoonist Martin Perscheid lebte und arbeitete bis zu seinem Tod in Wesseling bei Köln
© imago/Thomas Lebie
Der Cartoonist Martin Perscheid ist tot. "Wir sind unendlich traurig...", schreibt sein Verlag. Schwarzer Humor war sein Markenzeichen.

Martin Perscheid schuf in seinem viel zu kurzen Leben tausende Cartoons. Seine Protagonisten sind oft wohlbeleibt, ausgestattet mit knolligen Nasen, und Kulleraugen und oft genug: politisch völlig inkorrekt. Der Künstler überschritt zeichnend Grenzen, was den Betrachter lauthals und herzhaft lachen ließ, vielleicht sogar über sich selbst. Er zielte mal auf Dicke, mal auf Dünne, widmete sich gerne auch Frauen- und Männerklischees. Manchmal waren seine Cartoons zotig, manchmal bitterböse, vielleicht für viele nicht leicht verdaubar, aber oft komisch. Jetzt ist der Künstler im Alter von 55 Jahren gestorben.

Perscheid starb am vergangenen Samstag. "Wir trauern um unseren Cartoonisten und Freund Martin Perscheid, der am Ende den Kampf gegen den Krebs verloren hat", heißt es in der Traueranzeige des Lappan Verlags. "Wir sind unendlich traurig...".

Martin Perscheid war seit den 1990ern erfolgreich

1995 veröffentlichte der in Wessling geborene Rheinländer sein erstes Buch, heißt es in der Anzeige. Unter dem Titel "Perscheids Abgründe" schuf er mehr als 4300 Cartoons. Vor allem davon schwärmt der Verlag: "Seine Furchtlosigkeit vor Blicken in menschliche Abgründe des Sexismus, Rassismus, der Ignoranz, Korruption und Dummheit und wie er all das mit beißendem Spott und rabenschwarzem Humor in Cartoons einfing, war einzigartig."

Ein Museumsbesucher und ein Cartoon zum Thema Böhmermann und Erdogan
Eine Karikatur von Martin Perscheid im Museum Weserburg für aktuelle Kunst in Bremen bei einer Ausstellung 2016
© Ingo Wagner / Picture Alliance

"Dieser Verlust ist dramatisch. Wir verlieren mit Martin Perscheid nicht nur einen der besten und populärsten Zeichner der Komischen Kunst, sondern auch ein Vorbild und einen Wegbereiter – und einen Freund", sagte Martin Sonntag, Leiter der Caricatura Galerie.

Die Galerie mit Sitz in Kassel verweist in ihrer Traueranzeige auf der Homepage zudem auf die vielen Auszeichnungen, mit der "einer der bedeutendsten Cartoonisten unserer Zeit" geehrt wurde: "Max & Moritz-Preis" (2002) für die beste deutsche Comic-Serie, dritter Platz beim "Deutschen Karikaturenpreis" (2006) und dritter Platz beim "Deutschen Cartoonpreis" (2018). Außerdem wurde ihm 2004 die Kulturplakette der Stadt Wesseling verliehen.

Tiefschwarzer Humor

Und die Caricatura ehrte ihn 2016 mit dem "Denkmal für den unbekannten Idioten", das seitdem auf dem Vordach der Caricatura am Kasseler KulturBahnhof steht. Ein Schwarz-Weiß-Foto von Martin Perscheid und dem Denkmal ist auf der Seite zu sehen. Perscheid lebte und arbeitete bis zu seinem Tod in Wesseling bei Köln.

"Martin Perscheids Humor war nicht erfrischend, er war schwarz. Er wollte mit seinen Cartoons nicht nur spielen, sondern zubeißen. Dort, wo es wehtut und wo andere sich lieber wegducken, weil es kaum auszuhalten ist", brachte es die Programmleiterin des Oldenburger Lappan Verlages, Antje Haubner, am Donnerstag auf den Punkt. "Wir trauern um einen der größten deutschen Cartoonisten und um einen lieben Freund. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie."

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anb SpotOnNews DPA

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