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"Metanoia"-Premiere enttäuscht Kopflos ohne Schlingensief


Eigentlich sollte Christoph Schlingensief die Oper "Metanoia" inszenieren. Doch das "enfant terrible" der deutschen Kulturszene starb zwei Tage vor Probenbeginn. Ersetzen konnte und wollte man den kreativen Kopf der Aufführung nicht - und machte ohne Regisseur weiter. Eine Fehlentscheidung.

Der Start der Berliner Staatsoper Unter den Linden an neuer Wirkungsstätte ist am Sonntagabend beim Publikum nur mit kurzem und bravem Applaus quittiert worden. Die Uraufführung der Oper "Metanoia - über das denken hinaus" von Jens Joneleit eröffnete die Spielzeit im Schiller Theater, dem Ausweichquartier der Staatsoper für die kommenden drei Jahre.

Ursprünglich sollte Christoph Schlingensief die Regie für das Auftragswerk übernehmen, er starb jedoch zwei Tage vor Probenbeginn Ende August. Die Leitung des Opernhauses entschloss sich daraufhin, das Werk ohne Regisseur aufzuführen, obwohl Schlingensief keinerlei "Gebrauchsanweisung" für diese Inszenierung hinterlassen hatte.

Applaus gab es am Premierenabend für die fünf Sänger, allen voran Sopranistin Annette Dasch, für den Schauspieler Martin Wuttke und für den musiklaischen Leiter der Aufführung, Daniel Barenboim, sowie auch verhaltene Zustimmung für den Komponisten Joneleit.

Offensichtlich ratslos ließ die Oper die meisten Zuschauer zurück, denn sie hatte keine Handlung. Definierte Rollen hatte Joneleit in seiner Oper nicht vorgesehen, sondern diese stattdessen mit Sopran (Dasch), Bassbariton (Daniel Schmutzhard), Charaktertenor (Graham Clark), Bass (Alfred Reiter) und Koloratursopran (Anna Prohaska) betitelt. Der Zuschauer solle selbst entscheiden, was er von dem Abend mit nach Hause nehmen wolle, hatte der Komponist zuvor gesagt. Im Hintergrund des Bühnenraumes waren kaum erkennbar Filme Schlingesiefs in schwarz-weiß zu sehen.

In Szene gesetzt wurde die Aufführung von einem künstlerischen Team, zu dem auch Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz sowie sein langjähriger Dramaturg Carl Hegemann gehören. Auf einer kargen Bühne stellten sich die fünf Sänger in unterschiedlichen Formationen auf, sangen und sprachen die Texte von Rene Pollesch, der für das Libretto die ersten 20 Seiten von Friedrich Nieztsches "Die Geburt der Tragödie" überschrieben hatte. Pollesch ist ein vielfach ausgezeichneter Dramatiker und Regisseur, der vor allem für sein politisches Diskurs-Theater bekannt ist und sonst ausschließlich seine Texte als Regisseur auch selbst auf die Bühne bringt.

APN APN

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