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"Kicking Television": Einstieg in die Wilco-Welt

Die US-Band Wilco um den eigenwilligen Sänger und Songschreiber Jeff Tweedy erspielt sich eine stetig wachsende Fan schar. Ihre neue Live-Doppel-CD bietet eine ideale Einführung in den aktuellen Band-Cosmos.

Die spannendsten Momente eines Wilco-Konzerts sind die, wenn die Band einen wohltemperierten Song plötzlich in einer Klangorgie untergehen lässt, die Halle mit Lärm wie einen Luftballon aufpumpt, der jederzeit platzen kann. So ziemlich an der Schmerzgrenze schwebt dann wieder der Song zurück, das Publikum holt tief Atem und - applaudiert. Wilco haben es geschafft: Sie haben in harter Arbeit und furchtlosen Experimenten ein Publikum gewonnen; Fans, die sogar von Kansas City zum Konzert-Heimspiel nach Chicago kommen und von Jeff Tweedy angeschnoddert werden: "Schön, dass ihr gekommen seid. Jetzt haltet die Klappe."

Und wer immer noch glaubt, Wilco seien so etwas wie eine Rockband, der bekommt gleich am Anfang in "Misunderstood" klargestellt, dass sie sich ganz anders begreifen. "Well, what can you do?" sagte Tweedy kürzlich in einem Interview zum leidigen Thema Wilco als live einheizende Rockband. "You can't really get rid of that shit, you go with it and it is all there. That's what it is all about." Die 114 Minuten aus dem Vic Theatre bringen, eingebettet in einem unglaublich kompakten Band-Sound, Tweedys Vision von Musik auf den Punkt, geben seinen Appellen einen Raum, das Leben nicht mit Nebensächlichkeiten zu vergeuden. Das Live-Doppelalbum "Kicking Television" ist ein guter Einstieg in die Wilco-Welt.

Uwe Käding/AP

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