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M. Beisenherz: "Sorry, ich bin privat hier": Adel vernichtet

Königsfamilien sind wie Straßenmusiker: ganz nett anzusehen - solange es im Ausland ist. Warum Griechenland eine royale Familie gebrauchen könnte, der Adel hierzulande aber eher was für den RTL-Vorabend oder die Kripo ist, erklärt Ihnen der Rolf Seelmann-Eggebert der "Generation LOL", Micky Beisenherz.

"Wie albern und verblödet uns der Gedanke eine Königin zu haben auch vorkommen mag, als Amerikaner müssen wir freundliche und rücksichtsvolle Gastgeber sein."

Lt. Frank Drebin hatte völlig recht.

Die Queen war hier. Zu Besuch in Deutschland. Und nu?

Zunächst einmal sei festgehalten, dass die Königin nach Hause fliegt und ihren Landsleuten erzählt, dass die Deutschen so höflich waren und das lokale Wetter auf sie abgestimmt hatten.

Die Kanzlerin spricht Englisch

Außerdem der teutonische Fleiß. Immerhin machte die Kanzlerin die Führung durch ihre Arbeitsstelle zur Chefsache. Dass sie deren Sprache in etwa so beherrscht wie schnelle Entscheidungen, wurde von Merkel lässig weggerautet. So ein Englisch hat die Königin zuletzt auf ihrem 85. gehört, als Harry in SS-Uniform einen Deutschen imitiert hat. Vermutlich Schäuble.

Sonst noch was hängen geblieben?

Ach ja, dass die großen Momente deutscher Malerei offenbar schon eine Weile länger her sind. Das Gemälde von Nicole Leidenfrost, das die kindliche Elisabeth auf einem Pferd zeigen soll, kam bei ihrer Majestät in etwa so gut an wie ein Twerking-Video von Camilla.

"Nehmen Sie einfach das Marzipan"

Ein blaues Pferd? Als Ballermann-Song vielleicht okay, aber als Geschenk für die Queen nur so halbschön. Auf die mimische Schlagseite der Queen Elizabeth ("Merkwürdige Farbe für ein Pferd") reagierte Bundespräsident Gauck dann auch prompt und fiel der bedauernswerten Künstlerin umgehend in den Rücken mit den Worten "Well, wenn Sie das Bild nicht mögen, nehmen Sie einfach das Marzipan."

Sätze, mit denen Cornelius Gurlitt sich nie hätte abspeisen lassen.

Liebe Elizabeth, das dürfen Sie uns nicht übel nehmen - wir Deutschen kennen Pferde meist nur als Lasagne.

Aber warum drehen wir eigentlich so durch, wenn eine 89-Jährige mit ihrem greisen Gatten Berlin besucht? Hängen vor Absperrungen oder dem Fernseher, um Omma mit Lampenschirm zu begaffen, während die eigenen Großeltern im Heim zwischen den Puddingintervallen verschimmeln.

Immer wieder diese verdammten Gurkenschnittchen

Stundenlang diese endlos öde Berichterstattung, flankiert vom mittlerweile ca. 134 Jahre alten "Adelsexperten" (wird definitiv so im Berufsinformationszentrum nicht angeboten) Rolf Seelmann-Eggebert. Permanentes Kreisen um Pimm's Cup und Gurkenschnittchen. Immer wieder diese verdammten Gurkenschnittchen.

Warum tun wir uns das an? Warum rasten wir aus, wenn William und Kate ein Kind kriegen?

Wow. Ein BABY! Toll.

Ich mein, im Ernst, wer in Verzückung darüber gerät, dass zwei Briten sich paaren, war noch nie an mallorquinischen Stränden!

Was gehen uns die Windsors an?

Wie sagte Keith Richards dereinst auf die Frage, warum er nicht bei Lady Di auf der Beerdigung gespielt hat: "I didn't know that chick." Und der ist immerhin Engländer.

Was geben uns diese Leute? Gehört der Adel nicht sogar generell abgeschafft?

Wem bringen die was?

Klar, die Holländer um Willem und Maxima sind ganz putzig - aber sonst?

Schwedens Carl Gustav wäre unter normalen Umständen vermutlich nicht mal Lagerist bei H&M geworden, hat aber dafür mehr Prostituierte gesehen als Kalle Schwensen.

