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"Tanz der Vampire": Musical mit Biss

Wilde Vampire, schöne Frauen und viel Blut: Das Musical "Tanz der Vampire" lässt den Besuchern in Berlin den Schauer über den Rücken laufen. Doch keine Sorge, am Ende feiern alles zusammen ihre ganze eigene "Rocky Horror Picture Show".

Sehnsüchtig blickt die hübsche Wirtstochter Sarah in die verschneite Landschaft. Dunkelheit umgibt sie. Der Mond taucht die transsylvanischen Berge in silbriges Licht. Ein Bild des Friedens. Doch hinter ihrem Rücken schleicht sich eine schaurige Kreatur heran. Die krallenartigen Hände schließen sich um die Schultern der Arglosen. Der Vampir reißt seinen Mund mit den messerscharfen Zähnen auf - und fängt an zu singen.

So geht es zu beim "Tanz der Vampire", jenem Musical, das regelmäßig in Berlin im Theater des Westens aufgeführt wird. Die Aufführung basiert auf der auf der gleichnamigen Film-Komödie aus dem Jahr 1967, bei der Roman Polanski Regie führte und ebenfalls die Rolle des Alfred übernahm. Auch in Berlin spielt ein bekanntes Gesicht diese Rolle: Alexander Klaws, Sieger bei der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" gibt dem Vampirjäger.

Schrulliger Forscher jagt Vampire

Das Musical erzählt die Geschichte des berühmten Vampirforscher Abronsius, der zusammen mit seinen Assistenten Alfred in Transsylvanien nach Blutsaugern sucht. Die beiden Wissenschaftler verbringen die Nacht im Gasthaus des Ehepaares Chagal. Der schüchterne Alfred verliebt sich in Sarah, die schöne Tochter der Wirtsleute. Doch auch der Graf von Krolock, ein Vampir, hat ein Auge auf das Mädchen geworfen. Mit Charme und Geschenken wirbt er um ihre Gunst.

Mit Erfolg: Bereitwillig folgt sie seiner Einladung zum Mitternachtsball im Schloss. Professor Abronsius und Alfred nehmen die Verfolgung auf. Mutig begeben sie sich in die Höhle des Löwen und bleiben als Gäste im Schloss des Grafen. Während der Professor den Vampiren Holzpfähle durch das Herz rammen will, hat Alfred nur Sarah im Kopf. Er möchte sie vor dem Biss des Grafen retten. Um Mitternacht erheben sich die Untoten aus den Gräbern und eilen zum Ball. Jetzt wird es gefährlich für die beiden Wissenschaftler, denn sie sind als Party-Snack vorgesehen.

Preisgekröntes Musical

Die schrillen Vampire tanzten 1997 zum ersten Mal in Wien auf der Theaterbühne. Drei Jahre später wanderte das Musical zunächst nach Stuttgart, dann nach Hamburg, wo es bis 2006 in der Neuen Flora aufgeführt wurde. Die Aufführung zieht die Massen an und wurde schon mehrfach mit dem deutschen Musical Award ausgezeichnet.

Vom Film unterscheidet sich das Musical jedoch erheblich, schließlich musste das Stück auf die Bedingungen der Bühne angepasst werden. Der schwarze Humor ist im Film feiner, im Bühnenstück hingegen offensichtlicher und teilweise mit einem Hang zur Albernheit. Dies zeigt sich besonders in der Person des Professors Abronsius. Genial spielt Werner Bauer den schrulligen Vampirforscher, für den Logik die größte Tugend ist. Doch die flachen Dialoge zerstören die Komik, die Bauers Gestik erzeugt. Im Musical steht die Liebesgeschichte zwischen Sarah und Alfred im Vordergrund. Die vielen dahinschmachtenden Duette gestalten die Handlung etwas schleppend.

Gute Unterhaltung mit starken Effekten

Dennoch ist "Tanz der Vampire" gute Unterhaltung. Die Songs von Komponist Jim Steinman sind poppig und gehen leicht ins Ohr. Die aufwendig gestaltete Kulisse erzeugt eine schaurig-schöne Stimmung. Die Aufmachung der Vampire ist nicht weniger detailverliebt.

Insgesamt überzeugt "Tanz der Vampire" durch seine Gesangsdarbietungen, die szenischen Effekte und die Kostüme. Doch im Vergleich zum Film ist das Finale plump geraten. Statt den Zuschauern Schauer über die Rücken zu jagen, feiern die Pop-Vampire eine "Rocky Horror Picture Show".

be/igü