Spaniens Juan Carlos holt wahrscheinlich schon die Flinte raus, wenn bei der Enkelin im Kinderzimmer nur 'ne Benjamin-Blümchen-Kassette (klar, 'ne Kassette) trötet, und seinem Nachwuchs sollte man in Finanzfragen auch teilweise nicht zwingend trauen.

Zumal diese Adeligen ein Heidengeld kosten.

Brauchen diese Länder im Jahr 2015 ernsthaft königliche Familien?

Ja! Klar!

Der Adel ist für sein Volk wie ein Zeugnis vergangener Größe. Eine nationale Rückversicherung der eigenen Bedeutung. Wie ein letzter guter, wenn auch leicht abgewetzter Anzug. Seht her, wir sind eben doch edel, schick und schön. Insofern muss es ein Schock gewesen sein, als plötzlich Camilla Parker-Bowles Teil der Royal Family wurde. Was unfair ist. Die Frau ist deutlich lustiger als Ihre Vorgängerin es je war.

Möchten Sie Gloria von Thurn und Taxis da oben sehen?

Nein, königliche Familien sind gut. Je dreckiger es den Ländern geht, je größer die Gefahr völliger moralischer Erosion und politischer Ziellosigkeit, desto wichtiger ist es, da oben an der Spitze Menschen zu wissen, die noch etwas Größe, Glanz und Würde ausstrahlen.

Von daher ist es vielleicht ganz gut, dass der Adel in Deutschland nichts mehr zu melden hat.

Möchten Sie Gloria von Thurn und Taxis da oben sehen?

Eine Premium-Irre, der die Nation dabei zusehen kann, wie sie langsam den Verstand verliert.

Immer gut für Leute, denen die Kandidaten von "Schwiegertochter gesucht" zu sehr im Leben stehen. Schaffte sie in den 90ern, als junge Witwe den beachtlichen Kraftakt, das marode Haus Thurn und Taxis im Alleingang zu sanieren, ist "Schnacksl- Gloria" nur noch drei heile Synapsen von der irren Oma entfernt, die in der Fußgängerzone mit dem "Jesus rettet"- Schild rumrennt. Schade.

Verklappungs-Installation am türkischen Expo-Pavillon

Ernst August von Hannover? Ehemaliger Mittelgewichtschampion im Paparazzi-Infight. Seit seiner Verklappungs-Installation am türkischen Expo-Pavillon 2000 hat der allerdings auch deutlich an (Mittel-) Strahlkraft eingebüßt.

Oder natürlich der bedauernswerte Eduard von Anhalt. Ein netter Mann, der immer dann aus der Kiste geholt wird, wenn es etwas über die Windsors zu berichten gibt. Der Mann ist schließlich Cousin von Prinz Charles.

Das allein ist schon schlimm genug. Dem Guten kocht seit Jahren das Blaublut. Wird sein schöner Nachname seit Jahren verscherbelt wie ein Rolex-Imitat an der Strandpromenade von Rimini. Begonnen hat es mit Adoptivprinz No.1, Frederic von Anhalt - und ging seitdem erstaunlicherweise sogar noch weiter bergab.

Mittlerweile gehört der Adelstitel von Anhalt zum Zuhälter von Welt wie der mintfarbene Lambo oder die operierte Schweinenase. Pimps Cup statt Pimm's Cup.

Der Name von Anhalt ist auf Ramschniveau angekommen.

Entmutigter Blick auf die andere Seite des Zauns

Der Rest? Von und Zus, die nur schwer verleugnen können, dass man in der Herrenkaste Sexualpartner gerne in der eigenen Familie castet.

Was für ein trauriger Haufen.

Insofern ist es bei uns adelsaffinen Deutschen wahrscheinlich nur ein entmutigter Blick rüber auf die andere Seite des Zauns, wenn wir uns die Royalen in den anderen Ländern anschauen.

Die haben Pizza Hawaii mit doppelt Käse  - und wir? Brot mit Tomatensauce. Gäbe es nicht Peter von Frosta - wir hätten wohl gar keinen Adeligen mehr, zu dem wir Deutschen aufschauen können.

Seufz.

Wenn Ihnen diese Kolumne nicht gefallen hat - ich hab auch noch Marzipan da.